Die Meinungen über das erste Bioshock
sind in er Branche geteilt. Die Mehrheit feierte es als
revolutionären Shooter, doch einige Wenige empfanden das Spiel als
weit weniger beeindruckend und viel zu simpel im Aufbau. Einig sind
sich aber alle, wenn es um den zweiten Teil der Reihe geht: Der kam
nicht an die Klasse des ersten Spiels heran. Klar. Es steckte auch
ein anderes Entwicklerstudio dahinter. Jetzt haben sich für Bioshock
Infinite wieder die ursprünglichen Macher an die Arbeit gemacht.
Und es wird sich vieles ändern.
Das fängt allein schon beim Setting
an. „Über Rapture haben wir alles gesagt, was es zu sagen gibt.“,
so die Entwickler vor der Präsentation des neuen Spiels. Will
heißen: Es gibt ein völlig neues Setting. Vorbei ist es mit der
Unterwasserwelt. Doch das neue Setting ist nicht einfach nur eine
neue Stadt, es könnte nämlich kaum unterschiedlicher sein, als das,
was man bisher gesehen hatte. Bioshock Infinite spielt hoch
über den Wolken. In einer fliegenden Stadt, genannt Columbia. Einst
war es ein hochmoderner Ort gewesen, ein Traum, der Wirklichkeit
wurde. Der Traum von einem besseren Amerika. Doch wie so oft, sind
Träume auch hier zum Platzen da. Die Stadt zerfällt, eine
Totalüberwachung findet statt, nichts ist mehr so, wie es einst
angedacht war.


Genaue Details zur Story wollten sich
die Jungs von Irrational Games leider nicht entlocken lassen.
Lediglich, dass die Stadt verschwunden ist und angeblich zu einem
Militärprojekt umgebaut wude. Hin und wieder wird sie gesichtet und
irgendwer soll in Columbia mächtig Radau machen. Dafür zeigten sie
aber hinter verschlossenen Türen einen Gameplay-Zusammenschnitt. Was
das ist, fragt ihr? Das ist eine Szene, die sie tatsächlich vor
versammelter Presse gespielt haben, die es jedoch so nicht im finalen
Spiel geben wird. Die meisten Elemente wird es dann zwar immer noch
geben, nur eben nicht in dieser Reihenfolge. Warum man das macht?
Ganz einfach: Zur Präsentationszwecken. So gibt es geballte Action
in möglichst kurzer Zeit. Und glaubt uns, wenn wir schon jetzt
schreiben: Ja. Das war Action vom Feinsten!
Es begann surreal. Der Spieler erwachte
aus der Bewusstlosigkeit, sah ein Roboterpferd welches schon halb
defekt war und einen Wagen hinter sich herzog. Auf dem Wagen, da saß
ein toter Mann. Nach kurzer Laufzeit sah man ein brennenden kleinen
Laden, plötzlich explodierte gleich ein ganzer Ballon, welcher einen
Teil der Stadt im Himmel hielt. Direkt davor fegte eine Frau die
Straße, ganz seelenruhig. Auf dem Marktplatz angekommen, predigt ein
Mann in einem Stand voller Waffen den Untergang. Überall stehen
Schilder mit düsteren Parolen darauf, wie „Tötet sie alle“ oder
„Ich bring euch alle um“.
Der Entwickler, der am Controller saß,
schnappte sich eine Waffe – und mit einem Schlag brach die Hölle
auf Erden los. Des Predigers Augen beginnen zu leuchten, überall
kommen finstere Gestalten her und selbst die umherfliegenden Raben,
welche ebenfalls Roboter zu sein scheinen, greifen an. Es beginnt
eine schnelle Schießerei, der Mann jedoch flieht. Nimmt einen Haken
heraus und hängt sich an ein Schienennetz, welches die verschiedenen
Plattformen von Columbia verbindet und verschwindet rutschend
scheinbar im Nichts. Sofort nimmt der Entwickler die Verfolgung auf,
zückt ebenfalls einen Haken, macht einen gewaltigen Sprung und hängt
sich ebenfalls an das Schienennetz. Eine wilde Achterbahnfahrt
beginnt, ein Flug im freien Fall, es geht rund. Schließlich gelingt
es, den Mann zur Strecke zu bringen. Doch schon ist die ganze Stadt
auf den Fersen des Spielers gewesen.
Auf der Flucht geht es in Kneipen rein,
von überall her fliegen Kugeln und auch in der Kneipe lässt sich
kein Schutz finden, denn auch hier richtet sich der Mob gegen den
Spieler auf. Panik macht sich breit. Die ganze Stadt scheint verrückt
zu sein, alle Menschen sind furchtbar aggressiv. Doch dann bekommt
der Entwickler von Elisabeth Unterstützung, einem weiteren
Charakter. Und schon scheint sich die Situation zu entspannen, denn
die zierliche Frau hat einiges an Power. Sie feuert Blitze auf die
Masse, wobei der Spieler unterstützend beiträgt. Die Menge wird
unter Strom gesetzt, doch taucht dann ein bösartiger großer Roboter
auf. Elisabeth erstellt, unter Aufbringen all ihrer Kraft einen
Klumpen aus herumliegenden Gerümpel, der Spieler feuert das Zeug auf
den Gegner und fast hat man das Gefühl, dass jetzt ein wenig Ruhe
ansteht. Doch weit gefehlt. Mit einem Schlag taucht ein noch
mächtigerer Gegner auf – eine Flucht beginnt, die jäh auf einer
Brücke endet. Alles stürzt ein, das Letzte was wir zu sehen bekamen
in der Präsentation, das war Elisabeths entsetztes Gesicht. Ende.
Aus. Alle saßen völlig sprachlos und baff in den Sofas. Keiner
wagte es, zu sprechen. So fasziniert waren alle Anwesenden. Dann
Applaus.



Doch wo sind die Little Sisters
geblieben? Wo der Big Daddy? Nun ja, zumindest die Roboter sind
wieder dabei. Wenn auch unter einem anderen Namen und mit einem
anderen Aussehen. Doch die kleinen Mädchen gibt es nicht mehr. Dafür
hat Elisabeth ihren Weg in die Welt von Bioshock Infinite
gefunden. Ihre speziellen Kräfte stellen die neue moralische
Problematik dar. Es kostet sie ungemein viel Aufwand und Kraft, diese
übermenschlichen Fähigkeiten an den Tag zu legen. Es bringt sie
immer ein Stück näher an den Wahnsinn und an den Tod. Ist es das
dem Spieler wert? Erst das fertige Spiel wird diese Frage beantworten
können.
In Sachen Technik gibt es dagegen
keinerlei Fragen mehr. Die Entwickler haben eine surrealistische
Wunderwelt geschaffen, die auch noch bombastisch aussieht. Das Design
ist fabelhaft, doch waren auch die Effekte, die Texturen, die
Animationen, ja einfach alles bis auf das letzte Detail durchdacht.
Lediglich Elisabeth wollte mit ihrem Aussehen nicht so ganz in die
Welt passen – doch bis zur Fertigstellung haben die Entwickler ja
noch genug Zeit, sich mit solchen Details auseinanderzusetzen. Auch
bei der Vertonung fanden wir keine Stelle in der Präsentation, die
irgendwie schlecht klang. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Die Musik
untermauerte die starke Atmosphäre, die Stimmen wirkten passend und
die Effekte hauten richtig rein. Technisch ist Bioshock Infinite
auf jeden Fall über jeden Zweifel erhaben.
Es bleibt natürlich abzuwarten, wie
der Titel am Ende ausfallen wird. Wie wird sich die Geschichte
entwickeln? Was wird es alles an Abwechslung geben? Was erwarten uns
noch für Ideen? Fragen über Fragen, doch haben wir eine
Prophezeiung abzugeben: Wenn im fertigen Spiel auch nur annähernd
die Qualität der Präsentation erreicht wird, dann, ja dann steht
uns hier ein mehr als nur würdiger Nachfolger ins Haus.
- Michael Hoss / CrashOberbreit