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Zurück zur Spiel-Seite Tomb Raider 9 - Vorschau

Lara Croft neu erfinden. Ein Vorsatz, der uns bekannt vorkommt. Core Design, die Macher der ersten Tomb Raider-Serie, wollten 2003 mit Angel of Darkness eine düstere, erwachsenere Lara auf einer neuen Konsolengeneration etablieren, doch das Vorhaben scheiterte angesichts der dürftigen Qualität des Spiels kläglich. 2006 strebte dann das neue Tomb Raider-Team - Crystal Dynamics - einen weiteren Neustart an. Tomb Raider Legend war in der Tat mal wieder ein gutes Tomb Raider-Spiel, aber es machte nichts grundlegend anders als seine Vorgänger. Gerade in den Folgejahren schien Crystal Dynamics allein damit beschäftigt, Core Design's Erbe zu verwalten. Kommendes Jahr ändert sich diese Situation allerdings grundsätzlich, denn mit dem neuen Tomb Raider erfolgt der wohl der bedeutendste und einschneidendste Reboot einer klassischen Videospiel-Marke seit Resident Evil 4.

Nein, das neue Tomb Raider ist nicht brutal. Das versichert uns der freundliche Mitarbeiter von Square-Enix, welcher durch die Gamescom-Präsentation von Tomb Raider führt. Erwachsen soll es sein, aber nicht brutal. In der Tat: Definiert man Bildschirmgewalt allein über die Menge an verspritztem Blut oder die Anzahl der abgetrennten Körperteile, ist Tomb Raider nicht sonderlich hart. Das sieht auch die USK so, die ein mildes „ab 16“-Urteil gefällt hat. Aber wenn man sieht, wie die blutüberströmte und verdreckte junge Lara sich durch den Schlamm robbt, von eiskalten Killern bedroht und gepeinigt wird, schmerzerfüllt aufschreit, wenn sich ihr zarter Knöchel in einer Bärenfalle wiederfindet – all das dem verhungern nahe, verzweifelt um ihr Überleben kämpfend – dann beginnen wir zu erahnen, dass Tomb Raider eine ganz neue Form von Brutalität in die Serie bringt. Doch, das neue Tomb Raider ist brutal, es ist ein knallharter Survival-Trip, welcher eine junge Frau zu einer Überlebenskünstlerin formt und sie dem Spieler dabei ans Herz wachsen lässt.

Augenscheinlich war den Entwicklern die emotionale Komponente von Laras Abenteuer wichtig. Lara schreit, Lara weint, Lara blutet, Lara humpelt. Nur noch wenig erinnert an die unnahbare, perfekte Lara der ersten Abenteuer, die nie um einen lässigen Spruch verlegen war und auch größten Gefahren scheinbar problemlos trotzte. Das neue Tomb Raider zeigt uns eine weitaus verletzlichere Lara, die in realistischen, manchmal verstörenden Bildern verzweifelt um ihr Leben kämpft und wahren Schmerz kennenlernt. Mit der hochglanzpolierten Popcorn-Action eines Uncharted hat Tomb Raider wenig gemeinsam, denn der Spieler soll mit Lara leiden und ihre Veränderung von einer einfachen jungen Frau zu einer Superheldin glaubhaft miterleben. Im späteren Verlauf des Abenteuers wird Lara Croft also doch noch zur Actionheldin, und wie. Sie ballert Schurken über den Haufen, jagt Dinge in die Luft und stürzt hunderte Meter von Felsklippen, um sich schließlich mit einem Fallschirm die hübsche Haut zu retten. Aber gerade zu Beginn der Geschichte herrscht ein anderer, ein rauerer Ton vor.

Und obwohl die Inszenierung so blutig, roh und schmutzig ausfällt, erinnert das Gameplay definitiv an die Uncharted-Serie. Der Vergleich mag Crystal Dynamics nicht ganz recht sein, aber er ist ausdrücklich als Kompliment zu verstehen. Ähnlich wie Nathan Drake in Uncharted spielt sich auch die neue Lara Croft in Tomb Raider absolut intuitiv. Man muss kein Diplom in Joypad-Akrobatik erworben haben, um Lara sicher an Felsvorsprüngen entlang zu navigieren oder sie ein Flugzeugwrack erklimmen zu lassen, welches von einem Berghang hinab hängt. All das funktioniert (fast) von ganz alleine. Auch die Kampfsequenzen spielen sich angenehm flott. Zielt Lara etwa mit Pfeil und Bogen, zoomt die Kamera wie in einem 3rd Person-Shooter heran, um dem Spieler die nötige Übersicht zu verschaffen. Eine Art sechster Sinn Laras zeigt ihr zudem immer auf Knopfdruck an, wohin es als nächstes gehen soll und wo sich im Dickicht des Waldes Tiere verstecken, die sich zwecks Nahrungsbeschaffung jagen lassen. Eine Gefahr, sich in Tomb Raider zu verlaufen, besteht allerdings voraussichtlich nicht.

Im Gegensatz zu früheren Vermutungen ist das neue Tomb Raider kein Open-World-Abenteuer. Zwar spielt sich das gesamte Abenteuer auf einer großen, entlegenen Insel im pazifischen Raum ab. Allerdings sind die – zumindest in der Demo recht linearen - Level nur über Kontenpunkte miteinander verbunden. Die gesamte Präsentation des Spiels ist allererste Sahne. Fantastische Grafik, atmosphärische Kulissen und ein nahtloser Übergang von Spiel- und Zwischensequenzen sorgen für ein filmreifes Erlebnis, welches man in dieser Intensität bislang nur in wenigen Titeln wie etwa Uncharted 3, Heavy Rain oder der Demo zu The Last of Us erleben durfte. Aber genau hier liegt auch eine kleine Gefahr: Das neue Tomb Raider sieht bislang ziemlich linear und durchgescriptet aus. Es bleibt abzuwarten, wie viel spielerische Freiheit das fertige Spiel bieten wird.



Fazit:

So viel steht fest: Tomb Raider hat einen langen Weg zurückgelegt von den Anfängen im Jahr 1996 bis heute. Und die Videospielindustrie im allgemeinen. So packend und professionell waren vor wenigen Jahren nur Filme in Szene gesetzt. Tomb Raider wird der spektakuläre Reboot einer Videospiel-Legende: Sehr brutal, sehr direkt, emotional mitreißend und absolut perfekt inszeniert. Bemerkenswert auch die neue Lara. Sie ist keine Sex-Ikone mehr, sondern ein glaubhafter Charakter, mit dem sich auch und gerade weibliche Spieler identifizieren können. Allerdings warf die Gamescom-Demo  die Frage auf, wie linear und durchgescriptet das fertige Spiel im März 2013 in den Handel kommen wird. Es bleibt abzuwarten, ob Lara Crofts Wiedergeburt ein größeres Maß an spielerischer Freiheit und Tiefgang mit sich bringen wird. So oder so dürfte Tomb Raider zu den Top-Highlights im kommenden Jahr gehören. Und das will was heißen! - Daniel Steinert


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