Der Vater im Kampf gefallen, die gesamte Heimat in Schutt und Asche und dann auch noch das Herz herausgerissen - was für die meisten ps3-talk-User nach einem ganz gewöhnlichen Wochenende klingt, liefert die Grundlage für eine klassische Heldenreise in Capcoms Dragon's Dogma. Der betitelte Drache ist nämlich für das ganze Unheil verantwortlich und das Ziel eures Recken ist dessen Vernichtung. Von Rache angetrieben und von Vasallen begleitet, macht Ihr Euch auf die Reise...
Zunächst jedoch führt der Weg in den Charaktereditor, der sich als wesentlich umfangreicher und detaillierter herausstellt, als man es von der genreinternen Konkurrenz gewohnt ist. Neben Geschlecht, Statur und Haarfarbe lassen sich sämtliche Details verändern, von der Nasenbreite bis zur Armlänge. Die üppigen Gestaltungsmöglichkeiten erinnern eher an Die Sims als an ein klassisches Rollenspiel. Wer kein Interesse an derartigen Kleinigkeiten hegt, kann aber auch einfach auf den Standard zurückgreifen und die Details überspringen.
Doch nicht nur euer Protagonist lässt sich ausführlich modellieren, sondern auch euer Vasalle. Jetzt, wo der Begriff schon zum zweiten Mal fällt, ist es vielleicht angebracht, ihn auch zu erklären. In Dragon's Dogma spielen eure Begleiter nämlich eine große Rolle. Diese können in einer Spektralwelt angeworben, ausgerüstet und hochgeskillt werden. Dieses eigentlich für einen Koop-Modus prädestinierte System, besitzt jedoch nur einen zweitrangigen Online-Part. Während ihr nicht spielt, können andere Helden eure Vasallen ebenfalls anheuern und mit auf Reisen nehmen. Kehren sie zu Euch zurück, haben sie einen erweiterten Erfahrungshorizont, neue Gegenstände und vielleicht sogar neue Missionen für Euch parat. So zumindest stellt sich Capcom die Umsetzung vor - in der Praxis muss sich das Konzept erst noch beweisen.
Neben eurem Hauptvasallen lassen sich noch zwei weitere Gefährten anheuern, welche Euch stets begleiten. Diese agieren klug und eigenständig, suchen Wege und Gegenstände und helfen aktiv im Gefecht mit. Durch die Größe der Gruppe neigt Dragon's Dogma allerdings auch zu einer sehr flotten und ruhelosen Dynamik, was die grafischen Details des Spiels etwas ins Hintertreffen rücken lässt. Während sich das Gameplay ähnlich flott gestaltet wie Kingdoms Of Amalur: Reckoning, orientiert sich der Stil eher an Peter Jacksons Herr der Ringe-Filmen.
Das Kampfgeschehen selbst ist sehr auf Action getrimmt, erweist sich allerdings in Gransys (so der Name der Welt) weitaus weniger geschmeidig als in Amalur. Die Grab On-Funktion - dezent aus Shadow Of The Colossus entliehen - hat man in der Form noch nicht in einem Rollenspiel gesehen, fette und wirklich gut designte Bosse fordern eure Skills auch tatsächlich heraus, aber leider wirkt die komplette Steuerung samt Interface völlig überladen. Mit etwas Einarbeitung wird man sich damit arrangieren können, Einsteigerfreundlichkeit geht aber anders.
Ersteindruck
Dragon's Dogma ist zwar westlich inszeniert, verleugnet aber keinesfalls seine japanischen Wurzeln. Der Soundtrack klingt teils ungewohnt modern, die Story und Charaktere sind konsequent überzeichnet. Wer sich einarbeitet, könnte viel Spaß mit dem Titel haben, insofern denn der bisher ungesehene Rest des Spiels gelungen ist. Cooler Zug von Capcom: Um europäische Kunden zu locken, bekommt der Titel bei uns 100 zusätzliche Quests spendiert, dafür müssen wir allerdings auf den vorzeitigen Zugang zur Resident Evil 6-Demo verzichten.