Schon seit Monaten läuft die PR-Maschinerie von
Bethesda auf Hochtouren.
Dishonored: Die Maske des Zorns soll der große Hit der
Skyrim-Macher in diesem Weihnachtsgeschäft werden. Und auch, wenn es sich hier um ein komplett neues Franchise handelt, konnte das Spiel bereits die Aufmerksamkeit vieler Gamer wecken. Verwunderlich ist dies nicht, denn bei den Entwicklern von den
Arcane Studios arbeitet mittlerweile ein kreatives Genie namens Victor Antonov, welches zuvor das Spielszenario für den Shooter-Meilenstein
Half-Life 2 entwarf.

Und siehe da: In unserer Preview-Session auf der Gamescom zeigte sich, dass Dishonored in der Tat kein Titel von der Stange ist. Kreativ, ein wenig sonderbar, sehr intelligent und vor allen Dingen atmosphärisch ist das Spiel – und könnte somit 2012 jener Titel werden, welcher eigentlich das aufs kommende Jahr verschobene BioShock Infinite hätte sein sollen. Den Namen „BioShock“ erwähne ich nicht ganz beiläufig. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen den Spielen. So verschwimmt auch bei Dishonored die Genre-Grenze zwischen Ego-Shooter und Action/Adventure. In beiden Titeln besucht der Spieler eine sehr fremdartig wirkende Spielumgebung, eine Welt also, die er nicht kennt und die ihn immer wieder in verwundertes Staunen versetzt. Und genau wie in BioShock hat der Spieler auch in Dishonored die Möglichkeit, seine Feinde auf ganz unterschiedliche, mitunter sehr kreative Art und Weise auszuschalten.
In der Gamescom-Demo dürfen wir die Rolle des Portagonisten Corvo Atano übernehmen, welcher die Maske des Zorns trägt. Einst war Atano der Leibwächter der Kaiserin, doch als er beschuldigt wird, diese ermordet zu haben, muss er auf eigene Faust das ganze Komplott aufdecken. Atano kann (fast) alles: Zu seinen Waffenarsenal zählen Revolver, Minen und eine Armbrust, er kann sich vorzüglich an Gegner heranschleichen und erlernt im Laufe des Abenteuers immer neue übernatürliche Fähigkeiten. Atanos Mission während der Gamescom-Demo lautet, den Maskenball einer reichen Sippschaft aufzusuchen und die Herrin des Hauses zu ermorden. Der Haken ist nur: Atano weiß nicht, unter welcher Maske sich die Zielperson befindet. Also muss er zunächst einige Nachforschungen anstellen. Wie er das macht, ist ganz ihm bzw. dem Spieler überlassen. Schon auf dem Weg zur Party gibt es verschiedene Herangehensweisen und nicht anders gestaltet sich die eigentliche Suche nach dem Opfer. Neben dem Hauptauftrag gibt es auch immer wieder kleine optionale Nebenquests zu erledigen, welche mehr von der Spielwelt zeigen und für Abwechslung sorgen.

Was während der ersten Schritte in Atanos Schuhen sofort auffällt, ist die sehr interessante Welt, in der Dishonored spielt. Die Stadt Dunwall erinnert in ihrer Architektur an das victorianische London. Auch die Bewohner von Dunwall sind in etwa gekleidet wie im London des späten 18. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite gibt es aber jede Menge SciFi-Technologie zu bestaunen, welche es damals ganz bestimmt nicht gegeben hat. Dieses reizvolle Steampunk-Setting überrascht mit seinem kreativen Gegnerdesign, ungewöhnlicher Architektur und jede Menge bizarrer Überraschungen. Seit langer Zeit endlich mal wieder ein Spiel, bei dem wir uns tatsächlich fühlen dürfen, als hätten wir eine komplett fremde Welt betreten.
Eine Welt, die zum experimentieren einlädt. Denn die zuvor erwähnten übernatürlichen Fähigkeiten von Corvo Atano erlauben es ihm, auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit Gefechtssituationen und Gegnern umzugehen. So ist es möglich, einen Rattenschwarm auf Gegner zu hetzen, kurzzeitig die Kontrolle über einen Feind zu übernehmen oder auch per Teleportation in Windeseile aus der Kampfzone zu fliehen. Besonders nützlich ist auch die Möglichkeit, durch Wände hindurchzusehen und das Blickfeld und die Position von Gegnern auszuspionieren. Corvo kann Feinde töten oder aber sie betäuben. Das Vermeiden von allzu offenen Konfrontationen macht auf jeden Fall einen guten Teil des Spielreizes aus. Ein Beispiel: Nachdem Atano herausgefunden hat, wer sein Opfer ist, kann er dieses sofort vor den Augen aller anwesenden Partygäste niederstrecken. Dies ist aber keine allzu gute Idee, den lebend aus dem Haus zu entkommen, wird so sehr schwierig. Atano kann allerdings eine weitaus diskretere Vorgehensweise wählen: Er lässt sich auf einen Flirt mit der Zielperson ein und schlägt ihr per Dialog-Option vor, gemeinsam ins Schlafzimmer zu gehen. Dort kann er seinen Job in aller Ruhe und unbemerkt von den Wachen zuende bringen.

Fazit: Zunächst hatte ich meine Schwierigkeiten mit Dishonored: Die Maske des Zorns. Das liegt daran, dass ich mich in Stealth-Spielen meist furchtbar ungeschickt anstelle. Und Dishonored ist nun mal ein Spiel, in dem oft und viel geschlichen wird. Nach kurzer Eingewöhnungszeit war ich allerdings vollkommen in der bizarren Steampunk-Welt des Spiels versunken: Wahrscheinlich so sehr, wie bei keinem anderen Spiel auf der Gamescom. Dishonored ist ein intelligent konstruierter Mix aus First-Person-Shooter und Action-Adventure, welcher mit seiner faszinierenden Spielwelt eine ungemein dichte Atmosphäre auf den Bildschirm zaubert. Weitgehende spielerische Freiheiten und die vielen übernatürlichen Fähigkeiten des Helden zeigen das Potential des Spiels sehr deutlich auf. Zwar wusste die PS3-Fassung grafisch nicht wirklich zu begeistern, doch atmosphärisch und spielerisch könnte Dishonored eindeutig zu den Top-Hits in diesem Weihnachtsgeschäft zählen. - Daniel Steinert