Wer
von den strahlenden Rittern und der ehrenwerten, menschlichen Rasse
in den üblichen Fantasy-Titeln gelangweilt ist, der sollte
mindestens ein Auge auf Of
Orcs And Men werfen. Der
Titel wird derzeit von Cyanide Studios und
Spiders produziert und
auf der Gamescom 2012 wurden uns zwei kurze Abschnitte aus dem
kommenden Fantasy-Epos präsentiert.
Die
Grundlage ist dabei ein ausgewachsener Konflikt zwischen den
Menschen, die derzeit alle unter einem Kaiser und einer Religion
vereint sind, und den sogenannten „Grünhäutern“, sprich: Orks
und Goblins. Die Menschen haben sich nach einer verhängnisvollen
Niederlage gegen die Orks hinter einer riesigen Mauer verkrochen; sie
versklaven die großen Grünen und richten sie willkürlich hin. Der
erste Protagonist in dieser düsteren Fantasy-Welt ist Arkail, ein
mächtiger Ork, bekannt für seine kriegerischen Fähigkeiten. Als
mächtiger Offensiv-Kämpfer räumt er gnadenlos mit den Menschen auf
- in Of Orcs And Men
geht es nicht gerade zimperlich zur Sache. Der zweite Protagonist
trägt den Namen Styx, ein hinterhältiger Goblin und bewährter
Assassine. Das ungleiche Duo strebt nach der Vernichtung des Kaisers
und dem Frieden des Landes. Dabei werden sie stets zusammenbleiben -
einen Koop-Modus, so sagte man uns, habe man zwar in Betracht
gezogen, allerdings wieder verworfen.
Im
ersten Abschnitt, der uns präsentiert wurde, infiltrieren die beiden
ein Lager der Menschen vor den Toren der Mauer. Die Charaktere werden
direkt gesteuert, wobei der/die SpielerIn jederzeit zwischen Arkail
und Styx hin und her schalten kann. Zunächst präsentierte man uns
eine leise Vorgehensweise: Während der grobschlächtige Ork etwas
abseits wartet, umschleicht der Goblin die Soldaten und schaltet
einen nach dem anderen heimlich aus. Die Atmosphäre wirkt angenehm
düster, die Grafik ist kein Highlight, aber auch kein totaler
Reinfall. Zu Demonstrationszwecken bricht man anschließend ein
offenes Gefecht vom Zaun. Mittels komfortablem Ringmenü navigiert
der/die SpielerIn durch das Fähigkeitenmenü und was zunächst nach
simplen Buttonmashing ausschaut, entpuppt sich als taktisch und
rollenspieltypisch. Angriffsbefehle werden vergeben und Fähigkeiten
ähnlich wie in einem Baldur's
Gate aneinandergereiht.
So greift Arkail nach Styx und schleudert ihn auf einen Lanzenträger
zu. Währenddessen verlangsamt sich die Zeit, der/die SpielerIn wählt
eine entsprechende Attacke aus und Styx räumt den Kontrahenten
unmittelbar aus dem Weg, während Arkail weiter im Pulk wütet. Wird
er allerdings zu lange beharkt, bricht er in Rage aus und zerlegt
unkontrollierbar Alles, was ihm in den Weg kommt - auch Styx. Eine
ganze Reihe solcher Fähigkeiten und taktische Möglichkeiten soll es
geben.
Verdiente
Skillpunkte können in unterschiedliche Talentbäume investiert
werden und die beiden Charaktere lassen sich unabhängig voneinander
weiterentwickeln. Das Inventar entspricht ebenso einem klassischen
Rollenspiel: Vielseitige Individualisierungsmöglichkeiten, jede
Menge Ausrüstungen und Sammelkram bestücken die Menübildschirme.
In
einem etwas späteren Abschnitt werden Arkail und Styx von zwei
weiteren Charakteren begleitet. Einer davon ist eine Magierin - in Of
Orcs And Men eine echte
Seltenheit. Die Zaubereffekte sind mächtig, aber nicht bunt und
aufdringlich. Zauberei soll eine kraftvolle Ausnahme sein. Weiterhin
wurde uns ein kleiner Ausschnitt aus dem Dialogsystem vorgeführt,
der genretypische Kost bot. Die Synchronisation ist gelungen, mehrere
Enden gibt es zwar nicht, dafür aber unterschiedliche Wege zum
gleichen Ende. Innerhalb der fünf Kapitel, die das Spiel umspannt,
soll es zudem zahlreiche Nebenmissionen geben, die die Haupthandlung
wiederum beeinflussen.
Ersteindruck
Endlich
sind es mal die Menschen, die auf den Sack bekommen. Die düstere und
rohe Welt von Of Orcs And
Men wirkt zwar
bedrohlich, aber sie strahlt auch eine gewisse Schönheit aus. Obwohl
viele Animationen nicht mehr zeitgemäß sind und die Inszenierung
recht statisch wirkt, gefällt das erwachsene Setting und der ernste
Ton des Spiels. Die taktische Tiefe der Kämpfe und die
Entwicklungsmöglichkeiten der Charaktere lassen sich allerdings erst
in einem ausführlichen Test wirklich beurteilen.
-
Stefan Simond