Kommerziell gesehen ist Black Ops II mit Sicherheit die größte Veröffentlichung des Jahres. Dementsprechend sieht auch der Gamescom-Stand zum Activision-Shooter aus, dessen XXL-Ausmaße fast schon einschüchternd wirken. Im Innern des Stands erhalten die Besucher dann die Möglichkeit, zwei Multiplayer-Partien auf zwei unterschiedlichen Karten zu spielen, welche schonmal einen guten Eindruck davon vermitteln, was sich bei Black Ops II gegenüber dem ersten Teil und Modern Warfare 3 getan hat.

Die wichtigsten Änderungen betreffen sicherlich das Killstreak-System und die Create-a-Class Funktion. Killstreaks im eigentlichen Sinne gibt es gar nicht mehr, stattdessen heißen diese nun Scorestreaks. Dieses neue Konzept ist Treyarchs Reaktion auf die Assaullt- und Support-Pakete aus MW3. Nicht alleine Kills führen zu Scorestreak-Belohnungen wie einer UAV-Drone oder einem Raketenangriff aus der Luft. Sondern auch das Erobern von Flaggen und Assists. Wer Gutes für sein Team leistet, wird noch besser belohnt als der notorische Camper, der nur in der Ecke hockt, um rasch Kills zu sammeln. Unser erster Eindruck: Scorestreaks machen Sinn, man kennt sie in verwandter Form aber schon aus MW3. Das neu gestaltete Create-a-Class System könnte so manch einen Call of Duty-Veteranen schon eher überraschen. Denn es erlaubt sehr viel mehr Freiheiten als das altbekannte System. Der Spieler verfügt in jeder Klasse über zehn Ausrüstungsslots. Diese können völlig frei konfiguriert werden. Man kann beispielsweise auf eine Zweitwaffe oder Granaten verzichten und dafür zusätzliche Perks oder Waffenaufsätze installieren. Mit sogenannten Wildcards ist es sogar möglich, zwei Perks der gleichen Kategorie zu verwenden. Man sollte allerdings wissen, dass auch eine Wildcard einen der zehn Ausrüstungsplätze belegt. Zunächst erscheint dieses neue System etwas verwirrend, in der Praxis funktioniert es aber schon sehr gut. Mehr denn je lädt Create-a-Class zum experimentieren ein und ermöglicht es, Waffen und Ausrüstung ganz an den eigenen Geschmack anzupassen.
Verändert wurde im übrigen auch das Prinzip, welches hinter dem Freischalten von Waffen und Ausrüstungsobjekten und Perks steht. Es gibt 55 Ränge in Black Ops II. Steigt man durch das Sammeln von Erfahrungspunkten auf, darf man genau ein Objekt freischalten. Da es im Spiel allerdings 100 Objekte gibt, kann man bis zum Maximallevel 55 auch nur die Hälfte dieser Objekte freischalten. Die einzige Möglichkeit, auch die anderen Objekte freizuschalten ist es, in den ersten Prestige-Rang zu wechseln. Der Clou: Im Gegensatz zu früher verliert man nicht mehr die gesamte freigeschaltete Ausrüstung! Die bekannte Hemmschwelle, in den nächsten Prestige-Rang zu wechseln, wird bei Black Ops II also nicht länger gegeben sein. Was besonders auf der Pressepräsentation hinter verschlossenen Türen deutlich wurde, ist die Tatsache, dass Treyarch mit Black Ops II den großen E-Sport Erfolg anpeilen. Zwar hat die Call of Duty-Serie in den letzten Jahren die halbe Welt erobert, im E-Sport Sektor allerdings blieben andere Shooter beliebter. Dies soll sich ändern, weshalb man jede Menge E-Sport Funktionen ins Spiel gepackt hat. Man wird kommentierte Matches über einen speziellen Spielkanal verfolgen können und es soll auch ein verbessertes Ranglisten-System geben, sodass man es im Idealfall wirklich nur mit solchen Gegnern zu tun bekommt, die den eigenen Fertigkeiten entsprechen.
Trotz all dieser Neuerungen spielt sich Black Ops II allerdings wie jedes Call of Duty-Spiel: Sehr rasant, mit satten Feuergefechten und kompromissloser Non-Stop-Action. Das Spielgefühl ist vertraut und auch technisch hat sich nicht viel getan. Die von uns angespielte Xbox 360-Fassung sah ebenso gut aus wie die Vorgänger, aber nicht wirklich besser. Die von den Entwicklern versprochenen grafischen Fortschritte werden vermutlich erst in der Kampagne oder in der PC-Fassung richtig sichtbar sein. In jedem Fall weiß die technisch saubere Grafik zu überzeugen – immerhin sprechen wir hier von rasanten 60 Frames in der Sekunde, die bei den meisten Konsolen-Shootern einfach nicht machbar sind.

Fazit: Für Call of Duty-Fans wird Black Ops II das Spiel des Jahres werden, keine Frage. Das Gesamtpaket imponiert ganz einfach: Black Ops II wird aller Voraussicht nach eine bombastisch präsentierte Kampagne mit einem erstklassigen Soundtrack und sehr viel Abwechslung auffahren können, bei der Treyarch einmal mehr alle Hollywood-Register zieht. Das neue Setting im Jahr 2025 sorgt für frische Impulse, welche die Serie gerade jetzt gut gebrauchen kann, ohne dabei alte Fans zu verschrecken. Denn Black Ops II fühlt sich nicht an wie ein SciFi-Shooter, wenngleich es mehr technische Spielereien zu bestaunen gibt, als in jedem vorigen Serienteil. Der Mehrspielermodus bietet genau die Art von Gameplay, die Millionen Spieler schätzen und dürfte auch dieses Mal für mehrere hundert Spielstunden gut sein. Last but not least wäre da noch der Zombie-Modus, zu dem es auf der Gamescom leider noch nichts zu sehen gab, aber wer schon in Black Ops mit großer Freude Untote gemetzelt hat, der wird in Black Ops II definitiv auf seine Kosten kommen – Treyarch weiß, wie populär der Modus bei den Fans ist. Call of Duty-Kritiker werden wohl auch von Black Ops II nicht bekehrt werden, alle anderen dürfen schon mal die Vorbestellung aufgeben. - Daniel Steinert