Wie die Zeit vergeht! 2004. Das war das Jahr, in dem das lang erwartete und technisch wegweisende DOOM 3 in den Handel kam. 2012 schaut man erschrocken auf die innere Uhr und stellt fest, dass schon wieder acht Jahre vergangen sind. Für Bethesda lang genug, um den First-Person-Shooter von id Software neu aufzulegen. DOOM 3 erscheint in Form der BFG Edition auch erstmals für die Xbox 360 und die PlayStation 3. Doch sein Alter sieht man dem Spiel mittlerweile an. War man 2004 noch entzückt von den atmosphärischen Licht- und Schattenspielen sowie den vielen plastisch wirkenden Texturen, fallen heute in erster Linie die kantigen Waffen- und Charaktermodelle auf. Und die Texturen? Die haben auch schon bessere Tage gesehen und sind weit von den heutigen Standards entfernt. Daran können auch Full HD-Support bei 60 Frames in der Sekunde sowie ein optionaler 3D-Modus nichts ändern. id Software hat sich nämlich nicht die Mühe gemacht, DOOM 3 optisch neu aufzubereiten, rein technisch gesehen bleibt das Spiel weitgehend unangetastet.

Auch am Spielinhalt hat sich nicht viel geändert. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Space Marines, welcher auf einer Raumstation auf dem Mars wortwörtlich den Ausbruch der Hölle erlebt. Heerscharen an Dämonen wollen mit Plasma-Gewehr, Kettensäge, Schrotflinte und Raketenwerfer gestoppt werden. Die große Stärke von DOOM 3 waren immer schon seine kompromisslose Action und die dichte Horror-Atmosphäre. Letztere dürfte nichts an ihrem Reiz verloren haben, was Action angeht, ist man heute aber anderes gewohnt. DOOM 3 bleibt sich auch in der Neuauflage treu: Es ist ein Ego-Shooter der klassischen Machart, ohne regeneratives Health-System und Schauplatzwechsel im Minutentakt. Und ganz ehrlich: Wer das Original gespielt und geliebt hat, der wird sich sofort wieder heimisch fühlen. DOOM 3 wurde 2004 von einigen Spielern kritisch betrachtet, doch heute zählt es zurecht zu den Kult-Hits des Genres.

Die einzige größere Neuerung bzw. Veränderung im Vergleich zum Original ist die Taschenlampe. Während man im Original immer hektisch und umständlich zwischen Taschenlampe und Waffe hin- und herwechseln musste, kann der Lichtspender nun jederzeit aktiviert werden. Zwar reicht die Akku-Laufzeit der Taschenlampe nur kurze Zeit, doch nach wenigen Sekunden hat sie sich wieder komplett aufgeladen. Ob diese Änderung in der Spielmechanik Gruselatmosphäre kostet, ließ sich anhand der Gamescom-Demo nicht beurteilen. Allerdings war das umständliche Taschenlampen-System einer der größten Kritikpunkte am Original. DOOM 3 besinnt sich in der BFG-Edition mehr denn je auf die klassischen Tugenden der ersten beiden Teile, in denen eindeutig das Ballern im Blickpunkt stand, nicht das Jonglieren zwischen Taschenlampe und Waffe. Wer allerdings doch die alte Taschenlampe behalten möchte, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Denn optional kann man das Spiel auch völlig unverändert wie 2004 spielen. Der schrottige Mehrspielermodus des Originals soll übrigens auch wieder enthalten sein.

Fazit:
Wer mit Shootern wie Modern Warfare, Killzone oder Halo aufgewachsen ist, der wird sicher seine Schwierigkeiten haben mit DOOM 3. id Softwares Dämonenjagd genießt zwar die Vorzüge einer kompetenten HD-Portierung, stellt aber keine komplette Neuentwicklung dar. So muss man sich mit antiquierter Optik, eintönigem Spieldesign, schlechtem Mehrspielermodus und altmodischer Inszenierung anfreunden. Aber Fans des Originals werden gar nichts anderes wollen. DOOM 3 BFG Edition verspricht, das komplette Paket für alle DOOM-Fans zu werden: Immerhin sollen neben dem Hauptspiel auch dessen Add-On Ressurection of Evil, unveröffentlichte Zusatzlevel sowie DOOM und DOOM II auf der Disc enthalten sein. Das Taschenlampen-Problem des Originals wurde in der BFG Edition elegant gelöst und atmosphärisch ist DOOM 3 nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. Aber ganz ehrlich, Bethesda? Nächstes Jahr bringt ihr bitte DOOM 4 mit auf die Gamescom. - Daniel Steinert