Wir kamen
entspannt zur Presse-Vorführung im Radisson Hotel. Leichte Aufregung. Endlich
weiteres bewegtes Material. Endlich mehr Uncharted. Nach einer gefühlten
Ewigkeit im wohlgemerkt nicht klimatisierten Hotel-Gang gingen endlich die
Türen auf. Und schon wieder ging uns das Wort Wow durch den Kopf. Wir
entschuldigen uns an dieser Stelle für den inflationären Gebrauch dieses
Wortes, aber Uncharted ist einfach untrennbar mit diesem Wort und Gedankengut
verbunden.
Der Raum
begeisterte mit wunderbarem Flair und Optik aus dem fernen Morgenland.
Exotische Teppiche und verschnörkelte, kleine Tische verfolgten uns die ganze
Präsentation über. Im vorderen Bereich waren acht PlayStation 3 Stationen
zum aktiven Zocken aufgebaut, an denen sich noch die Vorgruppe die Finger wund
spielte. Wir wurden erstmal hinter den schönen Raumtrenner in der Mitte
geschleust. Hier warteten kleine, orientalische Hocker auf uns, auf denen wir
uns gemütlich und erwartungsfreudig nieder ließen und gebannt gen Flatscreen
starrten, der mittig aufgebaut war.

Arne Meyer,
seines Zeichens Senior Marketing Manager aus dem Hause Naughty Dog, wies uns
freundlich an, Platz zu nehmen und uns zu entspannen.Insgesamt
wurden der wiss- und informationsbegierigen Meute von Redakteuren zwei
Levelabschnitte näher gebracht.
Schiff
Der
aufmerksame Betrachter stellte schnell fest, dass es sich hier quasi um einen
ausführlicheren E3-Level Abschnitt handelte, wo das Schiff auch schon
vorgestellt wurde.

Was zuerst
ins Auge fällt, ist der unfassbar schöne Regen. Er sieht einfach unglaublich
realistisch aus. Fast zu realistisch. Ist das hier noch ein Spiel? Wow. Da ist
es wieder. Das Wörtchen wow! Zudem sind die Licht/Schatten Effekte der
umherbaumelnden Lampen beängstigend gut visualisiert worden. Die Texturen sind
gewohnt knackig, der schwere Sturm, der das Schiff umpeitscht, sieht glaubhaft
aus. Alles wankt. Drake hat Schwierigkeiten, bei diesem Wellengang das
Gleichgewicht zu halten.
Hier kann
man schon mal sagen, bravo Naughty Dog. Erste Prüfung mit summa cum laude als Jahrgangsbester
bestanden! Nach einigen schön eingestreuten Script-Events geht es um
Stealth-Action, wie man sie schon im türkischen Museum im Vorgänger beobachten
konnte. Nur natürlich besser. Aufgemotzer. Nachdem Drake elegant zwei
Gegner/Wachen erledigt hat, gehtes weiter ins Innere des großen
Kreuzfahrtschiffes. Angekommen im großen Lagerraum des Schiffes findet hier die
erste Kletter-Tour statt. Drake schwingt sich wunderbar animiert durch den
Lagerraum. Dann kommt die erste Cut-Szene. Was direkt auffällt ist, dass die
Gesichtsanimationen noch mal verbessert wurden.
Nach der
Cutszene und verbalem Schwanzvergleich bricht ein Kampf zwischen Drake und
mehreren Gegnern aus, die nun in das Lagerhaus stürmen. Wie es der Zufall so
will rollt eine Granate eines Feindes bedrohlich nahe an die Bordwand und reißt
ein hübsches Loch in diese. Wasser dringt ein. Drake ist daher gezwungen, kurz
den Michael Phelps zu markieren und sein Können im kühlen Nass zu beweisen –
eine Aufgabe, die er natürlich meistert. Drake entkommt dem sicheren Tod durch
die steigende Flut dennoch nur knapp. Doch die neu gewonnene Sicherheit ist
trügerisch. Das Wasser erreicht nun auch den Raum, in dem Drake Zuflucht sucht.
Ein kurzer QTE verhindert das Ertrinken. Nun beginnt die bekannte Flucht vor
dem Wasser aus dem ersten Trailer mit der Sicht von vorne. ENDE
Nice. Die
ersten 50 % der Präsentation haben schon mal voll überzeugt. Lediglich ein
unschöner Clipping-Fehler machte uns und Arne Meyer selbst ein wenig stutzig.
Dieser Fehler ist aber wohl dem frühen Material geschuldet und wird im
Endprodukt sicherlich nicht mehr aufkommen. Uncharted und Clipping-Fehler. Also
bitte! Das ist ja so als wäre Jesus beim Gang übers Wasser kurz gestolpert und
eingesunken.
Cargo-Level
Zu Beginn
dieses Abschnittes fällt direkt der schöne Weitblick ins Auge. Im Hintergrund
liegt der Flughafen, eine Frachtmaschine steht auf dem Rollfeld und wird gerade
beladen und wirkt bald startbereit.

Drake ist
mit Elena am Flughafen. Deutete sich schon im vorherigen Teil irgendwie schon eine
Beziehung zwischen den beiden an, scheint das Verhältnis nun weiter
vorangeschritten zu sein. Drake gibt auf Elena acht und möchte sie keiner Gefahr
aussetzen. Er klettert über einen Zaun auf das Flughafengelände und lässt Elena
bewusst zurück. Diese ist darüber als abenteuerlustige Reporterin natürlich not
amused, setzt sich in einen Jeep und fährt erbost weg. Ob wir sie noch mal
wiedersehen werden? Nate schleicht weiter gen Flugzeug. Dringt tiefer ins
Gelände ein. MG-Feuer zerreißt die Stille der Nacht. Er ist entdeckt! Kugeln
schlagen neben ihm ein. Drake nimmt die Füße in die Hand und sucht sich einen
Weg raus aus dem tödlichen Kugelsturm. Wieder einige schöne Script-Events. Man
weiß manchmal gar nicht, was Script und was Spiel ist. Alles wirkt fast wie ein
interaktiver CGI-Trailer. Nur das es ein Spiel ist. Und wir mittendrin!
Das
Flugzeug startet. Da Drake die Füße ja noch in der Hand hat, sprintet er gleich
weiter. Schafft er es? Es scheint nicht so… Doch da taucht Elena hinter ihm auf
dem Rollfeld auf. Mit dem Jeep. Eine realistische Chance das Flugzeug also doch
noch zu erreichen. Drake springt auf und Elena drückt das Gaspedal durch. Geschafft.
Drake springt an ein Rad und kann sich somit ins Innere vorarbeiten.

Hier bahnt
er sich seinen weiteren Weg durch Lüftungsschächte, aber wird von einem extrem
großgewachsenen, muskelbepackten Hünen entdeckt. Ein spektakulärer Faustkampf
im Laderaum wird entfesselt. Im Zuge dieses Kampfes öffnet sich die Laderampe.
Der Kampf verlagert sich langsam bedrohlich nahe zur tödlichen Kante der
offenen Laderampe, unter Drake mehrere tausende Meter Abgrund. Nach einem
wunderbar inszenierten QTE gelingt es Drake den Riesen am Rande der Kante
niederzuschlagen. Er rennt schnell in den Laderaum und tritt eine Kiste
Richtung Feind. Natürlich sind die Kisten alle mit einem Seil verbunden, was
dazu führt, dass langsam die ganze Ladung herausfällt. Drake inklusive. Ein LKW
verheddert sich, Drake kann sich unter großer Mühe noch an einer Plane
festkrallen. Er kämpft sich langsam wieder in den Bauch des Flugzeuges heran –
die Eisenbahn-Szene aus Uncharted 2 lässt in Ansätzen grüßen.

Wunderbar gemacht
Naughty Dog! Geniale Inszenierung. Danach geht der Kampf mit weiteren Schergen
im Inneren des Flugzeuges weiter. Die offene Luke zieht Kisten nach wie vor
nach draußen, daher gilt es nicht nur die Gegner, sondern auch die sich
bewegende Ladung, sowie das dynamische Feuer zu beachten, welches sich
ausbreitet und Gefahr ausstrahlt. Wie gefährlich diese Kombination ist,
veranschaulichte Arne Meyer direkt einmal als er starb - obwohl das sicherlich
nicht so gewollt war. Dennoch ein gelungenes Zufallsprodukt was passieren kann,
wenn man nicht zu 100 % bei der Sache ist.
Dann öffnet
sich die Außenwand in Folge des Schusswechsels. Gegner werden aus dem Flugzeug
gesogen. Drake auch. ENDE.
Puh.
Erstmal durchschnaufen und die Informationsflut verarbeiten. Was für eine
Präsentation. Die Mannen aus dem Hause Naughty Dog haben definitiv ein sehr
gutes Händchen für beeindruckende Presse-Demos. Die gezeigten Abschnitte waren
schlichtweg die ideale Kostprobe, eine wunderbar abgeschmeckte Mischung aus
Action, Klettern und dem allgemeinen Leveldesign. Einfach eine Demonstration
von Stärke und dem Bewusstsein, dass man ganz einfach zu den Besten seines
Faches gehört.
Anschließend
fand noch eine kurze Fragerunde statt, die wir der Vollständigkeit halber für
euch mit dokumentiert haben:
1) Die Steuerung im Singleplayer-Modus
wird sich komplett vom Multiplayer-Erlebnis unterscheiden, um dem Spieler eine
vollkommen andere Erfahrung zu bieten.
2) Das gezeigte Material war noch nicht
final. Naughty Dog versucht nach wie vor das Endprodukt noch „bigger and better“
zu machen. So zeigte sich die KI manchmal etwas dämlich und ungeschickt. Dieses
Verhalten wird im Endprodukt definitiv ausgemerzt sein.
3) Es wird wieder eine Menge ruhiger
Momente geben, in denen Hirnschmalz gefordert ist. Die Balance zwischen den
Abschnitten wird als sehr gelungen beschrieben.
4) Uncharted-Like wird es wieder
unfassbar schöne und vielfältige Locations - rund um den Globus verstreut - zu
bestaunen und erkunden geben. Von fernen arabischen Wüsten bis hin ins nahe
Europa(u.a. wurde Frankreich genannt)
5) Uncharted 3 wird sich wieder
einsteigerfreundlich präsentieren, d.h. muss man die Vorgänger nicht gespielt
haben, um die Storyline zu verstehen. Es bietet sich natürlich an, da die Story
natürlich an vorangegangene Ereignisse anknüpft und viele kleine Schmankerl
hinsichtlich vergangener Erlebnisse der Charaktere bietet.
6) Die vier Elemente Feuer, Wasser,
Erde und Luft werden eine wesentliche Rolle spielen, sich dynamisch verhalten
und komplette Level verändern und natürlich Gefahr ausstrahlen.
7) Naughty Dog hat keine Kosten und
Mühen gescheut und so wurden Wüstenlandschaften, etc. persönlich vor Ort besichtigt,
um ein möglichst realitätsnahes Abbild zu erschaffen, sei es von Wanderdünen
oder dem Verhalten von Sand allgemein. Ihr werdet sehr überrascht sein.
Tja, was
soll man zu diesem Titel sagen. Ich wage es mal auszusprechen: Uncharted 3 wird
das mit Abstand beste, perfekteste und schönste Spiel der bisherigen
Konsolengeneration werden. Das technische Gewand war beängstigend nahe an einem
Zustand, der sich Perfektion schimpft –
und das, obwohl man nicht mal in der finalen Phase ist. Super Licht- und
Regeneffekte, ein kraftvoller und realistischer Sound, sowie geschmeidige
Animationen und Cut-Scenes rundeten das Gesamtbild ab. Matschige oder unschöne
Texturen konnten wie gewohnt nicht erkannt werden. Kritiker, die gerne auf der
Suche nach dem ekligen Haar in der wunderbar abgeschmeckten Suppe sind, werden
sich hier schlicht und ergreifend die Zähne ausbeißen.
Natürlich
bin ich mir darüber bewusst, dass Uncharted das Rad nicht neu erfinden wird.
Aber das, was Naughty Dog wieder mal auf die Beine gestellt hat, ist gut. Sehr
gut. Verdammt gut!

Warum?
- Naughty
Dog ist mit oder wenn nicht sogar die alleinige Speerspitze der aktuellen
Entwickler-Studios, spart weder Kosten noch Mühen und hat unfassbar talentierte
und begabte Leute in ihren Reihen und können mit der PS3 umgehen wie kaum ein
anderes Studio.
- Die
Erkenntnisse und das Community-Feedback der vorangegangenen Spiele wurden
sinnvoll aufgenommen, intern verarbeitet und in ein noch besseres Produkt
investiert.
Die Grafik
ist wieder ein Stückchen besser geworden. Ein Grafik-Sprung ist zwar nicht zu
erkennen, aber in der aktuellen Generation wohl auch unmöglich. Sicher ist dies
Meckern auf sehr hohem Niveau - so hoch, dass die Luft schon langsam extrem
dünn wird. Aber das haben sich die Jungs und Mädels von Naughty Dog mit ihren
zwei Vorgängern, die beide absolute Referenztitel waren und immer noch sind,
selber eingebrockt. Uncharted 3 wird halt zwangsläufig mit eben diesen verglichen.
Uncharted 3 beweist aber, dass die Jungs von Naughty Dog nach wie vor hungrig
nach neuen Erfolgen sind. Wir sind uns sicher, dass sie mit Uncharted 3 diesen
Hunger vollends stillen werden.
Wir sind
auf die leichten Veränderungen zum Endprodukt gespannt und preisen Uncharted 3
mal wieder als absolutes Highlight des Jahres an, welches im Laufwerk eines
jeden glücklichen PS3-Besitzers mindestens einmal seine Runde gedreht haben
sollte! Der Action-Adventure Thron bleibt wohl in
diesem Jahr unangetastet, da Uncharted 3 die Thronfolge von Uncharted
2 ganz klar übernehmenund Konkurrenten auf Abstand halten
wird.
Uncharted 3
wird einfach wieder für offene Münder sorgen und alles vorher Dagewesene
sprengen. Wer daran zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen! Punkt!
Noch
Fragen?Peter Schneidermann / Nudelapache mit dezenter Verspätung von der GamsCom '11!