Nach mittlerweile vier Teilen mangelt es der Yakuza-Serie an
frischen Ideen. Höchste Zeit zur Allzweckwaffe gegen Monotonie zu greifen –
Zombies! Bei Spielen wie Call of Duty oder Red Dead Redemption haben die
müffelnden Fleischhaufen bereits Wunder gewirkt. Bleibt also abzuwarten, ob es
ihnen auch bei Yakuza: Dead Souls gelingt.
Das einem auf den Straßen von Tokio so manch eigenartige
Gestalt begegnen kann, dass wissen wir nicht zuletzt seitdem es das Internet
gibt. Wenn jedoch ein blasser Geschäftsmann mit leuchtend roten Augen und
scharfen Zähnen einem Polizisten an den Hals springt, dann ist auch in Fernost
Polen offen. So denkt auch Shun Akiyama, der Inhaber von Sky Finance, als er
gerade dabei war offene Rechnungen zu begleichen. Da ein auf ihn zustürmender
Untoter jedoch Vorrang hat, nimmt er sich flugs die Waffe des angeknabberten
Polizisten und streckt ihn nieder. Spätestens hier wird klar, dass Kamurocho
von einer Seuche befallen wurde, worauf Teile der Stadt vom Militär abgeriegelt
werden. Die Geschichte, welche sich daraus entspinnt, dreht sich um die bereits
aus den Vorgängern bekannten Charaktere Akiyama, Kazuma Kiryu, Goro Majima und
Ryuji Goda, welche aus jeweils unterschiedlichen Gründen den Kampf gegen die
Zombies aufnehmen.

Das Spielprinzip ist, wie auch Kamurocho selbst,
zweigeteilt. In der „sicheren“ Zone geht das Leben seinen gewohnten Lauf. Die
Straßen sind belebt und wie man es von der Yakuza-Serie gewohnt ist können
Stunden damit verbracht werden in Geschäften einzukaufen, Karaoke zu singen
oder Golf zu spielen. Ebenso trifft man hier Auftraggeber oder kann mit
Passanten sprechen um Nebenmissionen zu aktivieren. So wollen zwei
Filmproduzenten, dass ihr im neusten Zombiefilm die Hauptrolle übernehmt, oder
diverse Twitter-Nachrichten sollen euch zu einer hilflosen und vermeintlich
entkleideten Frau führen. Eines haben jedoch alle Aufträge gemeinsam, sie
führen in den abgesperrten Bereich hinein. Dieser wird stets durch
Schlupflöcher, geheime Aufzüge oder Tiefgaragen betreten und hält einige
hundert Zombies bereit. Um gegen diese Gegnerwellen gewappnet zu sein, ist eine
gute Ausrüstung Pflicht.
Hier geht Yakuza: Dead Souls neue Wege. Ließ man in den
vorherigen Spielen noch seine Fäuste sprechen, steht hier ein umfangreiches
Waffenarsenal zur Verfügung. Angefangen wird natürlich ganz klassisch mit der
Pistole, während Maschinengewehre, Schrotflinten und Granaten im Spielverlauf
freigeschalten werden. Für zusätzliche Feuerkraft sorgen Modifikationen, welche
beim Waffennarr Kamiyama gegen viele Yen erkauft werden können. Ebenfalls
stehen neue Waffen, extra Munition und eine stärkere Panzerung zur Verfügung.
Doch damit nicht genug – auch der eigene Charakter darf verbessert werden.
Durch gesammelte Erfahrungspunkte steigt man nach und nach im Level auf und
erhält mit jeder Stufe Skill-Punkte, welche in neue Fähigkeiten investiert
werden können. Darunter sind neben stärkeren Nahkampf-Angriffen auch ein
größeres Inventar, sowie ein verbessertes Auto-Aiming.

Das Zielen ist auch gleich einer der größten Knackpunkte des
Spiels. Das man seine Spielfigur mit dem linken Stick bewegt und sich mit dem
rechten Stick umsieht ist eine Selbstverständlichkeit. Wieso im manuellen
Zielmodus aber der linke Stick das Fadenkreuz bewegt, dafür haben wohl selbst
die Entwickler keine Erklärung. Kurzum, die Steuerung ist verhunzt. Zwar lassen
sich die Waffen auch „von der Hüfte“ aus abfeuern, allerdings auf Kosten der
Genauigkeit. Die einzige, halbwegs brauchbare Möglichkeit eine Waffe zu
benutzen ist die automatische Zielerkennung. Mit einem Druck auf die
Schultertaste wird für kurze Zeit der Kopf eines Feindes anvisiert, welcher
daraufhin mit einem schnellen Schuss zum Platzen gebracht werden kann. Generell
sind Kopfschüsse der Schlüssel zum Erfolg, da die Zombies sonst erst nach vielen
Kugeln das Zeitliche segnen. Zumindest um Munition muss man sich kaum Sorgen
machen. Die Pistole hat grundsätzlich unendlich Schuss und Munitionskisten sind
reichlich in den Gebieten verteilt.
Um auch gegen große Gegnergruppen eine Chance zu haben
stehen in den Kampfgebieten allerlei explosive Fässer oder zerstörbare Objekte
herum. Ist die Spezialleiste durch genügend Kills gefüllt, kann eines dieser
Ziele ins Visier genommen werden und eliminiert viele Feinde auf einen Schlag.
Hin und wieder kreuzt auch ein Spezialgegner euren Weg. Beispielsweise ein
schreiendes Mädchen, welches so lange neue Zombies ruft bis ihr es ruhig
stellt, oder einen Skater-Affen-Jungen, der im Zickzack-Muster auf euch zustürmt.
Etwas mehr Taktik ist dann bei den Bosskämpfen nötig. So muss in einem Szenario
die Panzerung eines Steinwesens zunächst mit einem herumstehenden Panzer
entfernt werden, oder die Schwachstelle eines seltsamen Prototypen muss erst
durch einige MG-Salven freigelegt werden, bevor sie durch eine Spezialattacke
angegriffen werden kann. Was die Bossgegner angeht kann man den
Einfallsreichtum der Entwickler nur loben. Leider wartet dazwischen stets ein
Meer aus hunderten, immer gleich aussehenden Zombies.

Immer gleich sind auch die Areale, in denen ihr den Untoten
gegenüber steht. Verständlich, schließlich handelt es sich nur um einen
Stadtteil. Dennoch wäre etwas Abwechslung wünschenswert gewesen. Immerhin
vergrößert sich im Laufe der Geschichte der infizierte Bereich von Hamurocho
und auch einige Bürogebäude und unterirdische Lager dürfen erkundet werden.
Nicht so toll sind die teilweise erschreckend schmalen Gänge, durch die Akiyama
und Co. wandeln müssen. Die ohnehin schon störrische Kamera gibt hier endgültig
den Geist auf und die Suche nach der nächsten Tür verkommt zum Glücksspiel.
Zumindest kann man so einen guten Blick auf die detaillierten Charaktermodelle
werfen und auch deren Mimik in den Zwischensequenzen weiß zu überzeugen. Leider
gibt es davon viel zu wenig und die meisten davon sind nicht einmal vertont.
Wenn doch, dann gibt es wie gewohnt die japanische Sprachausgabe mit englischen
Bildschirmtexten.
Fazit:
Yakuza: Dead Souls sollte frischen Wind in die leicht
angestaubte Gangster-Serie bringen, was durchaus gelungen ist. In den ersten
Stunden macht der Wechsel zwischen wilder Zombiehatz und abschließenden
Minispielen durchaus Spaß. Doch bereits nach kurzer Zeit beginnt sich das
Konzept abzunutzen. Man durchstreift wieder und wieder dieselben Gebiete, tötet
den tausendsten Zombie aus der Klonfabrik und schließt uninspirierte Aufträge
ab. Ganz nebenbei kämpft man mit der gnadenlos schlechten Steuerung und ärgert
sich nach einem Bildschirmtod über fehlende Speicherpunkte. Somit bleibt
Yakuza: Dead Souls ein exotischer Genremix, welcher nur gespielt werden sollte,
wenn Teil drei und vier bereits beendet sind. Falls nicht, hat man damit zwei
wesentlich bessere Alternativen.