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Zurück zur Spiel-Seite Tomb Raider 9 - Spieletest
Die Filmindustrie hat den Trend der Reboots schon lange vorgemacht und so langsam aber sicher zieht auch der Bereich der Videospiele nach. Bei Tomb Raider war dieser Schritt durchaus nachvollziehbar. Während eine ganze Generation von Spielern sich an den ersten Teilen der Reihe erfreuen konnte, sackte die Qualität mit den fortschreitenden Ablegern zusehends in den Keller. Jetzt erfindet sich die Serie quasi von Grund auf neu und setzt die Handlung damit auf den Nullpunkt zurück. Eine große Neuerung ist dabei auch die Tatsache, dass erstmals ein richtiger Mehrspielermodus zur Verfügung steht.



Zwar wirkt diese Vorstellung erst einmal merkwürdig, jedoch kann man durchaus einige nette Runden mit diesem Part verbringen. Zwei Teams bekriegen sich in insgesamt vier Modi. Mal werden medizinische Vorräte gesichert und in einem anderen Modus geht es darum, Funksignale abzusenden und Batterien zu beschützen. Im Grunde ganz nett, doch abgesehen von den sogenannten Gamechangern, die spezielle Ereignisse auf einer Karte auslösen, gibt es nur wenige Besonderheiten. So wird etwa per Knopfdruck ein Sandsturm entfesselt, um den Feinden die Sicht zu nehmen, doch der Reiz an solchen Spielereien geht aufgrund der geringen Kartenanzahl schnell verloren. Der Spieler steigert sich nach und nach im Rang und schaltet damit Waffen und Gegenstände frei. Allesamt Eigenschaften, die man von einem Mehrspielermodus eben gewohnt ist.

Ganz klar eine interessante Dreingabe, wenngleich sie nicht gänzlich ausgereift erscheint, doch der Fokus liegt glücklicherweise auf der Kampagne, die sich ganz um die junge Lara Croft dreht. Das vollbusige Vorbild steht in diesem Abenteuer noch ganz am Anfang ihrer Karriere als Archäologin. Es ist die erste große Expedition, die sie mit einem Schiff begeht. Das Ziel ist ein längst vergessenes Königreich, das Lara im Drachen-Dreieck vermutet. Das Schiff nimmt Kurs, doch der ominöse Ort zögert nicht, seine Gefahren zu offenbaren. Daher dauert es nicht lange, bis der Kahn in einem gewaltigen Sturm zerberstet und die Crew auf einer Insel strandet.



Das sind nicht gerade die besten Aussichten. Dazu kommt noch, dass Lara gleich nach dem Eintreffen auf der Insel niedergeknüppelt und verschleppt wird. Sie wacht in einer dunklen Höhle auf, die gefüllt ist mit Leichen. Kein Ort, an dem man sein Wochenende verbringen möchte. Doch wer hat all das getan? Lara kann entkommen und begibt sich auf die Suche nach den anderen Überlebenden. Doch die designierte Heldin hat keinerlei Erfahrung im Überlebenskampf. Das ist ein zentrales Thema innerhalb der Geschichte. Lara avanciert vom Mauerblümchen nach und nach zur robusten Kämpfernatur. Nicht immer wirkt diese Entwicklung glaubhaft, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass ihre Hemmschwelle für das Töten ziemlich schnell zu sinken scheint. Allerdings wird einem dieses kleine Manko mit jeder Menge Action versüßt. In Tomb Raider explodiert zu fast jedem Moment irgendein Gebäude, eine Brücke oder gar ein Feind.

Manches Mal sicher ein wenig übertrieben, doch diese phänomenalen Momente wissen vor der beeindruckenden Kulisse stets zu gefallen. Die besagte Insel sieht wirklich fantastisch aus. Neben einigen vorgegebenen Wegen kann man sich eigentlich ziemlich frei im Umland bewegen. Man erblickt verschneite Berge, versteckte Gräber, dunkle Höhlen und viele andere tolle Ortschaften. Optisch als auch in Sachen Gestaltung haben sich die Macher übertroffen. Trotz der ständig vorhandenen Bedrohung wirkt der Handlungsort rundum gelungen. Action, Optik und Sound greifen ineinander und bieten insgesamt eine Hollywood-reife Stimmung.  Der Soundtrack macht jede Menge krach und die deutschen Sprecher leisten eine zufriedenstellende Arbeit. Oft beworben wurde vorab auch Nora Tschirner, die ihre Stimme Lara geliehen hat. Gerade ihre Leistung ist leider etwas schwankend. So wird es nicht jedem zusagen, dass sich die eigentliche Powerfrau anhört, als wäre sie gerade einmal den Kinderschuhen entwachsen.



Viel wichtiger ist allerdings das Gameplay, dem ebenfalls einige Änderungen wiederfahren sind. Wer sich zu sehr auf Rätsel freut, wird letztlich eher enttäuscht werden. Tomb Raider setzt seinen Blickpunkt deutlich auf Action und kann damit nicht immer ganz den erwarteten Balanceakt zwischen Vergangenheit und Moderne erreichen. Lara springt, klettert und ballert sich mit einem passablen Waffenarsenal ihren Weg durch Gegner-verseuchte Gebiete. Dabei verschafft man sich Deckung und muss oftmals einen Stellungskampf eingehen, der nicht selten an die Uncharted-Reihe erinnert. Dennoch machen auch die wiederkehrenden Schießeinlagen jede Menge Laune und können bis auf einige Frustmomente definitiv unterhalten. 

Das mag aber auch daran liegen, dass abseits der Ballerpassagen noch viele weitere Gameplay-Elemente auf den Spieler warten. Die offene Welt bietet neben Schleicheinlagen und Jagdaufgaben verschiedene Möglichkeiten, um sich nach Belieben auszutoben. Sammelwütige Spieler entdecken nicht nur Reliquien und andere geheime Gegenstände, sondern bekommen auch die Gelegenheit, Erfahrungspunkte und Bergungsgut auf ihr Konto zu schaffen. Mit den Erfahrungspunkten können die Fähigkeiten von Lara selbst erweitert werden, sodass sie im späteren Verlauf etwa bessere Nahkampfangriffe beherrscht oder Feinde leichter erkennen kann. Das Bergungsgut dient hingegen zum Aufwerten der Ausrüstung. Ein besserer Bogen oder eine stärkere Flinte? Alles kein Problem, solange man nur genügend Material zusammenbekommt. Damit wird wirklich viel Motivation erreicht, die Tomb Raider auch nach dem ersten Durchspielen zu einer langlebigen Partie macht. Einzig störend sind nur einige Spielfehler, die in manchen Momenten auftreten können. So kann es schon mal vorkommen, dass ein Skript nicht ausgelöst wird und das Spiel damit nicht weitergeht.



Wer möchte, kann im Übrigen einzig und allein dem roten Faden der Geschichte folgen und bekommt damit ein ziemlich lineares Erlebnis präsentiert. Fans alter Tugenden sollten allerdings genauer hinsehen, denn gerade in den optionalen Gräbern warten bekannte Elemente. Hier kommen dann endlich die sonst recht vernachlässigten Rätsel ins Spiel. Mit den Elementen Feuer und Wasser geht es zumeist zur Sache, sodass die Knobelaufgaben vor allem durch Logik zu bewältigen sind. Da Lara jedoch über eine Art Spürsinn verfügt, der per Knopfdruck aktiviert wird und einem wichtige Gegenstände hell markiert, bekommen auch Einsteiger stets eine Hilfestellung geboten.

Fazit:
Endlich ist Lara Croft mit dem neuen Tomb Raider zurück. Lange habe ich auf diesen Tag gewartet, denn auch ich bin mit der Serie aufgewachsen und habe den Verfall beobachten können. Doch mit dem neuesten Teil kann man zweifellos sagen, dass die Protagonistin zur alten Stärke zurückgekehrt ist. Zu Beginn war ich etwas hin- und hergerissen. Das liegt besonders an der massiven Action, die in vielen Momenten ziemlich unglaubwürdig wirkt. Eine unerfahrene Schatzjägerin würde nämlich niemals so viele Explosionen und Abstürze überleben. Aber es ist eben Fiktion, die unterhalten möchte. Das gelingt den Entwicklern wirklich gut, denn die cineastischen Momente wollen in Verbindung mit der einzigartigen Kulisse nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

Man kann den Machern sicherlich nicht den Vorwurf machen, dass sie nicht alle Fans zufriedenstellen wollten. Zwar liegt der Fokus wie erwähnt auf der Action, doch wer möchte, schafft sich mit den optionalen Rätseleinlagen sein ganz eigenes Spielerlebnis. Somit kann man auch über erzählerische Schwächen und kleinere Spielfehler hinwegsehen. Daher kann ich Tomb Raider jedem Videospieler nur ans Herz legen.

- Daniel Dyba

Tomb Raider 9
85.0%
gut
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Pro
- Tolle Kulissen
- Große Spielwelt
- Viele Wow-Momente
- Zahlreiche Geheimnisse
- Abwechslungsreiche Gameplay-Elemente
Contra
- Action oftmals übertrieben
- Rätseleinlagen zeitweise vernachlässigt
- Teilweise Handlungsschwächen
- Kleinere Spielfehler
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