Der Publisher Electronic Arts gehört zu den größten und bedeutendsten Vertreibern im Bereich der Videospiele. Dir Firma ist vor allem für ihre jährlich erscheinenden Sportspiele und beliebte Marken wie Battlefield bekannt. Electronic Arts weiß aber auch zu überraschen und bringt ebenso ungewöhnliche oder gar düstere Titel in die Läden. Zuletzt bewies dies zum Beispiel Alice: Madness Returns. Wahnsinn, Skurrilität und der Fokus auf die finsteren Elemente scheinen aber derzeit im Trend zu liegen, denn kaum hat man seine blutigen Erlebnisse im Wunderland gesammelt, lädt EA ein weiteres Mal ein, um nun in höllische Abgründe abzutauchen. Shadows of the Damned verspricht also infernalische Action mit der passenden düsteren Würze. Geht dieses Rezept auf oder erwartet den Spieler nur ein lauwarmer Besuch in der Suppenküche?Eine Gasse ebnet sich vor einem auf. Auf beiden Seiten blutverschmierte Häuser und verschlossene Tore, die möglicherweise einen Ausweg aus dieser beängstigen Umgebung bieten könnten. Keine Menschenseele ist da. Doch plötzlich geht das Licht aus und hüllt die Gasse in völlige Dunkelheit ein. Die Finsternis schmerzt und aus dem Nichts tauchen Schattenwesen auf, die mit ihren markanten und zugleich unwirklichen Körpern auf einen zugeschossen kommen. Schnell! Ein Lichtschuss auf den Ziegenkopf, der sich an einer der Häuserwände befindet. Puhh - Glück gehabt, denn das Licht rettet den Körper vor dem völligen Zerfall. Das Problem mit den finsteren Gestalten ist aber immer noch nicht gelöst. Kein Problem: Schnell den schwebenden Totenkopf zu einer Schrotflinte umfunktionieren und schon steht der lustigen Schnetzelorgie nichts mehr im Wege. Jetzt noch ein flotter und am besten sexistischer Spruch und schon ist die Situation gerettet. Angst? Nein. Spaß? Ohh ja, welch ein blutrünstiges Vergnügen, das sich hier auftut. Weiter geht’s, denn das nächste dämonische Ungeziefer wartet schon.

Was sich merkwürdig anhört und möglicherweise zunächst keinen Sinn ergeben mag, ist eine von vielen Spielszenen, die einen in Shadows of the Damned erwarten. Verrückt, abgedreht und nicht immer mit Worten zu erklären – genau so fühlt sich dieser Titel auch noch nach ca. 12 Stunden Spielzeit an. Damit zeigt sich auch gleich, dass die Stimmung wohl das wichtigste Element dieses Spiels ist. Es wird stets ein düsteres Ambiente geboten, das sich aber nie zu ernst nimmt, schließlich ist Shadows of the Damned alles andere als ein Gruselschocker. Vielmehr wird das infernale Höllensetting dazu verwendet, um ein möglichst spaßiges Gefüge aus unwirklichen Gestalten und zweideutigen Wortwitzen aufzubauen. Klingt ungewöhnlich und das ist es auch wirklich. Shadows of the Damned hebt sich damit aber von dem üblichen Einheitsbrei ab und beweist so Mut zum Hass. Im Klartext bedeutet dies: Bereits in den ersten Spielminuten wird klar, ob man etwas mit dem Titel anfangen kann oder eben nicht. Sofern man dem bizarren Stil nichts abgewinnen möchte, wird der Kauf schnell zur Sünde erklärt.
Klar ist nun, wo es den Spieler hin verschlägt: Nämlich mitten in den absurden Suhl der Hölle. Das erklärt aber noch lange nicht, weshalb man sich dorthin begeben hat. Daher nun die Erläuterung: Der Spieler schlüpft in die Rolle des mexikanischen Dämonenschlächters Garcia Hotspur, der mit seinem voll tätowierten Körper und seinen Narben eine bewegte Vergangenheit zu haben scheint. Das Business eines Dämonenjägers ist hart, was Garcia nun einmal mehr am eigenen Leib erfahren muss. Der Herrscher der Unterwelt ist vom Job des Protagonisten alles andere als angetan und schnappt sich daher seine Freundin, um sie in der Hölle wieder und wieder sterben zu lassen. Diese Vorstellung kann der Titelheld absolut nicht ertragen und springt gekonnt durch den Höllenschlund bis in die Finsternis, damit er sein holdes Weib retten kann. Begleitet wird er von dem Ex-Dämonen Johnson. Als gleitender Totenschädel hat er eine ungewöhnliche Gestalt, steht dem Spieler aber mit Rat und Tat zur Seite und verwandelt sich bei Bedarf in eine hilfreiche Schusswaffe.
Die Story bietet nicht gerade viele Facetten und zeigt sich nur in einem kleinen Rahmen einfallsreich. Große Wendungen oder tiefgreifende Entwicklungen sollten bei Shadows of the Damned nicht erwartet werden. Was dem Titel trotzdem in dieser Hinsicht die passende Würze gibt, ist das Gespann bestehend aus Garcia und Johnson. Beide kommen im Laufe des Titels zu Höchstformen auf und sorgen nicht selten für ausgedehnte Lachattacken. Mit ihren zweideutigen Sprüchen, die immer wieder auf Sex und andere Tabuthemen anspielen, gewinnt der Titel eine angenehm ungewohnte Atmosphäre – so etwas erwartet man schließlich kaum in solch einem Setting. Die Stimmung wird dank der tollen Synchronisation beider Figuren definitiv aufgewertet. Der britische Hauch von Johnson klingt herrlich trocken, während Garcia mit seinen südländischen Wurzeln ebenfalls auftrumpfen kann. Kein Wunder, dass Setting und Atmosphäre so wunderbar zusammenpassen, denn mit Shinji Mikami war schließlich der Erfinder von Resident Evil mit am Werk. Für den letzten Schliff in diesem Bereich sorgt übrigens die akustische Untermalung. Ruhige gesungene Passagen werden in spannenden Kämpfen von drückenden Sounds abgelöst, die immer zu dem jeweiligen Moment passen. An dieser Stelle war ebenfalls eine bekannte Größe am Werk. Akira Yamaoka komponierte schon die Silent Hill-Reihe und verpasst Shadows of the Damned seine ganz eigene Note.

Das Drumherum stimmt bereits – fehlt nur noch das entsprechende Gameplay, um eine fabelhafte Leistung abzuliefern. Genau hier liegt allerdings auch das Problem, denn der spielerische Aspekt präsentiert sich durchwachsen. Shadows of the Damned lässt sich am besten als seine Mischung aus Alan Wake und Resident Evil 4 beschreiben, wenn man das Gameplay als Gesichtspunkt nimmt. Vieles dreht sich nämlich um das Verhältnis zwischen Licht und Dunkelheit. Hell ist gut und die Finsternis fügt einem Schaden zu. Daher besteht die Aufgabe des Spielers häufig darin, für Licht zu sorgen. Mit dem Lichtschuss werden dann Laternen oder Ziegenköpfe beschossen. Zudem müssen einige Gegner ebenso mit einem Lichtschuss getroffen werden um sie entweder kurz zu lähmen oder gar erst verwundbar zu machen. Dies hängt von den unterschiedlichen Gegnertypen ab. Allesamt sind diese aber sehr gelungen, denn es werden zahlreiche unterschiedliche Widersacher geboten. Einige knipsen Lichter wieder aus oder können nur mit einer speziellen Waffe beseitigt werden. Ein ähnlich taktisches Vorgehen ist auch bei den Bossgegnern von Nöten. Diese sind zum Teil äußerst anspruchsvoll und benötigen häufig viel Zeit und Ausdauer, damit der Spieler siegreich vom Felde ziehen kann.
Mal muss der Spieler Schalter umlegen, für einen kurzen Moment in der Dunkelheit agieren oder Objekte suchen, damit sich Türen öffnen. In den meisten Fällen wird in all diesen Situationen geballert was das Zeug hält. Die Schusswechsel mit den Dämonen nehmen wohl den größten Part in Shadows of the Damned ein. Dazu kann sich Johnson in drei unterschiedliche Waffen verwandeln, die alle gut ins Geschehen passen. Nach und nach werden Updates durch Fortschritte freigeschaltet, die das Schießeisen verbessern bzw. verändern und neue Funktionen bieten. Wer lieber selbst Hand anlegen möchte, sollte sich in den Umgebungen nach Kristallen umsehen oder sich beim fliegenden Händler welche kaufen. Damit können einzelne Attribute wie Nachladegeschwindigkeit oder Feuerkraft verbessert werden. Das Handling der Feuerwaffen hätte jedoch durchaus besser ausfallen können. Das liegt aber größtenteils an der mittelmäßigen Bedienung, die einem immer wieder das Leben schwer macht. Mal will das Spiel die Waffe nicht richtig wechseln, dann wird kein Ziel anvisiert usw. – solche Fehlleistungen nerven einfach, was besonders bei Bossgegnern zum Tragen kommt. Außerdem sorgt die Kameraperspektive hin und wieder für problematische Momente. So kommt es häufig vor, dass die Ansicht an einem Objekt hängen bleibt oder das einfach zu nah an das Geschehen gezoomt wird – damit ist es schnell um die Übersicht geschehen. Ansonsten bleibt die restliche Technik auf einem soliden Level. Die Welt von Shadows of the Damned sieht gelungen aus, wenngleich einige Texturen hätten schärfer ausfallen können. Ebenso wirken die Gesichtsanimationen altbacken.

Die Idee hinter Shadows of the Damned ist gelungen, weshalb es doch recht schade ist, dass der Titel nicht über übliche Genre-Konventionen hinaus kommt. So bleibt das Videospiel in den meisten Fällen eher linear. Einige Rätsel geben hier Lichtblicke, doch gerade im letzten Drittel wirkt alles ein wenig zu langgezogen und daher nicht mehr so originell wie zu Anfang. Selbiges gilt für die besonderen Level. Da spielt man dann plötzlich einen Sidescroller oder darf mit einer phallusartigen Kanone riesige Unholde besiegen. Solche Situationen hätten für eine kurze Zeit gereicht, aber die Entwickler hatten eher die Länge im Blick und haben alles etwas zu ausgereizt.
Shadows of the Damned ist irrsinnig, abgedreht und hat einen höllisch guten Humor, der zwar nicht jedem gefallen mag, dafür aber zumindest in meine persönliche Geschmackskerbe schlägt. Was Stil, Setting und Atmosphäre betrifft, kann man bei diesem Titel nicht herummeckern. Man merkt an jeder Ecke, dass erfahrene Profis an der Arbeit waren, die ihr Werk wirklich zu verstehen scheinen. Schade nur, dass Shadows of the Damned seine Schwächen bei der Bedienung und dem Gameplay zeigt. Gerade der spielerische Aspekt hätte ebenso viele wahnwitzige Ideen wie der Stil benötigt. Trotzdem handelt es sich bei dem Titel immer noch um ein sehr spaßiges Produkt, das definitiv einen Blick wert ist. Voraussetzung dafür ist aber der entsprechende Geschmack. Hat man Zweifel, ob Shadows of the Damned gefällt, kann nur ein kurzer Besuch in der Videothek Abhilfe schaffen.- Daniel Dyba / dybstar