Vor
vielen Jahren, als die erste Playstation in den Kinder-/Wohnzimmern noch in
grau und mit Kabel am Controller nebst einem Röhrenfernseher vor sich her
ratterte, da ließ Capcom ein Spiel auf die Konsolenbesitzer los, welches noch
viele Jahre von sich reden machen würde.
Schon allein das Intro, ein Mix aus CGI und Realfilm, war für damalige
Verhältnisse sehr gut und ließ bei vielen Spielern Angstschweiß ausbrechen. Abgerissene
Hände, jede Menge Blut, eine Spezialeinheit auf der Flucht in ein altes
Herrenhaus…mittlerweile wisst ihr wahrscheinlich von was wir reden und was im folgenden Text wohl unsere Aufmerksamkeit verdienen
wird. Capcoms damaliges Werk, der erste Resident Evil Teil, wird mittlerweile
zu den Mitbegründern des Survival-Horror Genres gezählt und konnte Presse und
Spielerschaft von seinen Qualitäten überzeugen. Es folgten nun mehrere Sequels
und Spin Offs und gerade bei den letzten beiden Spielen ist deutlich erkennbar
geworden, dass sich die Entwickler vom klassischen Horrorspiel entfernen. Mehr
Action ist nun die Ansage und das wurde bisher konsequent umgesetzt. Ob das der
Marke Resident Evil so gut bekommt, wurde dabei leider sträflich außer Acht
gelassen. Mittlerweile, und das wird uns in diesem Artikel heute beschäftigen,
sind wir bei einem Ableger der Serie angekommen, der sich eigentlich völlig vom
Survival-Horror losgesagt hat. Resident Evil – Operation Raccoon City (ORC) ist ein
fast klassischer Shooter. Von
den starren Kameraperspektiven und der intensiven Atmosphäre ist wahrlich nicht
mehr viel übrig.
Pflanzen gegen Zombies
Der
Einstieg in ORC fällt denkbar einfach aus. Wer sich mit der Steuerung von
Ego-Shootern auskennt, der dürfte sich
schnell heimisch fühlen. Zwar schauen wir nicht durch die Augen unseres
Protagonisten, sondern über dessen Schulter hinweg, doch tut das der Sache
keinen Abbruch. Kenner der Resident Evil Serie fragen sich bestimmt schon ganz
gespannt, wen man denn im Spiel nun steuern darf. Wer sich gern einmal auf der
bösen Seite austoben wollte, dem wird mit ORC geholfen. Denn hier schlüpft man
diesmal nicht in die Haut eines altbekannten oder neuen Helden, sondern
unterstützt die Umbrella Corp. durch deren schlagkräftiges Spezialeinsatzteam.
Selbiges besteht aus sechs Mitgliedern, von denen sich der Spieler zu Beginn
eines aussuchen kann. Im Spiel selbst kämpfen dann immer vier Söldner zusammen.

Die
Auswahl eines Charakters fällt dabei gar nicht mal so einfach. Jeder der sechs
Mannen bietet gewisse Vorteile und so verlangt ORC, zumindest im Koop, ein
gewisses Maß an strategischer Vorausschau. Warum nur im Koop? Nun ja, in der
Singleplayerkampagne ist die KI genauso oft vorhanden, wie Geld auf meinem
Konto. Was bedeutet, dass sich Einzelspieler schnell mit dem PSN verbinden
werden um in ORC noch einen gewissen Mehrwert zu entdecken. Das fängt allein
damit an, dass unsere scheinbaren Freunde immer stur ihr „Ding“ durchziehen.
Warten und die Situation abchecken? Fehlanzeige. Auch Kameradschaft scheint für
die drei uns umgebenden Soldaten ein Fremdwort zu sein. Da kann der Spieler aus
100ten Löchern bluten, Hilfe bekommt er aber nur in den seltensten Fällen. Auch
mit dem Schießen oder dem Suchen einer geeigneten Deckung haben sie es nicht so
ganz. Lieber stehen sie mitten im Kampfgeschehen und lassen sich munter
abknallen. Der Dumme dabei ist dann der Spieler, denn ihr müsst die Leute
nämlich wiederbeleben, von denen kann das ja keiner. Was die restlichen
Squadmember allerdings besonders gut können, ist im Weg rumstehen. Noch einen
Zacken schärfer sind die Gegner. Während die normale Zombieschar, weil dumm,
noch kein Problem darstellt, sind die restlichen Gegnergruppen bisweilen schon
unfair schwer zu besiegen. So wird man unter anderem auf feindlich gesinnte
Spezialeinheiten stoßen. Dass die gepanzert sind, ist noch lang keine
Erklärung, wieso sie gut und gern 5 Kopfschüsse einstecken. Noch einen Zacken
schärfer sind aber die BOW’s (Bio-Organic-Weapons). Diese Meute raubt einem mal
schnell den letzten Nerv. Schon allein die bekannten Licker scheinen von
Schrotkugeln eher geheilt als getötet zu werden. Ganz zu schweigen von den
Huntern, bei denen gut und gern 200 Schuss aus dem MG draufgehen. Vom Nemesis
will ich hier jetzt mal gar nicht reden.

Um
nicht nur den „Sie sind tot“ Screen vor Augen zu haben, gibt es noch diverse
Möglichkeiten länger bei der ORC zu überleben. Zum einen wurde ein recht
nützliches Deckungssystem ins Spiel eingebunden. Zwar ist dieses nicht so
richtig ausgereift, aber immerhin bietet es bei exzessiver Nutzung ausreichend
Schutz vor feindlichem Beschuss. Kommt unsere Spielfigur nahe an eine Wand oder
Kiste, so sucht sie automatisch dahinter Deckung. Das funktioniert in den meisten
Fällen recht gut, ab und zu hängt das System aber auch, sodass erst ein neuer
Anlauf den gewünschten Erfolg bringt. Vermisst haben wir auch die Möglichkeit,
zwischen mehreren Deckungen zu wechseln. Einmal hinter einer Kiste ist es
ratsamer dort zu bleiben. Denn um die sichere Umgebung gegen eine bessere zu
tauschen, müsste man erst aufstehen und sich manuell dorthin bewegen,
währenddessen man die eine oder andere Patronensalve einsteckt. Zwei Arten der
Heilung von normalen Verletzungen bietet ORC. Hier kommt sogar eine Art
Nostalgiegefühl auf, denn die leuchtend grünen Heilpflanzen und das bekannte
Heilspray sind seit jeher Markenzeichen der Serie. Neu dagegen ist die
Möglichkeit von Zombies infiziert zu werden. Sollte dieser Fall eintreten, ist
schnelle Hilfe ratsam, denn bricht der Zombie in euch aus, so ist das Spiel
vorbei. Ein kleines blaues Spray wirkt auch hier Wunder. Schön und reizvoll
wäre es allerdings schon gewesen, wenn uns Capcom die Möglichkeit gegeben hätte
als Zombie weiterzuspielen.
Da
ORC nun zum reinrassigen Shooter verkommen ist, werdet ihr die serientypischen
Rätsel also vergeblich suchen. Alles was hier zählt, ist Action. Auch das
Sammeln der überall auffindbaren Datensätze verkommt zur lieblosen Dreingabe.
Während man früher noch jede Menge Infos aus umherliegenden Dokumenten gewinnen
konnte, so sind die hier verstreuten Datenträger nicht einsehbar. Auch eine
große Umgebungskarte sucht man vergebens. Lediglich die Minimap während des
Spiels sorgt für ein wenig Übersicht. Im Verlauf der Missionen sammelt der
Spieler durch das Erledigen von Gegnern und das Sammeln der oben erwähnten
Datensätze Erfahrungspunkte. Diese können dann nach Belieben gegen neue Waffen
oder freischaltbare und levelbare Fähigkeiten eingetauscht werden. Letztere
sind von Charakter zu Charakter unterschiedlich und unterteilen sich nochmal in
aktive und passive Fähigkeiten.

Teamplayer
Während
die Kampagne im Alleingang wahrlich für Ernüchterung sorgt, so blitzt bei der
Multiplayer-Variante wenigstens ansatzweise Qualität durch. Denn hier machen
sich die Fähigkeiten der einzelnen Spieler endlich bezahlt und es gibt auch
kein dummes in der Gegend herumstehen mehr. Jeder Spieler nutzt Deckung und man
hilft sich untereinander. Ja, so macht das doch schon mehr Spaß. Leider bleiben
einige Schwächen dennoch bestehen. Da es dem Spiel doch arg an Dramaturgie,
Spannung und einer guten Story fehlt, ist der Koop auch trotz der menschlichen
Mitspieler nur Mittelmaß. Die restlichen Spielmodi sind gefüllt mit Standards
wie Deathmatch oder Capture the Flag. Aber auch interessante Arten des
gemeinschaftlichen Spiels haben den Weg zu ORC gefunden. Im Helden Modus etwa
muss ein Teammitglied beschützt werden, während der Held der Gegner
ausgeschaltet werden muss. Auch schick, der Überlebensmodus. Hier erwehrt man
sich nicht nur den menschlichen Kontrahenten, sondern auch einer wahren
Zombiewelle. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, kurz vor Rundenende
landet irgendwo ein Hubschrauber mit beschränkter Sitzkapazität. Hier kann es
dann unter Umständen zu moralischen Konflikten kommen, wenn ein Teammitglied
zurück gelassen werden muss.

Infizierte Technik
Hier
offenbart sich die wohl größte Schwachstelle von ORC. Die grafische Qualität
ist einfach schlecht. Das fällt einem schon in den ersten Leveln auf. Neben
einem ständigen Flimmern ist auch die Gestaltung der Umgebungen mehr als
dürftig geraten. Andauernd rennen wir durch immer gleiche Gänge und Räume. Das
hier Gebotene grenzt schon fast an eine Frechheit. Das geht weiter bei den
Zombies. Da kommt es schon mal vor, dass einem dreimal derselbe Untote zur
gleichen Zeit vor die Flinte läuft. Auch scheinen sich die Biester zueinander
hingezogen zu fühlen, denn oftmals stehen sie einfach ineinander. Die
grafischen Effekte sind auch kaum der Rede wert, womit wir resümieren können,
dass hier nur eine mangelhafte Arbeit abgeliefert wurde. Doch keine Angst, die
soundtechnische Untermalung des Titels ist keineswegs besser. Während die Musik
unbeachtet und ohne Höhepunkte vor sich hindudelt, motivieren die
Synchronsprecher uns bestenfalls dazu den Sound abzudrehen.
Fazit:
Was ist nur aus dieser
Serie geworden? Muss denn der kontinuierliche Wechsel zum Actionspiel sein? Die
ganzen Sympathien, die sich Resident Evil mit Teil 1 bis 3 aufgebaut hat,
werden seit Jahren durch immer schrecklichere Spiele vernichtet. Doch leider
ist diese Serie nicht die einzige der es so ergeht. Hier sei nur am Rande
Silent Hill erwähnt. Nun ja, lassen wir uns nicht allzu sehr von ORC verschrecken
und setzten neue Hoffnungen in Resident Evil 6. Vielleicht wird ja da wieder
alles gut?!