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Zurück zur Spiel-Seite Dragon's Dogma - Spieletest

Ob Mega Man, Street Fighter, Resident Evil, Devil May Cry oder Monster HunterCapcom hat der Videospielwelt schon häufig seinen Stempel aufgedrückt. All diese Serien wurden weltweit große Erfolge. Und auch, wenn der japanische Publisher gerne mal zu Fortsetzungen seiner etablierten Marken greift, versucht man auch immer wieder, mit neuen Titel zu punkten. So geschieht es in diesem Jahr mit Dragon's Dogma. Das Action-RPG aus der Feder von Hiroyuki Kobayashi (u.a. Resident Evil) ist eine der bislang größten Capcom-Produktionen überhaupt und schickt sich an, japanische und westliche Spielideen miteinander zu verbinden. Tatsächlich sieht Dragon's Dogma mit seinem mittelalterlichen Fantasy-Setting zunächst nach einem typisch westlichen Rollenspiel aus. Doch spätestens wenn man zum ersten Mal den Titelsong vernimmt – eingespielt von einer J-Rock Band – wird deutlich: Dragon's Dogma kommt aus Japan und weist viele typisch japanische Merkmale auf.



Die Story steht bei Dragon's Dogma eindeutig im Hintergrund. Der Spieler übernimmt die Rolle des Erweckten, dem sein Herz von einem Drachen gestohlen wird, der als Personifizierung allen Bösen durch die Welt streift. Im folgenden Abenteuer versucht unser herzloser Held herauszufinden, in welcher Verbindung er zum Drachen steht und wie die Bestie aufgehalten werden kann. Allerdings nimmt die Geschichte nicht annähernd so viel Raum ein wie in den meisten anderen Rollenspielen. Schon sehr früh hat der Spieler die Möglichkeit, nach Herzenslust durch die Länder zu ziehen und Monster zu schnetzeln. Hauptquest? Wer braucht so etwas? Wie der Erweckte aussieht, liegt dabei ganz im Ermessen des Spielers. Der Charaktereditor, mit dem man sich zu Beginn des Spiels beschäftigen darf, erlaubt jede Menge Freiheiten. Nicht nur das Geschlecht oder die Hautfarbe des Helden dürfen festgelegt werden – auch Alter und Größe. Dies führt zu einigen sehr interessanten Möglichkeiten, denn man darf auch als Kind in die Schlacht ziehen. Natürlich dürfen auch typische Charakterklassen nicht fehlen: Zunächst hat man die Wahl zwischen Krieger, Magier und Streicher, später gibt es aber die Chance, Klassen weiterzuentwickeln oder auszubauen. So wird beispielsweise aus unserem Krieger, der nur mit Schwert und Schild in den Kampf zieht, ein Assassine, der sich auch mit Dolchen und Bögen auskennt, dabei allerdings leichtere Rüstung bevorzugt. Neben dem Helden entwirft der Spieler zu Beginn auch dessen Hauptvasallen, einem stetigen Begleiter während des gesamten Abenteuers. Vasallen spielen eine Schlüsselrolle in Dragon's Dogma, daher sei ihnen ein eigener Absatz gewidmet.

Ein Vasall ist ein KI-gesteuerter Mitstreiter, der dem Erweckten im Kampf tatkräftig zur Seite steht. Neben dem Hauptvasallen dürfen noch zwei weitere Vasallen zur Party hinzugefügt werden. Der Clou dabei: Diese lassen sich online von anderen Spielern ausleihen. Sofern die entsprechende Funktion im Optionsmenü nicht deaktiviert wurde, kann der eigene Hauptvasall anderen Spielern in deren Welt begegnen und dann rekrutiert werden. Davon bekommt man als Erschaffer des Vasallen zunächst nichts mit, denn andere Spieler erhalten nur eine Kopie des Originals. Hat der Versall allerdings seine Aufgabe erfüllt, kehrt er mit neu gewonnenem Wissen und Gegenständen zu seinem Meister zurück. Bündnisse mit Vasallen anderer Spieler sind übrigens nie eine Partnerschaft für die Ewigkeit, denn Gast-Vasallen leveln nicht auf, während sie auf Reisen sind. Nach einer Weile wird es also immer Zeit, die Gast-Vasallen auszutauschen und stärkere ins Team zu holen. In jedem Fall ist das Versallen-System genial: Spieler können sich gegenseitig mit Vasallen unterstützen, die Versallen anderer Spieler bewerten und sich die stärkeren Versallen von Freunden ausleihen, um im Kampf einen Vorteil zu haben. So verfügt Dragon's Dogma über eine intelligent integrierte Online-Komponente, ein richtiges Multiplayer-Spiel ist es allerdings nicht, denn es ist nicht möglich, gemeinsam mit anderen Spielern auf Quests zu gehen – nur mit deren KI-Mitstreitern.



Abgesehen von den Versallen scheint Dragon's Dogma fast schon ein konservatives Open-World-RPG zu sein: Der Spieler kann sich frei durch die Landschaft bewegen, sammelt bei Feindbegegnungen Erfahrungspunkte sowie Schätze und bessert durch das Erfüllen von Quests das eigene Taschengeld auf. Was Dragon's Dogma allerdings gegenüber der Konkurrenz abhebt, ist das fantastische Kampfsystem. Bei vielen RPGs scheint das Kampfsystem eher ein notwendiges Übel zu sein, bei Dragon's Dogma ist es das Highlight. Hier spielt sich der Titel genauso dynamisch und mitreißend wie ein Actionspiel. Verschiedene Aktionen sind übersichtlich auf den Aktionstasten verteilt und erlauben das Ausführen von schnellen und effizienten Combos. Um gegen gefährlichere Gegnergruppen eine Chance zu haben, bedarf es allerdings mehr als nur einem schnellen Daumen: Wer unvorsichtig vorgeht, sieht gerade zu Beginn kein Land und wer seine Gruppe schlecht zusammenstellt, wird es schwer haben. Wie so oft gilt auch bei Dragon's Dogma: Die Mischung macht's. Idealerweise gibt es in der Gruppe einen Tank, der im Nahkampf austeilen kann, einen Magier, der Heilzauber beherrscht, einen Bogenschützen für Angriffe auf fliegende Gegner sowie einen Erzmagier für das Verzaubern von Waffen. Ein geniales Feature ist die Möglichkeit, auf Feinde zu klettern. So lassen sich deren Schwachstellen sehr effizient angehen. Und es ergeben sich einige starke Momente: Wer schon einmal auf einen Greif geklettert ist, der sich anschließend in die Luft erhob und auf die fliegende Bestie während des Fluges in luftigen Höhen eingestochen hat, der wird wissen, was ich meine. Episch! In seinen besten Momenten erinnert Dragon's Dogma an die gewaltigen Schlachten der Monster Hunter-Reihe, denn größere Feinde stecken einiges ein und lassen sich nicht auf die Schnelle bezwingen. Aber auch die fehlende Lock-On Funktion erinnert an die Monsterjagd aus gleichem Hause.

Dragon's Dogma steckt voller stimmiger Details. So gibt es einen sehr realistischen Tag- und Nachtwechsel. Bei Nacht wird es so dunkel, dass man auf das Licht einer Laterne angewiesen ist, um überhaupt noch etwas erkennen zu können. Sich im rötlichen Schein einer Laterne vorsichtig durch eine finstere Höhle oder einen dichten Wald zu bewegen, nicht wissend, was hinter der nächsten Ecke lauern mag, ist äußerst spannend. Ohnehin zieht Dragon's Dogma viel Kraft aus der Erkundung seiner Welt. Es ist der Reiz des Unbekannten und der Gefahr, der zu stundenlangen Erkundungstouren einlädt. Auf der Ebene eines klassischen Rollenspiels funktioniert Dragon's Dogma nahezu perfekt: Es macht einfach Spaß, Erfahrungspunkte zu sammeln, stärker zu werden, neue Ausrüstung zu kaufen und vorhandene zu verbessern. Dennoch wird das Spiel nicht jedem so motivierend und fesselnd erscheinen. Denn Dragon's Dogma ist ein Hardcore-Rollenspiel, welches auf Spielkomfort pfeift und vom Spieler einiges an Hingabe einfordert.

Ein Beispiel: Es gibt keine Schnellreisefunktion. Zwar kann der Spieler später im Abenteuer einen (teuren) Reisestein benutzen, um einmalig zur Hauptstadt zurückzukehren. Ziele, die außerhalb der Hauptstadt liegen, müssen allerdings immer wieder zu Fuß erreicht werden. Schon mal The Elder Scrolls V: Skyrim komplett ohne Schnellreisefunktion durchgespielt? Wenn ja, dann weiß man in etwa, wie sich Dragon's Dogma anfühlt. Ja, das ist umständlich und unkomfortabel. Genau wie das altmodisch präsentierte Inventarmenü, aus dem man keine Rüstungen oder Waffen anlegen kann – dafür muss man nämlich ins Ausrüstungsmenü wechseln. Schwerwiegender als diese Schwachpunkte ist allerdings die dürftige Präsentation. Speziell bei den steif präsentierten Unterhaltungen mit anderen NPCs fragt man sich, ob die Entwickler jemals ein Mass Effect gespielt haben. Auch die Story weiß nicht zu fesseln, denn selbst wenn man mal über eine Zwischensequenz stolpern sollte, was selten genug passiert, wird man hier nichts allzu spannendes zu sehen oder zu hören bekommen. Dafür ist das Spiel allerdings sehr umfangreich. Es gibt massenhaft Quests und Aufträge zu erledigen, doch selbst ziellos durch die Landschaft zu streifen, hat sich seit Skyrim nicht mehr so gut angefühlt. Schade ist nur, dass man immer wieder an denselben Stellen auf die gleichen Feinde trifft. Nach einer gewissen Zeit weiß man genau, was einem hier oder dort erwarten wird.



Technisch hinterlässt Dragon's Dogma einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite sehen die weitläufigen Landschaften sehr hübsch aus. Bäume, Büsche und Gräser wehen realistisch im Wind, die Texturen weit entfernter Felswände sehen teilweise knackscharf aus und auch die atmosphärischen Lichteffekte – vom schummrigen Schattenspiel bei Nacht bis zur gleißenden Sonne am Tag – können sich wirklich sehen lassen. Die teilweise gewaltigen Bestien, welche diese Landschaften bevölkern, wirken sehr lebendig und wurden eindrucksvoll animiert. Dragon's Dogma verwöhnt auch mit netten Details, welche die Welt glaubhafter erscheinen lassen. Echsenmänner etwa stehen nicht einfach nur als Kanonenfutter in der Gegend herum wie in vielen anderen Rollenspielen. Sie verhalten sich vielmehr sehr „natürlich“, auch ohne Zutun des Spielers - sie gehen in Flüssen schwimmen oder legen sich zum Sonnen auf Felsen, wie es eine Echse in der Wirklichkeit auch tun würde. Auf der anderen Seite wirken Städte, Burgen und Dörfer karg, trist und bisweilen wie ausgestorben. Auch den meisten menschlichen NPCs scheint das Leben entwichen zu sein, so leblos und steif stehen sie in der Gegend herum. Gerade bei den Unterhaltungen mit Quest-Gebern fällt Dragon's Dogma Jahre hinter die heutigen Videospielstandards zurück. Und die Texturen? Immer wieder matschig. Trotz dieser optischen Abstriche läuft das Spiel nicht immer flüssig und das Bild wird durch schmale Balken am oberen und unteren Rand beschnitten. Kaum zu glauben, dass an Dragon's Dogma wirklich das bislang größte Capcom-Entwicklerteam gearbeitet haben soll. Technisch fehlt einfach der Feinschliff. Der Soundtrack ist sehr atmosphärisch gelungen, setzt allerdings viel zu selten ein. Überwiegend durchstreift man die Landschaften und Dungeons bei Stille.



Fazit:
Ihr mögt eure Rollenspiele mit Ecken und Kanten? Dann ist Dragon's Dogma genau das Richtige für euch. In den ersten Spielstunden werden einem gewiss viele Schwachpunkte auffallen: Dragon's Dogma bietet kaum Spielkomfort – es gibt nicht mal eine Schnellreisefunktion. Das Inventarmenü ist umständlich und verschachtelt, die Präsentation des Spiels ist schwach, die Technik stellenweise veraltet – und was sollen eigentlich die schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand?! Mitunter ist Capcoms Action-RPG eine frustrierende Angelegenheit und so etwas wie eine fesselnde Story ist schlicht nicht vorhanden. Wer sich allerdings von diesen Schwächen beeindrucken lässt, der verpasst ein famoses Open-World-Spiel mit richtig viel Persönlichkeit.

In Dragon's Dogma treffen japanische und westliche Spielphilosophien aufeinander, und welch spannende Resultate solche Zusammenkünfte haben können, bewiesen schon Demon's Souls und sein Nachfolger. Dragon's Dogma besticht mit einem überragendem Kampfsystem und beeindruckenden Schlachten gegen riesige Bestien. Das Vasallen-System ist eine großartige Idee und es gibt nur wenige Spiele, die solch spannende und ausgedehnte Erkundungstouren in das Ungewisse der gefährlichen Wildnis ermöglichen. Dragon's Dogma ist natürlich ein Hardcore-Rollenspiel, mitunter unerbittlich konsequent und nie wirklich bequem. Es ist ein Spiel, welches einige hassen werden, doch mindestens ebenso viele werden es lieben. Wer ein Spiel mit Persönlichkeit mehr zu schätzen weiß als glatt gebügelte, auf den Massenmarkt abgestimmte Stangenware, der darf Dragon's Dogma auf keinen Fall verpassen. - Daniel Steinert


Dragon's Dogma
88.0%
gut
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Pro
- Überragendes Kampfsystem
- Dichte Atmosphäre
- Epische Bosskämpfe
- Fesselnd und motivierend
Contra
- Schwache Präsentation
- Unkomfortables Spieldesign
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