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Zurück zur Spiel-Seite Need for Speed: The Run - Spieletest

Ein Jahr nach dem hervorragenden Need for Speed: Hot Pursuit erscheint mit „The Run“ bereits ein weiterer Teil der alteingesessenen Rennspiel-Serie aus dem Hause EA. Der Fokus liegt abermals auf spannenden Rennen und rasanten Verfolgungsjagen, jedoch ist die Kulisse gänzlich neu. Anstelle von wiederkehrenden Rundkursen bietet The Run eine 4500 Kilometer lange Jagd quer durch die USA.

In den letzten Jahren konnte die einst so erfolgreiche Need for Speed-Serie wieder ordentlich an Fahrt gewinnen. Dies lag hauptsächlich daran, dass Electronic Arts anderen Entwicklern die Möglichkeit gab, Spiele unter ihrer Flagge zu entwickeln. Daraus folgten das bereits erwähnte Hot Pursuit, welches an die Ursprünge der Serie angelehnt war, sowie Shift und dessen Nachfolger, welche eine realistische Richtung einschlugen. Der neuste Teil hingegen wurde wieder von den EA Black Box Studios entwickelt, welche sich in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben und für Fans der ersten Stunde immer noch für den Fall der Serie verantwortlich sind. Spiele wie Most Wanted und Carbon enttäuschten mit kitschigen Live Action-Zwischensequenzen und technischem Stillstand, bis mit Undercover endgültig der Vogel abgeschossen und den Entwicklern eine Zwangspause gegönnt wurde. Mit doppelter Entwicklungszeit und kraftvoller Frostbite 2-Engine sollen die Käufer zurückgewonnen werden. Mal sehen, ob es geklappt hat.


In der Geschichte von Need for Speed: The Run schlüpfen wir in die Rolle von Jack Rourke, welcher auf Grund von Geldproblemen an einem gefährlichen Rennen teilnimmt. Wie tief er in den Schulden steckt, wird bereits in den ersten fünf Minuten klar. Halb benommen wird er am Steuer eines Wagens wach, als dieser gerade unsanft in eine Schrottpresse fällt. Aus dem Fenster erblickt er einige finstere Gestalten, welche ihn allem Anschein nach ans Lenkrad gefesselt haben und sich bereits freuen, ihn als Pfannkuchen wieder aus der Presse zu kratzen. Also beginnt Jack seinen Kampf um Leben und Tod, wobei wir ihn nicht nur zusehen, sondern gleich helfen können. Durch eingeblendete QTE’s verhelfen wir Jack zur Flucht und rasen mit dem erstbesten Wagen davon. Kaum in Sicherheit, trifft er sich mit einer Kontaktperson, welche ihm den Vorschlag macht, am Rennen teilzunehmen. Dreihundert Fahrer treten an und sollte es Jack gelingen als Erster am Ziel anzukommen, so winken ihm 10 Prozent des Preisgeldes – 25 Millionen Dollar.

Da würde wohl niemand lange nachdenken, also schnappt sich Jack einen der zur Verfügung stehenden Wagen und legt los. Die Reise beginnt in den Häuserschluchten von San Francisco, vorbei an Denver, über die staubigen Highways von Las Vegas und endet schließlich in New York City. Unterteilt ist das Ganze in neun Kapitel mit jeweils mehreren Rennen, welche sich äußerst abwechslungsreich präsentieren. So liefert man sich spektakuläre Verfolgungsjagden mit der Polizei bei Nacht und zerstört die Einsatzfahrzeuge, welche sich per Handbremse vor einem querstellen. Kurze Zeit später liefert man sich ein heißes Duell über einen verschneiten Bergpass, weicht herabstürzenden Felsbrocken aus und rettet sich in letzter Sekunde vor einer nahenden Lawine. Eine staubige Wüste ist die perfekte Gelegenheit, die Höchstgeschwindigkeit des Wagens auszutesten. Mit weit über 300 Sachen rast man ein pfeilgerades Stück entlang, schlängelt sich am Verkehr vorbei und wird durch Sandstürme für kurze Zeit blind.


Die Rennen sind hierbei in drei verschiedene Arten unterteilt. Den Großteil der Rennen nehmen die herkömmlichen Veranstaltungen ein, in denen es darum geht, auf einer abgesperrten Sprintstrecke eine festgelegte Anzahl an Gegnern zu überholen. So kämpft man sich langsam vom Ende des Fahrerfeldes nach vorne, bis in New York schließlich der Führende geschnappt werden kann. Wer nun denkt frei bestimmen zu können, wie viele Rivalen er überholt, der irrt sich. Diese Zahl ist festgelegt und muss zwingend eingehalten werden. Wer anstelle von 12 Wagen nur 10 erreicht, der darf die Strecke neustarten. Im Gegenzug kann jedoch durch eine besonders gute Fahrweise auch kein Vorsprung ausgefahren werden. Hier wurde viel Potential verschenkt, was schnell Frustration aufkommen lässt. Beispielweise wenn man eines der zahlreichen Hindernisse trifft, welche zwar actionreich eingescriptet wurden, doch oftmals nicht auf Anhieb zu umfahren sind. So sind Neustarts quasi vorprogrammiert.

In den Checkpoint-Rennen stellt die Stoppuhr den größten Kontrahenten dar. Hier müssen unter äußerst knappem Zeitlimit alle Kontrollpunkte durchfahren werden, um mit dem nächsten Rennabschnitt beginnen zu können. Besonders in diesem Modus greift die Polizei immer wieder ein und geht alles andere als zimperlich zur Sache. So versuchen sie den Wagen am Heck zu drehen oder errichten Straßensperren. Immer wieder kommt es am Ende solcher Rennen zu einer Actionszene, wie sie zu Beginn des Spieles stattgefunden hat. Diese erscheinen nicht allzu häufig und stellen meist nur den Übergang von einer Szene in die nächste dar, weswegen sie auch nicht besonders lange sind. Den Abschluss bilden die Rivalen-Rennen, in denen meist nur wenige Kontrahenten überholt und anschließend zurückgehalten werden müssen. Nicht selten haben diese auch einen Bezug zur Geschichte, um die man selbstverständlich nicht herum kommt. Immerhin präsentiert sich diese nun bei weitem nicht so schmalzig und die peinlichen Schauspieler sind virtuellen Gegenstücken gewichen.


Doch die spannendsten Rennen nützen nichts, wenn sich die Boliden nicht sauber steuern lassen und genau hier liegt eine der Schwächen. Das Fahrverhalten lässt sich am besten simulieren, indem man ein Stück Butter in eine heiße Bratpfanne legt und diese bewegt. Zwar war die Steuerung auch in Hot Pursuit ein wenig schwammig, doch hatte man dort stets das Gefühl, die volle Kontrolle über den Wagen zu haben. In The Run wurde bei der Ungenauigkeit nochmals ein gutes Stück draufgelegt und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, die Blackbox Studios hätten noch dasselbe Verständnis einer „realitätsnahen“ Fahrphysik wie vor sechs Jahren. Anstatt das Fahrzeug durch brenzlige Situationen zu pilotieren gibt man eher wage Lenkbefehle und hofft, dass die Kurve halbwegs fehlerfrei durchfahren wird. Immerhin unterscheiden sich die insgesamt 120 Fahrzeuge recht deutlich, weswegen es jedem gelingen sollte, den passenden Wagen zu finden. Gewechselt werden diese leider unnötig umständlich, indem man an einer Tankstelle hält.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die grafische Darstellung. Zwar sieht das Spiel nicht schlecht aus, doch verspricht man sich von der Battlefield 3-Engine doch etwas mehr. Licht- und Partikeleffekte sind dadurch standardmäßig stark, dafür hapert es an anderen Stellen. So haben die Actionszenen unter heftigem Tearing zu leiden und ein starkes Kantenflimmern ist allgegenwärtig. Hier konnten Hot Pursuit und Shift besser überzeugen und letzteres verfügte zudem über eine Cockpit-Perspektive. Ebenfalls stehengeblieben ist die Zeit bei den Wagenmodellen und den Texturen. Die Geräuschkulisse der Fahrzeuge kann wieder überzeugen und ist kernig bei Importen und tief bei Muscle-Cars. Einschläge in Leitplanken oder andere Fahrzeuge klingen ebenfalls kraftvoll und auch die deutsche Synchronisation der Charaktere ist gut gelungen. Musikalisch gibt es hauptsächlich Rock von relativ unbekannten Künstlern zu hören, dies ändert jedoch nichts an deren Qualität. Ein wenig Abwechslung wäre dennoch wünschenswert gewesen.


Das wohl größte Ärgernis ist aber die Spielzeit, welche mit gerade einmal zwei Stunden lachhaft kurz ausgefallen ist. Zwar wird damit argumentiert, dass The Run mehr als spielbarer Actionfilm denn als klassisches Rennspiel zu verstehen ist, doch ist dies keine Entschuldigung. Hier wurde einfach bei den Umgebungen gespart und da bei einem Sprintrennen keine Strecke zweimal befahren werden kann, bleiben von 4500 Kilometern nur Bruchstücke übrig. Wer alle Fahrzeuge freischalten will, muss die Geschichte aber ohnehin zweimal durchspielen und mit freigeschalteten Herausforderungen lässt sich abermals Spielzeit gewinnen. Wie mittlerweile Standard bei NFS-Titeln, ist auch die Autolog-Funktion wieder dabei, welche automatisch die eigenen Ergebnisse mit denen der Freunde vergleicht. Wer sich direkt auf der Strecke mit ihnen messen möchte, der nutzt die vorgefertigten Rennszenarien im Online-Modus, welche sich an der Geschichte orientieren.

Fazit:

Es hat einige Jahre gedauert, um die Need for Speed-Serie aus dem Tief zu holen, in das die Black Box Studios es verfrachtet haben und genau denselben Entwicklern gelingt es in kürzester Zeit die Rettung wieder rückgängig zu machen. Need for Speed: The Run hat die gleichen Macken über die man sich schon vor Jahren aufgeregt hat. Zwar ist es kein technischer Totalausfall wie Undercover es wahr, doch die hauseigene Konkurrenz zeigte bereits bessere Texturen und Wagenmodelle. Auch für die Geschichte und deren Schauspieler muss man sich nicht mehr schämen, doch zahlen Spieler dafür mit einer unakzeptabel kurzen Spielzeit. Dies kombiniert mit der schwammigen Fahrphysik, den unfair eingestreuten Hindernissen und einer völlig übertriebenen Gummiband-KI hinterlässt einen fiesen Beigeschmack und man fragt sich, wofür man eigentlich 60€ gezahlt hat.

Need for Speed: The Run
74.0%
befriedigend
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Usk: USK 12
Pro
- actiongeladene Rennen
- abwechslungsreiche Umgebungen
- umfangreicher Fuhrpark
- zeitgemäße Grafik
Contra
- kurze Spielzeit
- schwammige Fahrphysik
- Tearing und Kantenflimmern
- starke Gummiband-KI
- dünne Geschichte
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