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Zurück zur Spiel-Seite Sine Mora - Spieletest
Sie rennt. Sie schleicht. Sie heilt Wunden und sie verletzt. Nichts und Niemand ist annähernd so konstant wie sie und erscheint gleichzeitig derart launisch. Die Rede ist von der Zeit und ihrer Wahrnehmung durch uns. Digital Reality und Grasshopper Manufacture veröffentlichten im März 2012 den 2.5D Indie-Shooter Sine Mora (dt: „Unverzüglich“), der sich der komplexen Thematik auf eine sehr simple Art nähert und gleichzeitig versucht, die tiefgründige Story eines Völkermordes zu vermitteln. Wir begeben uns auf eine Reise durch die Zeit und treffen Sine Mora sowie seine Vorfahren, deren Namen auch 25 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung weiterhin nachhallen. Wird die Zeit ebenso gnädig zu Sine Mora sein, oder wird sein Name bereits in Kürze verblassen?

Seol, der Planet, auf dem die Handlung von Sine Mora spielt, beherbergt zwei gesellschaftlich entgegengesetzte Fraktionen: Das Layil Imperium und die Enkie. Während das hochtechnisierte Layil Imperium sehr rücksichtslos sowie repressiv auftritt, und sich seinerseits aus kontrollierenden und kontrollierten Einwohner zusammensetzt, stellen die Enkie deren Gegenteil dar. Sie leben naturverbunden und haben bereits vor vielen Circles, dem Äquivalent zu unseren Jahren, die Fähigkeit zur Zeitreise entwickelt. Als das machthungrige Imperium schließlich einen Völkermord an den revoltierenden Enkies verübt, bilden die Verletzung moralischer Grundwerte, sowie schmerzhafte Einzelschicksale, einen ergiebigen Nährboden für die aufflammenden Aufstände. Feindbilder werden gestochen scharf. Rebellionen entstehen.






Sine Mora möchte eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die in ihrer Tiefe über die reinen Alibi-Handlungen vieler Genrevertreter hinausgeht. Bei diesem mutigen Unterfangen wurde Subtilität kein Freund der Autoren. Während die Hauptcharaktere unterschiedlich viele Dimensionen aufweisen, bietet der Plot wenige Überraschungen und wirkt streckenweise vorausschaubar. Dennoch schafft Sine Mora es durch seine verschachtelten, und sich zeitweise überlagernden, Handlungsstränge sehr gut, den Spieler über das Arcarde-Gameplay hinaus zu fesseln.
Die überraschende Entscheidung, die ausschließlich ungarische Sprachausgabe beizubehalten, begünstigt die Nachvollziehbarkeit der Storyzusammenhänge zwar nicht, aber glücklicherweise lässt sich die Sprachausgabe komplett deaktivieren. Auf diese Art kann der Spieler den Plot über die deutschen Bildschirmtexte verfolgen, ohne sich von der Erzählstimme akustisch ablenken lassen zu müssen.




Riesige Zwischengegner en masse: Bei Sine Mora kommt kein Mangel an Action auf.


Ablenkung ist ohnehin bei diesem innovativen Gameplaykonzept das Letzte, was der Spieler braucht, denn: Der Countdown läuft. Jeder erzielte Treffer erhöht die am oberen Bildschirmrand ablaufende Uhr um einige Sekunden. Jeder erlittene Schaden reduziert die verbleibende Zeit. Dieses simple Prinzip macht Energiebalken oder komplexe Schadensmodelle, die man in der Hitze des Gefechtes oftmals ohnehin kaum beachten könnte, obsolet. Die einfache Grundregel lautet: Feuer frei, so lange noch Zeit übrig ist!
Ein weiterer, interessanter Twist offenbart sich durch die Betätigung der R2-Schultertaste. Mit ihrer Hilfe kann der Spieler die Zeit verlangsamen. Während sich Gegner und gegnerische Geschosse nun in Zeitlupe bewegen, kann der Spieler weiterhin in normaler Geschwindigkeit agieren und sich somit, in Relation zum übrigen Geschehen, schneller bewegen. Natürlich ist diese mächtige Fähigkeit lediglich zeitlich begrenzt verfügbar und stellt ganz nebenbei eine amüsante Parallele zu den berüchtigten Slowdowns alter Bullet-Hell-Vertreter dar: Dieses Mal entsteht sie freiwillig. Mehr noch: Sie stellt eine Entschärfung brenzliger Situationen dar und ist, auch wenn der Schwierigkeitsgrad „Normal“ im Storymodus ohnehin überaus einsteigerfreundlich und dynamisch daher kommt, stellenweise sehr hilfreich. Genre-Neulinge sollten sich von diesem Bullet-Hell Shooter also keinesfalls abgeschreckt fühlen.
Doch Moment! Handelt es sich tatsächlich, wie von den Herstellern beworben, um einen klassischen Bullet-Hell Shooter? Nein. Sine Mora ist mehr: Es verbindet verhältnismäßig lange Sidescrolling-Passagen, in denen kaum geschossen wird, mit o. g. Bullet-Hell Elementen. Letztere kommen bei diesem Genrevertreter ganz besonders kreativ daher, da die Bullet Pattern in komplett neuartigen Formationen auftreten und sich im Spielverlauf kaum wiederholen. So werden die Geschosse eines spinnenartigen Bossgegners beispielsweise in Form von expandierenden Spinnennetzen versprüht. Auch unkontrolliert trudelnde Hauptgeschosse, die auf ihrer unberechenbaren Flugbahn weitere Untergeschosse absondern, sorgen für ein zufriedenes Lächeln im Gesicht des erfahrenen Genrefreundes. An dieser Stelle können Digital Reality und Grasshopper Manufacture eindeutig punkten.



Ein konsequenter Gedanke: Die Bullet Pattern wurden den Gegnern teilweise auch inhaltlich angepasst.


Selbiges gilt für die komplette, optische Präsentation des vom Dieselpunk inspirierten Spiels. Seol ist derart abwechslungsreich, farbenfroh und liebevoll in Szene gesetzt, dass man befürchten könnte, die dynamischen Hintergründe würden deren Unterscheidung vom Vordergrund erschweren: Eine unbegründete Befürchtung. Durch die optische Hervorhebung der Bullets heben sie sich selbst in der Hitze des Gefechtes optisch stets vom Hintergrund ab. Optisch hervorzuheben sind auch die Auftritte der zahlreichen Bossgegner: Der Hintergrund wird unscharf und verliert schlagartig die Farbe, das Spiel läuft einige Sekunden lang in Zeitlupe ab, ein satter und bedrohlicher Sound ertönt und der Name des Ungetüms, dem einzig weiterhin farblich dargestellten Teil des Bildschirms, wird eingeblendet. Bombastisch!



Den Zwischen- und Bossgegnern wurden atemberaubende Auftritte spendiert.


Auch der Sound lässt wenige Wünsche offen: Arcarde-Liebhaber der alten Schule werden schnell den Zugang zu den sehr klassischen Themes finden. Akira Yamaoka, der u. a. auch für die Soundtracks vieler Silent Hill Teile, sowie Gradius, Contra, Shadows oft he Damned oder Lollipop Chainsaw verantwortlich zeichnet, bringt seine weitreichenden Erfahrungen ein und enttäuscht zu keinem Zeitpunkt.



 Eine kleine Reise durch die Zeit: Sine Moras Vorfahren
 
 V. l. o. n. r. u.: R-Type (1987) Einer der Urväter des Genres und bis heute unvergessen. | Musha Aleste (1990) Herausragender Sound und mitreissendes Gameplay: Einer der besten Shooter des Sega Mega Drives. | Ikaruga (2001) Ein Spiel mit einem Twist: Je nach Farbe des Schiffes werden ausschließlich die andersfarbigen Geschosse gefährlich. Für viele Spieler einer der besten Bullet-Hell-Shooter aller Zeiten und Kaufgrund für den Sega Dreamcast. | Triggerheart Exelica (2006) Schleudertraum(a). Der Shooter perfektionierte das "Schleudern" der Gegner auf ihre Mitstreiter. | Fast Striker (2010) Die Wiederauferstehung des Genres auf dem SNK Neo Geo durch die deutschen Entwickler NG:DevTeam.


Um den Sound und die optional in stereoskopischem 3D darstellbare Spielmechanik auch langfristig genießen zu können, wurden dem Spiel zahlreiche Modi spendiert: Von einem reinen Arcarde-Modus, der auf die Story komplett verzichtet, über einen Score-Attack-Modus mit zwei knackigen Schwierigkeitsgraden („Hard“ und „Insane“) bis zu einem Bossgegner-Übungsmodus, bei dem die einzelnen Ungetüme gezielt bearbeitet werden können, wurde an alles gedacht. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade fesseln dabei jeden Spieler an Sine Mora, ohne ihn dauerhaft zu über- oder unterfordern. Auch wenn der geübte Spieler bereits nach ca. 2 bis 3 Stunden den Abspann des Story-Mode zu Gesicht bekommt, werden die höheren Schwierigkeitsgrade sowie die 10 bronzenen und 2 silbernen Trophäen die (Punkte)-Jäger und (Trophäen-)Sammler unter den Hobbypiloten garantiert deutlich länger fesseln. Die € 9.99 sowie die 903 MB sind somit sehr gut investiert.



Underwater Love: Die stimmungsvolle Grafik und die Dynamik der Luftblasen sind echte Hingucker.


Fazit

Sine Mora. Wird dieser Name also nachhallen, oder bereits nach kurzer Zeit verklingen? Meiner Meinung nach wird er Freunden des Genres noch viele Jahre lang ein Lächeln, sowie einen verträumt gen Himmel gerichteten Blick in ihre Gesichter zaubern. Der Grund hierfür ist schnell erklärt: Sine Mora bringt Innovationen in ein Genre, das seine grundsätzlichen Strukturen bereits vor vielen Jahren, während seiner Blütezeit, gefestigt und seitdem nur spärlich überarbeitet hat. Digital Reality und Grasshopper Manufacture erfinden das Rad dabei nicht neu, aber sie bringen einen sehr frischen Wind in das, auch auf der PS3 sträflich vernachlässigte, Genre. Außerdem möchte Sine Mora eine Geschichte erzählen und das tut das Spiel im Vergleich zu anderen Genrevertretern erstaunlich gut. Die Tiefe des Plots befindet sich dabei zwar größtenteils auf einem sehr berechenbaren Niveau, aber die Charaktere und deren Dimensionen sowie Motivationen bannen den Spieler von der ersten bis zur letzten Minute. Die Option, das Spiel auch im Arcarde Modus, also ohne Story, spielen zu können, gerät hier schnell in Vergessenheit. Jedem von euch, der dem angestaubten Genre etwas abgewinnen kann, lege ich die kostenlose Demo (PSN Store) wärmstens ans Herz.

~ Marc

Weiterführende Informationen
Genre: Sidescrolling Shooter (Wikipedia "Shoot 'em up") | Bullet-Hell Shooter (Wikipedia)
Mitwirkende: Digital Reality (Homepage) | Grasshopper Manufacture (Homepage) | Akira Yamaoka (Wikipedia)
Vorfahren: R-Type (Wikipedia) | Musha Aleste (Wikipedia) | Ikaruga (Wikipedia)| Triggerheart Exelica (Wikipedia eng.) | Fast Striker (Homepage)


Sine Mora
88.0%
gut
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Usk: USK 12
Pro
- innovative Spielmechanik
-phantasievolle und detaillierte Grafik
- gelungener Soundtrack
Contra
- Story teilweise voraussehbar
- kein Coop- oder Multiplayermodus
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