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Zurück zur Spiel-Seite Lollipop Chainsaw - Spieletest
Juliet Starling ist so etwas wie der fleischgewordene amerikanische Männertraum: 18 Jahre jung, blond, vollbusig und ganz schön gelenkig – immerhin ist die gute Cheerleader aus Leidenschaft. Allerdings hat Juliet noch ein kleines Geheimnis. Sie und ihre Familie sind Zombiejäger – und als eines Tages Juliets High School von Zombies überrannt wird, sind auf einmal ihre speziellen Talente im Umgang mit Kettensägen sehr gefragt. Ein blondes Cheerleader-Mädchen metzelt sich mit einer pinkfarbenen Kettensäge durch Horden von Zombies. Dabei fliegen nicht nur Köpfe, sondern auch Herzchen und Sternchen, die unter einem glänzenden Regenbogen aufgehen. Klingt völlig bescheuert? Ist es auch! Und das ist auch gut so, immerhin steckt hinter diesem Spiel Suda 51 alias Goichi Suda, das Enfant terrible der japanischen Spieldesigner-Zunft. Mit Titeln wie No More Heroes 1+2, Killer 7 und Shadows of the Damned bewiesen Suda 51 und sein Grasshopper-Team schon häufiger ihr Talent für unverwechselbare Actionspiele mit sehr speziellem Humor. Doch Lollipop Chainsaw könnte Goichis bislang wahnsinnigstes Werk sein. Habe ich schon Nick erwähnt? Nick ist Juliets Freund, doch nach einer Zombie-Attacke bleibt von ihm nicht viel mehr übrig als sein Kopf. Fortan schleppt ihn Juliet mit sich herum – und sieht man mal davon ab, dass Nick keinen Körper mehr hat, ist er eigentlich noch ganz guter Dinge. Er dient als gesprächiger Sidekick in dem sechs Episoden umfassenden Cheerleader-Splatter-Wahnsinn, der sich in den folgenden fünf Stunden entfalten wird. Fünf Stunden? Wirklich nur fünf Stunden? Genau. Lollipop Chainsaw ist ein verdammt kurzes Spiel, allerdings hochgradig unterhaltsam.



Das Gameplay ist ziemlich simpel gehalten und erinnert entfernt an No More Heroes. Juliet läuft durch streng lineare Level und metzelt regelmäßig Zombiegrüppchen nieder, um weiterzukommen. Mit ihren Cheerleader-Pompons kann sie Zombies schwindelig schlagen, um sie anschließend mit der Kettensäge aufzuschlitzen. Die Steuerung ist gut gelöst und nach ein paar investierten Upgrade-Münzen ist Juliet in der Lage, imposante Combos zu entfesseln. Füllt sich eine Leiste am unteren Bildschirmrand, kann sie kurzzeitig in eine Art Superrausch verfallen. Juliet blinkt dann in Regenbogenfarben – Super Mario's Superstern lässt grüßen – und kann Zombies mit nur einem einzigen Schlag köpfen. In brenzligen Situationen ist dies Gold wert. Und Gold kommt auch dabei raus: Denn wer Zombies mit Style abschlachtet, erhält viele Münzen, die sich in neue Moves, Juliets Fähigkeiten und zusätzliche sexy Outfits investieren lassen. Gelegentlich lockern Quick-Time-Events und sehr originell designte Bosskämpfe das etwas einfältige Zombiegemetzel auf. Das eigentliche Highlight des Spiels ist aber seine wahnwitzige Story, die verrückte Präsentation und der erstklassige Humor. Die Dialoge zwischen Juliet und Nick, ihrer Familie und deren Widersachern sind zum Brüllen komisch. Es gibt jede Menge großartige Anspielungen auf unsere moderne Pop-Kultur: Mit Facebook, Katy Perry, Amazon, Emo-Mitschülern und Auto-Tune. Das Spiel präsentiert sich dabei politisch völlig unkorrekt und witzelt komplett ungeniert über Selbstbefriedigung, ungewöhnliche sexuelle Vorlieben und Hühner-Popper.



Zudem strotzt Lollipop Chainsaw nur so vor abgedrehten Ideen. Im Spielhallen-Level gilt es regelmäßige Retro-Minigames, u.a. im Stil von Pac-Man, zu bestehen. Juliets Freund Nick – oder das, was von ihm übrig ist – dient nicht bloß als Mode-Accessoire, er lässt sich gelegentlich auch auf kopflose Zombiekörper setzen und dann in Breakdance-Manier (!) zu seinem Ziel lotsen, um etwa einen versperrten Zugang frei zu sprengen. Wenn Juliet schließlich zu den Klängen von unbeschwerten 80er Pop einen Mähdrescher fährt und hunderte Zombies zu Hackfleisch verarbeitet, möchte man dem Videospielgott dafür danken, dass es japanische Spieldesigner gibt, die noch völlig hemmungslos ihre kranken Ideen umsetzen dürfen. Witzige Minispiele und geschickt eingestreute Cutscenes sorgen zudem dafür, dass Lollipop Chainsaw niemals langweilig wird. Auch die Zombies selbst sorgen immer wieder für Lacher – durch lustige Kommentare in den unpassendsten Momenten. Natürlich ist das Ende zu früh erreicht, allerdings wagt man gerne einen zweiten oder dritten Durchgang – es gibt für jeden Level ein Rangsystem und damit Motivation, sich selbst zu verbessern. Zudem warten jede Menge freischaltbare Outfits und Musikstücke auf den Lollipop Chainsaw-Fan.



Okay, grafisch reißt Lollipop Chainsaw sicher keine Bäume aus. Von gelegentlichem Tearing in den Cutscenes und manchmal verspätet nachladenden Texturen abgesehen, präsentiert sich das Spiel immerhin technisch sauber. Juliet Starling sieht hinreißend aus, die Zombie-Statisten allerdings sind ebenso wie die Umgebungen nicht sonderlich detailreich gestaltet. Zudem gibt es ein wenig zu häufig relativ lange Ladezeiten. Ein absolutes Highlight stellt allerdings die musikalische Komponente des Spiels dar. Für den Soundtrack verantwortlich waren diesmal Akira Yamaoka (Silent Hill) und Jimmy Urine von der Elektro-Punk-Band Mindless Self Indulgence. Die Original-Kompositionen des Spiels sind eine Huldigung an die Rock'n'Roll - und Metalkultur und widmen sich auch Sub-Genres wie Death Metal oder gar Viking Metal. Dazu kommt eine ausgezeichnete Auswahl an lizenzierten Tracks aus verschiedensten Genres, u.a. mit Skrillex, Atari Teenage Riot, The Human League, Children of Bodom oder den Toy Dolls. Da ist garantiert für jeden Geschmack etwas dabei – von Elektro-Pop über Dubstep bis hin zu Punk-Rock.



Fazit:
Lollipop Chainsaw ist in seinem Herzen eigentlich nicht mehr als ein simpel gestrickter und extrem kurzer Zombie-Slasher, welcher jeglichen gesunden Menschenverstand schon im Intro über Bord wirft. Wer sich an diesen Tatsachen nicht stört, wird mit Juliet Starling ein wahnsinnig unterhaltsames Wochenende erleben. Lollipop Chainsaw ist sexy, respektlos, unheimlich witzig und steckt voller guter Ideen. Abwechslungsreiche Minispiele, ein hervorragender Soundtrack und fesselnde Bosskämpfe sind dabei noch lange nicht alle Vorzüge. Liebenswerte und herrlich-durchgeknallte Charaktere sowie eine sehr gekonnte Präsentation wissen vorzüglich zu unterhalten. Wer wissen will, wie die maximale Dosis virtuellen Wahnsinns aussieht, der muss Lollipop Chainsaw einfach gespielt haben. - Daniel Steinert
Lollipop Chainsaw
87.0%
gut
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Usk: USK 16
Pro
- Sehr unterhaltsam und witzig
- Völlig durchgeknallt
- Spaßiges Kampfsystem
- Toller Soundtrack
Contra
- Ein extrem kurzes Vergnügen
- Keine weiteren Spielmodi
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