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Zurück zur Spiel-Seite Worms Crazy Golf - Spieletest

Ende der 90er Jahre war die Worms-Serie an der Spitze ihres Erfolges. Der hervorragende zweite Teil kam in die Läden und weltweit schlugen sich Spieler die Superschafe um die Ohren. Leider folgte nach diesem Höhepunkt ein jäher Absturz. Entwickler Team17 versuchte alles, um die Würmer ins 21. Jahrhundert zu hieven und veröffentlichte mehrere 3D-Ableger, welche alle ein katastrophaler Reinfall waren. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger und im Zuge der Retrowelle brachte man 2009 den ersten Teil zurück und lieferte ein Jahr später mit Worms 2: Armageddon das nächste Spiel in messerscharfer HD-Optik. Allerdings scheint mit dem neusten Titel die Experimentierfreude wieder loszugehen. Dieses Mal haben die Würmer nämlich keine Waffen, sondern Golfschläger in der Hand.

Worms Crazy Golf klingt zunächst wie ein schlechter Scherz. Keine Waffen, keine Feinde. Wie soll denn das gehen? Umso überraschter ist man nach den ersten Runden, dass dieses ungewöhnliche Konzept tatsächlich aufgeht. Die zweidimensionalen, von Wasser umgebenen Inseln aus den bekannten Spielen bleiben bestehen. Hier sind sie jedoch wesentlich dichter bepflanzt und wurden dem Spielprinzip entsprechend angepasst. Anstelle zwei bewaffneter Teams gibt es hier nur den Wurm, seine Golfschläger und das Loch in welches der Ball hinein soll. Im Karrieremodus gibt es insgesamt drei Umgebungen mit jeweils 18 Löchern zu spielen. Angefangen wird in Britannia: Hier gibt es grasbedeckte Hügel, altertümliche Hütten und (ganz gewöhnliche) Schafe. Hat man den Kurs beendet geht es weiter in die Piratenhöhle, in der so mancher Goldschatz versteckt ist. Hat man auch dieses Hindernis überwunden, steht das Finale im gruseligen Friedhof an. Hier sind die Fledermäuse eure schlimmsten Feinde.


Selbstverständlich handelt es sich hier aber um keine trockene Golfsimulation. Neben den ungewöhnlichen Kursen, welche mit steigendem Fortschritt immer verworrener und schwieriger werden, gilt es auf allerlei Hindernisse acht zu geben. In Britannia sind dies zunächst harmlose Gärtnerwürmer, welche bei Ballkontakt aber im wahrsten Sinne des Wortes den Rasen sprengen. Dies katapultiert euren Golfball gleich ein paar Meter weiter. Dann bleibt jedoch nur zu hoffen, dass er keinem Schaf vor die Füße roll. Diese würden ihn nämlich bei der ersten Gelegenheit aufessen, sofern man sie zuvor nicht durch ein paar gezielte Treffer ausgeschalten hat. Später kommen dann noch weitere Gemeinheiten hinzu. Wie zum Beispiel die alte Dame, welche den Ball mit ihrer Handtasche wegschleudert. Oder der Maulwurf, welcher ihn einbuddelt und an einer anderen Stelle wieder auswirft. Allerdings gibt es auch hilfreiche Hindernisse wie Seilbahnen, Abschusskanonen oder Transporthütten, welche helfen große Distanzen zu überwinden.

Wer sich nicht auf zufällig in der Karte verteilten Hilfen verlassen möchte, der nutzt einige der Spezialfähigkeiten. Diese können unter anderem die Zeit verlangsamen, dem Ball in der Luft einen zusätzlichen Schub verleihen, oder den Schläger in ein explosives Geschoss umwandeln. Weitere Fähigkeiten werden im Laufe des Spieles freigeschalten und bringen womöglich den gewünschten Hole-in-One. Die Steuerung ist übrigens äußerst einfach und bereits nach wenigen Spielminuten erlernt. Der Wurm wird automatisch gesteuert, beziehungsweise teleportiert sich zum jeweiligen Abschlagpunkt. Dort angekommen muss einer von vier Schlägern (Holz, Eisen, Rough, Putter) gewählt und gezielt werden. Die Länge wird durch einen Kraftbalken bestimmt, ganz wie man es auch aus anderen Golfspielen kennt, nur simpler. Ein kleines Extra hebt Worms Crazy Golf jedoch von der Konkurrenz ab. Beim Aufprall kann man dem Ball mit dem Analogstick ein gewisses Maß an Effet verleihen und ihn somit beschleunigen, oder verlangsamen.


Hat man sich an den 54 Löchern sattgespielt stehen mit den Herausforderungen zusätzlich einige Geschicklichkeitstests parat. Hier gilt es unter Zeitlimit alle Hindernisse auf dem Kurs zu treffen, oder von verschiedenen Plätzen aus mit einem Schlag das Grün zu treffen. Auch Abweichungen mit einer Zielscheibe um das Grün und weitere Spiele gilt es in den 15 Herausforderungen zu meistern. Leider kommt Worms Crazy Golf ohne Online-Modus daher. Lediglich die Highscores können verglichen werden, zusammen kann man nur an einer Konsole spielen. Dies geschieht im Hot-Seat Modus. Bis zu vier Spieler teilen sich hier einen Controller und spielen nacheinander auf einem Kurs. Für die nötige Abwechslung dürfen die Würmer nach persönlicher Vorliebe verändert werden. Dazu gehören mehrere Hüte, andere Golfbälle sowie verbesserte Schläger. Diese können mit gesammelten Münzen erworben werden und sorgen beispielsweise für eine weitere Flugbahn oder bessere Kontrolle. Auch die Stimmen dürfen geändert wurden, sind aber bereits aus den anderen Spielen bekannt.

Deutlich besser als in den bisherigen Titeln ist hingegen die Grafik. Der Comicstil ist geblieben, jedoch wurde bei den Details so manche Schippe draufgelegt. Die Plätze sehen schlicht wundervoll aus, sind toll gezeichnet und bieten viele kleine Details. Bienen fliegen umher, Blätter wehen im Wind und auch die Hintergründe wirken sehr plastisch. In späteren Orten wie dem Friedhof ist alles in dunkleren Tönen gehalten, es gibt verdorrte Bäume, Grabsteine und Totenschädel. Auch die Musik passt sich dem jeweiligen Ort perfekt an. Besonders unterhaltsam ist sie in der Piratenhöhle und erinnert sofort an Spiele wie Monkey Island. Selbst die Menüs wurden mit viel Liebe gestaltet und versprühen feinsten Golfclub-Charme. Auch beim Umfang gibt es nichts zu beanstanden. Bis man alle Kurse beendet hat vergehen locker sechs bis acht Stunden. Perfektionisten können anschließend versuchen alle Münzen und Kisten zu sammeln, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Nimmt man dann noch den Mehrspieler-Modus dazu, steht einer langen Unterhaltung nichts im Wege.


Wer hätte gedacht, dass dieses Konzept aufgeht. Doch das tut es. Worms Crazy Golf ist ein äußerst unterhaltsamer Ableger der Reihe und bietet simplen Spielspaß, auch für alle denen Golf normalerweise völlig egal ist. Für den günstigen Preis von 7,99€ bekommt man ausreichend Spielzeit und dank der abwechslungsreichen Kurse kommt praktisch keine Langeweile auf. Selten vergehen die Stunden vor der Konsole so schnell, wenn man „nur noch einen Versuch“ starten möchte, um das vorherige Ergebnis nochmals zu übertreffen. Ein Online-Modus hätte das Ganze perfekt gemacht, doch zu viert an einem Fernseher kommt fast noch mehr Spaß auf. Kaufen!

Wertung: sehr gut

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