Als
wir noch jung waren und in der Blüte unseres Lebens standen, da hat sicherlich
jeder davon geträumt, einmal die Kräfte eines beliebigen Superhelden zu
besitzen. Einer der beliebtesten wird wohl
der im heutigen Test behandelte Spider-Man gewesen sein. Mittlerweile
sind wir nun in einem solchen Alter, indem wir wissen, dass wir nie an
Spinnenfäden durch Manhattans Häuserschluchten schweben werden. Wer dies nun
gern in digitaler Form erleben möchte, dem sei Spider-Mans neuestes Abenteuer
ans Herz gelegt. Dort kann man sich nämlich nach Herzenslust in New Yorks
bekanntestem Stadtteil austoben und die freundliche Spinne aus der
Nachbarschaft in all seinen Abenteuern unterstützen. Ob das Spiel auch wirklich
Spaß macht oder nur ein weiterer Lizenztitel minderer Qualität ist, das verrät
euch wie immer unser Test.
Fäden aus der Dose…
Natürlich
erscheint The Amazing Spider-Man nicht einfach mal so für eure heiß geliebte, schwarze Konsole. Grund für Peter
Parkers neuestes digitales Abenteuer ist der vor kurzem in den Kinos gestartete
Film, der sich ein wenig näher an den Original-Comicvorlagen orientiert als die
ersten drei Spider-Man-Filme. Dort wird Peter, im neudeutschen Sprachgebrauch
wohl eher als „Nerd“ bezeichnet, zwar immer noch von einer genmanipulierten
Spinne gebissen und entwickelt diverse Superkräfte, kann jedoch, im Gegensatz
zu Raimis Verfilmungen, keine Netze aus den Handgelenken schießen. Um dies zu
realisieren, muss sich Parker eines technologischen Gimmicks bedienen. Selbiges
findet er auch direkt bei Oscorp, der Firma wo er auch gebissen wurde.
Weiterhin spielt die ganze Geschichte noch bevor Peter an die Uni geht, was
auch seine Beziehung zu Gwen Stacy erklärt. Soviel zum Film. Wie gesagt, das
Spiel setzt nun fast nahtlos zu dessen Ende an und wir finden uns erneut im
Oscorp-Gebäude wieder, wo wir von unserer angetrauten Gwen eine Führung durch
die eigentlich nicht zugänglichen Bereiche erhalten. Wie es nun mal in solchen
Situationen so ist, werden wir natürlich prompt erwischt. Doch der nette Alistaire
Smythe, seines Zeichens der Nachfolger des vor kurzem zur Echse gewordenen und
inhaftierten Dr. Connors, bewahrt die beiden vor dem Rauswurf und setzt die
Führung fort. Nicht ganz ohne Schock stellen Gwen und Pete fest, dass man bei
Oscorp, trotz der schrecklichen Vorfälle, weiterhin an den Artenkreuzungen
arbeitet. Nach einer Szene mit dem Skorpion überschlagen sich plötzlich die
Ereignisse, alle möglichen gezüchteten Kreaturen kommen frei, Gwen wird
gebissen und somit von dem entwickelten Virus infiziert und Spidy kann nichts
weiter tun als sie zur Quarantäne zu bringen und dann zu verschwinden. Da Peter
von offizieller Seite keine Hilfe erwarten kann, immerhin ist er ja auch eine
sogenannte Artenkreuzung, entschließt er sich Dr. Connors aus dem Gefängnis zu
befreien und mit ihm ein Heilmittel zu finden und so New York vor der totalen
Infizierung zu beschützen.

In
dieser kurzen Einführung ist im Spiel auch das Tutorial eingebunden, welches
den Spieler mit den grundlegenden Eigenheiten der Steuerung vertraut macht.
Neben den üblichen Spielereien, wie zum Beispiel dem Erklimmen von Häuserwänden
oder dem obligatorischen Netzschwung durch die Straßen Manhattans, liegt der
Fokus bei The Amazing Spider-Man auf
der sogenannten Netz-Sprint Technik. Hier verfällt das Spiel per R1 Taste in
eine Zeitlupe, die Farbgebung ändert sich und man kann nun entweder ein Ziel
für einen Netzangriff oder eine geeignete Stelle zum Landen auswählen. Diese
Technik sollte auch exzessiv eingesetzt werden, da sie gerade bei den Kämpfen
für den entscheidenden Vorteil sorgen kann. In selbigen weiß sich unser
Spinnenmann zwar auch mit den Fäusten zu wehren, doch sind die Feinde in
Überzahl und auch noch mit Schusswaffen unterwegs, wird man, so man nur auf die
händische Klopperei setzt, schneller den Game-Over-Screen sehen als es einem
lieb ist. Unser Held teilt natürlich hübsche Combos aus und sein Spinnensinn
warnt ihn auch vor gegnerischen Angriffen, doch wenn um einen herum dann doch
mal 10 Bösewichte stehen, sollte man durchaus die Netzsprint-Technik einsetzten,
um sich zum Beispiel einer Mülltonne zu bedienen, die in der Nähe steht. Via L1
kann man zudem auch blitzschnell aus einem Kampf fliehen.
Das
ganze Repertoire der Steuerung ist allerdings sehr schnell verinnerlicht und
schon nach ein bis zwei Stunden Spielzeit bewegt man sich flüssig durch New
York und die verschiedenen „Dungeons“. Was den Spielfluss allerdings ein wenig
stört, ist zum einen die arg eigenwillige Kamera, die ständig manuell
nachjustiert werden muss und zum anderen die sehr direkte Steuerung wenn man zu
Fuß unterwegs ist. Da kann es mitunter schon mal passieren, dass unser
blau-roter Held beim Versuch sich langsam einer Kante auf einem Wolkenkratzer
zu nähern, einen Abgang in die Tiefen macht, weil die Steuerung meint jetzt
rennen zu müssen.

Langweilige
Gesetzeshüterei
Im
Grunde genommen ist The Amazing
Spider-Man ein Open World Spiel. Wenn ihr euch nicht gerade in einer der
vielen Missionen herumschlagt, so steht euch ganz Manhattan zur Erkundung zur
Verfügung. Und hier gibt es im Verlauf des Spiels auch immer mehr zu tun. Ganz
obligatorisch gilt es natürlich kleinere Verbrechen zu verhindern, in denen die
Bürger New Yorks von maskierten Bösewichten bedroht werden. Desweiteren wollen
nach Ausbruch der Infektion kranke Leute in das dafür vorgesehene
Quarantänelager gebracht werden. Die Autoverfolgungsjagden sind mehr als
belanglos. Meist hüpft man dabei mit Hilfe des Netz-Sprints von Polizeiwagen zu
Polizeiwagen bis das Verbrecherauto in Reichweite ist. Dort angekommen gilt es
via Netzschutz die Fahrerscheibe zu bearbeiten und das war’s. Nach dem Einbruch
in eine Psychiatrie wollen die dort entflohenen Verrückten natürlich auch
zurück gebracht werden. Und wer gern ein paar der alten Spider-Man-Comics
freischalten will, der kann sich daran machen, die 700! Seiten, welche in ganz
Manhattan verstreut zu finden sind, aufzuspüren. Wie man also sieht, Umfang ist
da (Und das war noch lang nicht alles), doch wirkt das alles meist nur sehr
aufgesetzt und kann nach wenigen Minuten kaum noch motivieren.

Die
Missionen, welche den roten Strang in der Story darstellen, finden zum größten
Teil innerhalb von Gebäuden statt. Dort gilt es dann meist eine der
verschiedenen Artenkreuzungen zu fangen oder unschädlich zu machen. Meist ist
es von Vorteil die Areale in Ruhe und langsam zu erkunden, da Spidy auch über
einen Tarnangriff verfügt, der es dem Spieler erlaubt, einen Raum voller Gegner
schnell und ohne großen Stress zu säubern. Gerade auf dem höchsten der drei
Schwierigkeitsgrade ist diese Art der Vorgehensweise von Vorteil, da die Gegner
dort doch schon sehr mächtig sind und die Gesundheit Spider-Mans schneller
abnimmt als ich Gewicht verliere. Ansonsten wird auch hier an Innovation gespart und die
Kapitel laufen meist nach Schema F ab. Eine willkommene Abwechslung bieten da
schon die Kämpfe gegen die oscorp’sche Technologie zur Auffindung von Artenkreuzungen.
Da Spidy ja zur selben Gattung gehört, wird er natürlich auch gern von dieser
Maschinerie angegriffen, welche vom Design her an japanische Mechs
erinnert.
Eine Frage der Technik
Widmen
wir noch der technischen Aufmachung von The
Amazing Spider-Man ein paar Zeilen. Grafisch kann der Titel vor allem bei der
Darstellung des Titelhelden überzeugen. Der schicke Anzug sieht zum Anfassen
echt aus und die schicken Lichteffekte, die sich darauf spiegeln, sind äußerst
hübsch anzusehen. Selbiges kann aber leider nicht von den restlichen NPC´s im
Spiel gesagt werden. Egal ob storytechnisch wichtige Personen, wie Gwen oder
die Fußgänger auf den Straßen des Big Apple, hier wurde wohl nur halb so viel
Liebe zum Detail aufgewendet. Wer mal die Muse verspüren sollte, einen kurzen
Spaziergang zu unternehmen, wird feststellen, dass einem auf 50 Metern gefühlte
25 Klone entgegen kommen. Schade. Auch mit Weitsicht kann der Titel leider
nicht glänzen. Zwar sieht die nähere Umgebung, auch gerade beim Schwingen durch
die Stadt ziemlich gut aus, doch wird dies durch ein extrem sichtbares und
unschönes Nachladen erkauft. Die Innenareale dagegen sind eher trist und
abwechslungsarm gehalten, was aber durch die Kürze der einzelnen Missionen
nicht ganz so arg ins Gewicht fällt. Schlimm dagegen sind die Streifen, die des
Öfteren durchs Bild laufen, gerade wenn man die Kamera schwenkt. Im akustischen
Bereich macht das Spiel einen soliden Eindruck. Neben guten deutschen
Synchronsprechern können Soundeffekte und Musik in guter Qualität überzeugen.

Fazit:
Fans des Films machen
mit The Amazing Spiderman sicherlich nichts falsch. Wer über das monotone
Design der Aufgaben hinwegsehen kann, der wird sicherlich eine Menge Freude an
dem Titel haben. Leider kratzen aber doch zu viele Mängel an Spidys schickem
Anzug, sodass das Spiel nicht in höhere Wertungsregionen vorzudringen vermag.