Medal of Honor:
Warfighter tritt wahrlich keine leichte Nachfolge an. Immer ein wenig im
Schatten des hauseigenen Battlefield
stehend und mit dem direkten Konkurrenten Call
of Duty im Nacken, versucht es nun das besser zu machen, was das erste Medal of Honor der Neuzeit im Jahre
2010 nicht so recht geschafft hat. Dabei wird die Geschichte in einem
Handlungsstrang erzählt, welcher sowohl Vergangenheit, als auch Gegenwart
beleuchtet und immer zwischen diesen beiden hin- und herspringt.
Unser Einsatz beginnt in Karachi, Pakistan, wo wir mithilfe
unseres KI-Kollegen „Mother“ eine illegale Waffenlieferung, einer im Nahen
Osten operierenden Terrorzelle, aufhalten sollen. Während wir heimlich durch
einen Hafen schleichen und nach und nach Gegner mithilfe unserer
Schallgedämpften Waffe erledigen, müssen wir feststellen, dass nicht alles so
recht nach Plan verläuft. Nachdem wir einen LKW mithilfe von C4 in die Luft
jagen, bricht in der Umgebung die Hölle aus. Nach klassischer „Krach-Wumm“
Manier stürzen Kräne ein, Containerschiffe fallen um, an jeder Ecke explodiert
irgendetwas und wir versuchen lebend aus dem Inferno zu entkommen. Im Laufe der
rund sechs stündigen Kampagne finden wir nun nach und nach heraus, was damals schief
gelaufen ist und jagen die Strippenzieher der Terrororganisation um die halbe
Welt. Egal ob Pakistan, die Philippinen, Sarajevo oder Dubai, es wird so manch ein
Ort und Krisenherd geboten. EA betonte im Vorfeld, dass das Kampfgeschehen und
die Geschichte stark von wahren Konflikten beeinflusst seien, wobei man für das
höchstmögliche Erreichen von Authentizität, Soldaten aus den verschiedensten
Spezialeinheiten in die Entwicklung mit einbezog. Nun, der „ultra realistische“
Shooter, den EA im Vorfeld mit großem „Traram“ angekündigt hat, ist Medal of Honor: Warfighter definitiv
nicht geworden. Wir stürmen manchmal als 2-Mann-Armee beziehungsweise
4-Mann-Armee durch die verschiedenen Areale und ballern mehr Terroristen über
den Haufen, als so manches Land Einwohner hat. Unsere freundlichen Kollegen
laufen währenddessen auch immer mit einem Koffer voller Munition herum, an
welchem wir uns ständig und ohne Pause bedienen können. Eine Pistole ohne
lästiges Munitionsproblem darf im gut gepflegten Waffenarsenal eines
Elitesoldaten ohne Zweifel auch nicht fehlen. Natürlich kann man nun sagen,
dass es den meisten Spielern sicherlich keinen Spaß bereiten würde, nach einem oder
zwei Schüssen zu sterben, aber in Punkto Realismus grenzt sich der Titel nicht
besonders von der Genre-Konkurrenz ab. Die Geschichte ist auch eine Sache für
sich. Sie soll den Mann hinter der Uniform zeigen, was ihr jedoch nur teilweise
gelingt. In wirklich aufwendig und schön animierten Zwischensequenzen lernen
wir „Preachers“ Tochter und seine Frau kennen. Von einer Ehe kann kaum noch die
Rede sein und die Beziehung steht kurz vor dem aus. Die Geschichte wird durch
die Zwischensequenzen zwar weiter erzählt und grenzen den Titel ein kleinen
wenig von der Konkurrenz ab, in welcher meistens der typische US-Patriotismus
stark in den Vordergrund tritt, jedoch bleiben die Autoren weit hinter ihren
Möglichkeiten zurück. Man möchte eigentlich mehr über den Beruf „Soldat“ und
die damit einhergehenden Familienprobleme erfahren, doch das Spiel driftet viel
zu schnell wieder in die typische „böser
Terrorist mit Bomben“ Schiene ab – schade.
Auch wenn Geschichte und Authentizität nicht die Erwartungen
erfüllen können, ist Medal of Honor:
Warfighter keinesfalls ein schlechtes Spiel. Das Gameplay ist für Shooter-Verhältnisse
abwechslungsreich, da es neben den typischen actiongeladenen Ballereien,
Schleichpassagen und Scharfschützeneinlagen, auch beispielsweise eine
Autoverfolgungsjagd gibt, in welcher ihr das Fahrzeug selber steuern könnt.
Dazu gesellen sich Operationen mit einem kleinen Roboter und der obligatorische
Kampf mit einem Helikopter. Manche Missionen wirken zwar etwas in die Länge
gezogen, sind jedoch meistens relativ unterhaltsam.
Betrachtet man die technische Seite des Titels, so gibt es
keinen Grund zur Klage. Das Herzstück ist natürlich die Frostbite-2-Engine, die
für eindrucksvolle Explosionen und stimmungsvolle Umgebungen sorgt. Das Spiel
flimmert weitestgehend ruckelfrei über den Fernseher, nur gelegentliches
Kantenflimmern und stellenweise matschige Texturen trüben den Gesamteindruck
etwas. Die Waffensounds klingen realistisch, die Explosionen dröhnen nur so aus
den Lautsprechern und auch die Musik ist in den meisten Situation der
Atmosphäre dienlich.
Neben der One-Man-Show könnt ihr euch natürlich in den
umfangreichen Multiplayer stürzen. Dieser ist durchaus gelungen und kann
aufgrund der unzähligen Freischaltungsmöglichkeiten so einige Stunden vor den
Bildschirm fesseln. So erwarten euch zunächst einmal fünf Spielmodi. Neben
Klassikern wie Team-Deathmatch oder Capture the Flag erwarten euch Gefechte, in
welchen ihr innerhalb eines Zeitlimits mehr Sektoren erobern müsst, als der
Gegner, oder auch als Angreifer eine Basis erobern bzw. als Verteidiger die
Basis beschützen müsst. Diese können auf insgesamt acht verschiedenen Karten
gespielt werden, die durchaus für Abwechslung sorgen. Bevor es ans Loszocken
geht, entscheidet ihr euch für eine der zu Hauf im Spiel vorhandenen
Spezialeinheiten, welche jeweils mit einer anderen Grundausrüstung starten. Nach
und nach schaltet ihr nun eine Spezialeinheit nach der anderen frei, die dann
jeweils nochmals in sechs Klassen, wie zum Beispiel dem Scharfschützen, Pionier
oder dem Späher unterteilt sind. Diese haben jeweils andere Waffenklassen zur
Auswahl und es ist beispielsweise möglich, mit einem deutschen KSK, eine
amerikanische Waffe zu tragen, nachdem ihr diese freigespielt habt. Jede Waffe
kann dann noch in Aussehen, Lauf, Mündung, Munition usw. verändert werden, so
dass ihr einige Zeit beschäftigt sein dürftet, bis ihr wirklich alles
freigeschaltet habt. Auch wenn der Multiplayer wirklich gelungen ist, so stören
aktuell immer wieder auftretende Bugs das Spielvergnügen. So manche wurden mit
dem Day-One Patch zwar entfernt, einige sind jedoch noch immer vorhanden.
Sobald diese entfernt sind, steht dem exzessiven Multiplayer-Vergnügen nichts
mehr im Wege.
Fazit:
Hat Medal of Honor:
Warfighter seinen Vorgänger nun übertrumpft? Definitiv! Kann es mit einem Call of Duty konkurrieren? Durchaus.
Solltet ihr das Spiel nur wegen der Kampagne kaufen? Auf keinen Fall. Dieses
Fazit würde ich jedoch bei den meisten aktuellen Shootern ziehen, die eine
ähnliche Richtung einschlagen, da mich weder eine Battlefield 3- noch eine Call
of Duty-Kampagne rücklinks vom Stuhl geworfen haben. Müsste ich nur den
Singleplayer bewerten, so bekäme der Titel eine Wertung im unteren bis
mittleren 70er Bereich, mit dem Mehrspielermodus knackt er jedoch die 80er
Marke. Wer den Singleplayer aber ohnehin eher als nette Dreingabe und als eine
Art Übung für das „wahre“ Gefecht versteht, der bekommt mit Medal of Honor: Warfighter einen tollen
Multiplayer-Shooter, der sich nicht zu verstecken braucht.
Medal of Honor: Warfighter
85.0%
gut
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Pro
- Toller Multiplayer…
- Schön gerenderte Zwischensequenzen
- Viel Freischaltbares
Contra
- …der aktuell jedoch noch Bugs aufweist
- Story teilweise verwirrend
- Zwischenzeitlich etwas eintönig