Ihr
liegt in einem Krankenwagen - die Farben verschwimmen, Ihr spürt
euren Körper nicht. Wie in Trance greift Ihr nach der dünnen
Stoffdecke und streift sie ab. Die Elektroden folgen. Das rhythmische
Piepen des Monitors wird zu einem durchgängigen Ton, die Ärztin an
eurer Seite beginnt unmittelbar mit der Reanimation. Doch das
Einzige, an das Ihr Euch erinnern könnt, ist ein nebliger Wald,
wirbelndes Laub und eine vorsichtige Erkundung des Fremden und
Unheimlichen.
Die
Stimmung, die Plastic mit
ihrem aktuellen Move-Adventure Datura
(benannt nach einer Blume, die selbst häufig im Spiel anzutreffen
ist) bereits nach wenigen Sekunden bei aufgeschlossenen Spielern
erzeugt, sucht ihresgleichen. Die düstere und ungleichmäßige
Melancholie ist somit die größte Stärke des Titels. Der Soundtrack
kann wuchtig und sanftmütig, ist immer stimmig und untermalt die
Einsamkeit, die der Titel versprüht, die neblige Leere im Wald,
obwohl an jeder Ecke kleine Interaktionen möglich sind.
Dabei
lässt sich Datura sowohl
mit dem DualShock spielen, als auch (und vor allem!) mit Move. Der
Fuchtelcontroller trumpft mit Präzision und einer glaubhaften
Implementierung auf, die Bäume, Statuen und Schalter wirken
plastisch und wenn die einzelnen Finger der digitalen Hand über die
herumliegenden Steine gleiten, dann meint man fast, man könnte sie
spüren. Ein verstecktes Feature ermöglicht es, einen zweiten
Motion-Controller zu aktivieren und diesen zu benutzen um die
Blickrichtung zu steuern. Das macht allerdings die sonst sehr
angenehme und flüssige Steuerung kaputt, da Laufen und Umschauen
über seperate Hände gesteuert werden müssen, was sich schrecklich
unnatürlich anfühlt. Solltet Ihr aber eine Möglichkeit finden, den
Motion-Controller an eurem Kopf zu befestigen, dann kommt grandioses
Feeling auf - wir übernehmen allerdings keine Kosten für eventuell
anfallende Arztgebühren!
Die
freie Erkundung des recht kleinen Waldstücks gestaltet sich ungemein
inspirierend. Datura
funktioniert träge und
braucht etwas Zeit, um sich zu entfaltet. Die Gameplay-Elemente
werden Euch subtil beigebracht und sorgen stets für Abwechslung und
auch wenn Euch ein im Grunde hübscher Titel ins Haus steht, solltet
Ihr keinen grafischen Meilenstein erwarten. Grobe Texturen und mäßig
gestaltete Figuren trüben die ansonsten überragende Atmosphäre ein
wenig.
Zudem
solltet Ihr auf die extrem kurze Spielzeit vorbereitet sein! Selbst
gründliche Erkunder sind nach knapp zwei Stunden durch - inklusive
aller Secrets und Trophäen. Für acht Euro kann man allerdings nicht
meckern, denn Datura
ist eher wie ein Spielfilm zu rezipieren und will kein komplexes
Rollenspiel sein.
FAZIT
Plastic
hatte mich von der ersten bis zur letzten Minute an der Angel -
obwohl im gesamten Spiel nicht ein einziges Wort gesprochen wird.
Datura
bietet nicht nur ein unglaublich melancholisches Spielerlebnis,
sondern auch jede Menge Raum für Interpretationen. Und auch wenn
andere eventuell das Ende als unbefriedigend empfinden mögen, fand
ich es gerade deshalb sehr interessant und spannend. Die acht Euro
sind nicht mal zwei Schachteln Zigaretten und geboten wird eine
atmosphärische Erfahrung in Spielfilmlänge - für mich kein Grund
zu Meckern!