Alle vier Jahre geben sich die besten Sportler der Welt bei den Olympischen Spielen die Klinke in die Hand. In mehr und weniger populären Sportarten duelliert sich die Crème de la Crème der Sportwelt, bis am Ende ein glücklicher Sieger feststeht. Und da es in diesem Jahr in London mal wieder so weit ist, was darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, das passend dazu erscheinende Videospiel. In den letzten Jahren hat sich SEGA der Sache angenommen, und dabei heraus kamen mitunter Spiele, die gar nicht mal so schlecht waren. Ob dies bei London 2012 auch zutrifft, das verrät euch natürlich wie immer unser Test.
Kaum ist die BluRay eingeworfen, wird dem geneigten Spieler schnell auffallen, dass SEGA nicht mit Sportarten für London 2012 gegeizt hat. Alles in allem sind es rund 45 Stück, wobei wir natürlich ein paar davon abziehen müssen, bei denen es sich lediglich um die männliche beziehungsweise weibliche Ausführung handelt. Dennoch sollte bei den gut 30 überbleibenden Sportarten für jeden Spieler etwas dabei sein. Angegangen werden kann das Spiel in verschiedenen Spielmodi. Als erstes sollten wir hier natürlich auf den olympischen Spielmodus eingehen. Selbiger kann in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden gestartet werden. Dabei unterscheidet sich neben der Härte der Wettbewerbe auch die Länge. Wogegen man auf Stufe „Leicht“ lediglich 12 Disziplinen zu bestreiten hat und das Spiel einem leichte Eingabefehler schnell verzeiht, so sollte man auf Stufe „Hart“ schon wesentlich mehr Zeit einplanen und außerdem auch ein recht fortgeschrittener Joystick-Akrobat sein. Nachdem ihr euch einen Schwierigkeitsgrad ausgewählt habt, sucht ihr euch noch eine der 36 vorhandenen Nationen aus, für die ihr starten möchtet. Und dann kann es auch schon fast losgehen. Wer noch ein wenig Feintuning betreiben möchte, der darf sich gern in dem mitgelieferten Mannschaftseditor austoben. Leider hat SEGA keinerlei Lizenzen für irgendwelche Originalsportler erworben, was sich in der Tatsache widerspiegelt, dass man es das ganze Spiel über mit fiktiven Athleten zu tun hat. Wer allerdings den Drang nach noch authentischeren Olympischen Spielen verspürt, der kann in dem Editor natürlich gern alle Sportler mit Originalnamen versehen. Auch am Aussehen der Sportler kann gern noch ein wenig gefeilt werden, wobei hier die Modifikationsvielfalt aber wirklich sehr beschränkt ist. Seid ihr dann gewillt euch endlich in den sportlichen Tumult zu stürzen, so wählt ihr pro Tag bei Olympia zwei Disziplinen aus, die ihr bestreiten möchtet. Für diese gilt es dann jeweils die Qualifikation zu überstehen und dann im Finale eine Medaille zu holen.

Wer sich nicht so an die Zufälligkeit der Sportarten des Olympiamodus binden möchte, der kann natürlich auch gleich sein eigenes Turnier erstellen. Hier seid ihr allerdings in der Anzahl der zu absolvierenden Wettbewerbe eingeschränkt und eine Qualifikation gibt es auch nicht. Wer London 2012 mit Freunden zusammen auf einer Feier spielen möchte, der bekommt von SEGA natürlich auch einiges spendiert. Neben einigen Sportarten, die ihr zusammen mit euren Kumpeln gegeneinander austragen dürft, könnt ihr auch die sogenannten Herausforderungen angehen. Dort wählt ihr wieder aus verschiedenen Disziplinen, nur geht es diesmal um eine Punktejagd. In drei Stufen eingeteilte Ziele gilt es hier via Teamwork zu erfüllen. Außerdem könnt ihr euch noch in den einzelnen Wettbewerben auf die ganz klassische Art miteinander Messen.
Doch nicht nur für Offlinegebliebene bietet London 2012 jede Menge Unterhaltung, auch das Onlineangebot kann sich durchaus sehen lassen. Auch hier wird zuallererst wieder die gewünschte Nation gewählt, weil eure gewonnenen Punkte und Medaillen in eine sogenannte Nationenwertung eingehen. An Spielmodi stehen euch schnelle und benutzerdefinierte Spiele, und Online-Turniere zur Verfügung. Beim schnellen Spiel werdet ihr einfach in ein bereits erstelltes Game eingebunden und müsst das „nehmen, was kommt“. Bei dem benutzerdefiniertem Spiel könnt ihr zumindest noch entscheiden, in welcher Sparte sich euer gewünschtes Spiel befinden soll. Die Turniere sind dann eine Aneinanderreihung von mehreren Disziplinen zu einem, wie der Name schon sagt, Turnier. Leider schaut man anfangs schon ein wenig verwirrt drein, da nicht sofort ersichtlich ist, wie genau denn nun das Matchmaking bei London 2012 im Onlinemodus funktioniert. Aber keine Angst, dieser Umstand behebt sich schnell und ihr könnt munter drauf losrennen, schwimmen, springen....was auch immer.

Gute Idee von SEGA, zu jeder der Disziplinen gibt es ein kleines Tutorial, welches ihr direkt vor dem Wettkampf spielen könnt. Ein Großteil der Sportarten verlangt euch kaum mehr ab als das heitere Tastengedresche und ein klein wenig Timing. Doch klingt das einfacher als es dann im Endeffekt ist. Denn bei manchen Sportarten ist die Erklärung des Tutorials so schwammig und ungenau, dass euch nur die Trial-And-Error-Methode bleibt, um ans Ziel zu kommen. Das ist natürlich sehr ärgerlich. Auf der höchsten Schwierigkeitsstufe verzeiht London 2012 selbst den kleinsten Fehler nicht mehr, sondern bestraft den Spieler meist sofort mit dem letzten Platz. Hinzu kommt eine ekelhafte KI. Diese fällt besonders negativ beim Beachvolleyball und Tischtennis auf. Bei ersterem ist sich euer Mitspieler mitunter einfach zu schade, selbst den einfachsten Ball anzunehmen, wohingegen man beim Tischtennis denken könnte, man spielt gegen eine Wand. Doch trotz dieser unschönen Gegebenheiten macht das Sammeln der Medaillen, gerade gegen menschliche Kontrahenten verdammt viel Spaß.
Technisch erkämpft sich London 2012 gerade so das Prädikat „solide“. Die Sportler sehen zwar ganz hübsch aus, doch sieht man durch die fehlende Vielfalt und die geringen, weiter oben schon angesprochenen, Modifikationsmöglichkeiten sehr oft Doppelgänger des eigenen Athleten. Auch animationstechnisch können die Sportler nicht wirklich überzeugen. Zwar sind die Bewegungen recht flüssig animiert, doch kann man die restlichen Animationen an einer Hand abzählen, so dass man hier sehr schnell und sehr oft dieselben Bilder zu Gesicht bekommt. Zumindest die Stadien und diversen Austragungsorte sind den originalen sehr gut nachempfunden und haben auch die richtigen Namen spendiert bekommen. Die Zuschauer johlen und jubeln zwar ordentlich mit, könnten aber trotzdem noch ein wenig ausgelassener sein. Mit einem Trick wirkt SEGA der harschen Kritik gegenüber eines semi-professionell aussehenden Publikums entgegen, denn man sieht es kaum. Das was man von der schreienden Masse zu Gesicht bekommt, kann man als in Ordnung durchgehen lassen, denn zumindest bleiben einem die aus anderen Spielen bekannten Pappfiguren mit drei Animationsstufen erspart.

Beim Sound bleibt leider auch die Offenbarung aus. Die Titelmelodie ist zwar ganz nett, wird aber so inflationär eingesetzt, dass sie schnell zu nerven beginnt. Die beiden Kommentatoren wissen zu Beginn des Spiels noch zu überzeugen, doch spätestens bei einem längeren Ballwechsel beim Volleyball greift man doch sehr schnell zur Stummtaste der Fernbedienung. Die aufgenommenen Sprachsamples der beiden bewegen sich nämlich im niedrigsten zweistelligen Bereich. Bleibt noch zu erwähnen, dass es möglich ist, mit dem Playstation Move Controller London 2012 zu spielen, aber nur in einem einzigen Spielmodus und dort hält sich die Ausprägung der Steuerung auch wirklich arg in Grenzen. Mehr als ein weiteres Mal verschenktes Potential für diese Peripherie ist es damit nicht geworden.
Fazit:
Schade, dass den eigentlich soliden Gesamteindruck dann doch so viele kleinere Macken beschmutzen. Würde SEGA mal hier und da ein wenig mehr Liebe zum Detail zeigen und nicht immer solche halbgaren Produkte auf den gewillten Spieler loslassen, könnte durchaus der ein oder andere Hit dabei herumkommen. So bleibt London 2012 eben nur ein Mittelklassespiel mit einigen Vorzügen und vielen negativen Punkten. Schade.