Seit 1932 begeistert das
dänische Unternehmen LEGO
Groß und Klein mit bunten Bausteinen, einfachen Steckmechanismen und
komplexen Bausets. Kaum ein Kind kommt um die Klötzchen herum - und
so mancher nimmt das kreative Hobby mit ins Alter. Da war es nur eine
Frage der Zeit, bis man anfing, sich auf anderen Ebenen auszubreiten.
So produziert LEGO
bereits seit Ende der 90er Jahre Videospiele unterschiedlichster Art.
Star Wars,
Harry Potter
und Batman
sind dabei nur wenige Beispiele aus dem breiten Portfolio an
verarbeiteten IPs (1).
Der
neuste Zuwachs entstammt der Feder von J.R.R. Tolkien, denn LEGO
wagt sich an nichts Geringeres als Der
Herr der Ringe.
Wie grandios solche übermütigen Versoftungen schiefgehen können,
haben schon mehrere Studios unter Beweis gestellt, deren Titel
letztlich zwischen den scharfen Zähnen der treuen Fans zerissen
wurden. Häufig auch, weil man versuchte unter dem zugkräftigen
Namen des Franchises zu segeln ohne wirklich originäre Ideen
einzubringen. Die gute Nachricht vorweg: Mit dem neusten LEGO-Titel
dürfte das nicht passieren.
Bereits
bei den ersten Kamerafahrten, bei den ersten Dialogzeilen und den
imposanten Klängen des fantastischen, originalen Soundtracks wird
klar, wohin die Reise geht. LEGO
macht eine ganz tiefe Verbeugung vor den Peter Jackson-Filmen und
inszeniert diese Hommage in den Zwischensequenzen sehr glaubwürdig.
Dennoch hält man sich nie zu sklavisch an die Vorgabe. Die
bisherigen Titel waren immer berühmt und berüchtigt für ihren
Slapstick-Humor und dieser findet sich auch in LEGO
Der Herr der Ringe
- und er wirkt zu keinerzeit gezwungen oder deplaziert. Es ist
wirklich verwunderlich, welches Eigenleben doch die eigentlich sehr
speziellen, ja, fast albernen LEGO-Figuren
im Verlauf des Spiels erleben.
Und
wenn man schon von Verlauf spricht, dann soll auch nicht unerwähnt
bleiben, dass Mittelerde sehr glaubwürdig und wunderschön umgesetzt
wurde. Die einzelnen Level sind allesamt geknüpft an eine, für
LEGO-Verhältnisse
unglaublich riesige, offene Welt, in der etliche Nebenaufgaben auf
euch warten. Zwischen den grausigen Begegnungen mit den Nazgul und
den erbitterten Kämpfen durch Moria lockt die oppulente Spielwelt zu
Erkundungstouren. Das Inventar, die über 50 freischaltbaren
Charaktere und die verbesserbare Ausrüstung verstärken den
Eindruck, dass man sich in einem waschechten Action-Rollenspiel
befindet.
Die
Entwicklung der LEGO-Titel
in Richtung eines erwachseneren Publikums setzt sich also
hinsichtlich der liebevollen Umsetzung der Film- und Buchvorlage
fort, angereichert durch eine beeindruckend große Spielwelt. Dafür
bleibt das eigentlich Gameplay klassisch und grundsolide. Sowohl die
normalen als auch die Bosskämpfe sind extrem leicht - hier wäre
zumindest ein optionaler, höherer Schwierigkeitsgrad wünschenswert
gewesen um erfahrenere Spieler etwas mehr zu fordern. Selbiges gilt
für die seichten Rätsel- und Adventure-Einlagen. Leider trüben
darüber hinaus einige Kleinigkeiten das Gesamtbild. So reagiert die
Kamera insbesondere bei den freien Erkundungen viel zu träge - eine
Empfindlichkeitsregelung gibt es leider nicht. Zudem erweist sich die
Übersichtskarte als größter Feind des Spielers. Hinsichtlich der
groben Orientierung erfüllt sie noch ihren Zweck, aber platzierte
Zielmarkierungen lösen sich häufig wieder in Luft auf und bloß
weil euch Aufgaben angezeigt werden, bedeutet das noch lange nicht,
dass ihr sie auch bewältigen könnt. Die zahlreichen Charaktere, die
ihr mühelos durchwechseln könnt, verfügen nämlich über ganz
spezifische Eigenschaften, die für die Bewältigung diverser
Nebenmissionen unerlässlich sind.
Ganz
fantastisch gelungen ist dagegen wieder der Multiplayer. Der
dynamische Splitscreen ist keine Neuerung für LEGO-Titel,
aber er funktioniert nach wie vor ganz fantastisch, auch wenn hier
und da ob der wuseligen Geschehens die Übersicht flöten geht.
Besonders cool fanden wir Szenen, in denen die beiden SpielerInnen
komplett unterschiedlich agieren mussten. So liefert sich Spieler 1
als Gandalf mit Saruman einen erbitterten Bosskampf während sich
Spieler 2 als Frodo vor einem Ringgeist versteckt.
FAZIT
Ich
weiß nicht genau, ob meine Erwartungen zu Beginn des Tests einfach
extrem niedrig waren, aber das Spiel hat mich wirklich begeistert.
Die Mischung aus der fesselnden Welt, den interessanten Figuren und
der spannenden Geschichte von Der Herr der Ringe mit dem eingängigen
Gameplay und dem grandiosen Slapstick-Humor von LEGO funktioniert
ganz hervorragend! Der Soundtrack ist ohnehin episch und auch
grafisch gibt es kaum was zu meckern. Klar, das Gameplay könnte noch
etwas flotter von der Hand gehen und die Ladezeiten fallen etwas zu
lang aus. Insgesamt erwartet euch hier aber ein umfangreicher, wenn
auch extrem leichter Top-Titel, der gerade deshalb interessant ist,
weil er dem jüngeren Klientel ein gleichermaßen simples wie auch
spannendes Spiel bietet und ältere SpielerInnen mit der liebevollen
Inszenierung und dem grandiosen Humor fasziniert.
-
Stefan Simond
1. IP steht für „Intellectual
Property“ (zu Deutsch: Geistiges Eigentum) und bezeichnet
immaterielle Besitztümer - z.B. eine Marke, eine Geschichte oder
Musik.
Beachtet außerdem, dass sich der
Test hier ausschließlich auf die PS3-Version des Spiels bezieht und
so nicht auf den PS Vita-Ableger übertragbar ist.