Es war gerade 1993, da
räumte ein Shooter von id Software
ordentlich auf, setzte neue Maßstäbe in technisch-grafischer
Hinsicht und beeinflusste das Ego-Shooter-Genre nachhaltig. Doom
war die konsequente Weiterentwicklung aus Wolfenstein
3D.
Auf der Basis des breiten Erfolgs baute das texanische Studio auf,
veröffentlichte das nicht weniger erfolgreiche Quake
und in den folgenden Jahren noch einige Fortsetzungen. In Deutschland
wurden alle diese Spieleindiziert,
abgesehen von Doom
3,
das 2004 für den PC und 2005 für die Xbox erschien. PlayStation
3-BesitzerInnen haben jetzt aber dennoch die Möglichkeit, die
Klassiker der Doom-Reihe
nachzuholen - dank der BFG
Edition!
!
Zwischen düsterer Atmosphäre, präzisen Schockern, aber vor allem
auch aufdringlichem Terror bewegt ihr euch als namenloser Marine
durch die UAC-Station auf dem Mars. Die aktuellen Forschungen, deren
Resultate nicht nur fortschrittliche Teleportationstechniken sind,
sondern auch der Fund einer uralten Zivilisation, haben einen
unangenehmen Nebeneffekt: Der durchtriebene Dr. Betruger - wer hätte
bei diesem Namen an einen Bösewicht gedacht!? - hat mal eben die
Höllendämonen auf die Forschungsstation losgelassen, die ein
heilloses Gemetzel anrichten.
Mit stumpfer Waffengewalt begegnet ihr den zahlreichen Zombies,
Höllendämonen und Zwischenbossen. Das Arsenal ist vielfältig,
reicht von der klassischen Schrotflinte bis zur Plasmawaffe,
Kettensäge und natürlich der namensgebenden Big Fucking Gun. Dass
die KI von 2004 stammt, merkt man den Kollegen dabei immer wieder an;
die Angriffsmuster sind simpel und schnell durchschaut.
Munitionsknappheit ist hier ohnehin ein Fremdwort, weshalb offensives
Vorgehen kein Problem darstellt.
Atmosphärisch
trumpft der finstere Mars-Außenposten aber nach wie vor auf. Die
Lichtstimmung ist brillant, die Soundkullise bedrohlich und die
herumliegenden PDAs, die etwas mehr über die Hintergrundgeschichte
preisgeben, intensivieren den Eindruck. Natürlich leidet Doom
3
aber auch unter den gleichen Punkten, die damals schon kritisiert
wurden: Die Schockeffekte sind mitunter sehr vorhersehbar und
aufdringlich, einige bleihaltige Auseinandersetzungen einfach zu
stumpf und das Finale lässt selbst mit den beiden Erweiterungen
jeglichen Biss vermissen.
Bis
hierhin ist das eigentlich aber alles alter Käse. Was ist denn nun
mit der BFG
Edition,
mit der überarbeiteten Fassung? - Einige Dinge wurden sinnvoll
überarbeitet, andere belassen und sogar manches verschlimmbessert.
Die Taschenlampe gehört glücklicherweise zu ersterer Kategorie. Im
Original musste zwischen Waffe und Taschenlampe gewechselt werden -
ein fantastischer Kniff, da man entweder die Übersicht hatte oder
die Feuerkraft im Anschlag. Im Remake lässt sich die Taschenlampe
etwas komfortabler über die L1-Taste aktivieren und auch
gleichzeitig mit einer Waffe verwenden, verfügt aber nur über eine
geringe Akku-Leistung. Etwa 40 Sekunden hält sie durch und muss sich
danach erst wieder kurz aufladen - etwas unlogisch, bedenkt man, dass
ihr mit Plasmawaffen und Teleportation arbeitet, aber gut. Ihr seid
also nach wie vor angehalten, sparsam mit ihr umzugehen, denn ihr
wollt nicht, dass euch gerade dann die Lampe versagt, wenn ihr von
fünf blutrünstigen Höllenkreaturen umgeben seid.
Die
deutsche Synchronisation ist ebenfalls neu und sogar ziemlich
gelungen. Sei's das leise Flüstern in den dunklen Gängen oder die
ausführlichen Audio-Logs, die ihr findet - glaubhaft und überzeugend
sind sie allesamt. Schade ist es trotzdem, dass Bethesda sich entschlossen hat, die originale Synchro nicht mitzuliefern.
Was
offensichtlich nicht überarbeitet wurde, sind die Texturqualität
und die Animationen der Charaktere. Grau-brauner Matsch erinnert
immer wieder daran, dass Doom
3
kein aktueller Titel ist. Man kann hier aber durchaus ein Auge
zudrücken, denn erstens ist das Spiel wirklich alt und zweitens
machen die Lichteffekte vieles wieder wett. Dennoch wäre zumindest
eine oberflächliche Politur wünschenswert gewesen.
Ebenfalls nicht verbessert wurden die Speicher- und Ladezeiten. Wer
einen neuen Levelabschnitt betritt oder stirbt und neu Laden muss,
wird in einen unendlich langen Ladescreen gezwängt, der die
ansonsten fantastische Atmosphäre immer wieder unangenehm aufbricht
(siehe unser Test-Video). Auch ist freies und manuelles Speichern
zwar möglich, doch der Vorgang selbst dauert relativ lange und
unterbricht das Spielgeschehen komplett. Uncool, bedenkt man, dass
heutzutage ein Auto-Save im Hintergrund zum absoluten Standard
gehört.
Es
gibt aber auch eine Verschlimmbesserung, die für viele ZockerInnen
ein rotes Tuch sein dürfte. Zwar wurde das Original auch damals
nicht indiziert, doch scheinbar wollten Bethesda
und
id Software auf Nummer sicher gehen und ließen sich zu einigen Schnitten und
Entschärfungen hinreißen, die allerdings als bewusste
Designentscheidung begründet wurden. Etwas verwundern dürfte Kenner
des Originals, dass die niedergestreckten Kontrahenten sich umgehend
in Luft auflösen. Der Grad an Gore wurde insgesamt etwas
zurückgeschraubt. Ein brutales Spiel bleibt es natürlich trotzdem
und spätestens wenn ihr mit einer ratternden Kettensäge durch ein
paar Zombies pflügt, gibt es ordentlich Gehacktes, aber es ist und
bleibt doch irgendwie ein Kompromiss, der den/die ein oder andere
abschrecken dürfte.
Doch
die BFG Edition
ist nicht nur ein Remake sondern eine regelrechte Collection. Das
Add-On Auferstehung
des Bösen
fügt den etwa zwölf Spielstunden nochmals fünf hinzu und erschöpft
sich nicht etwa in more of the same, sondern punktet mit einigen
völlig neuen Mechaniken. So erlaubt es der Grabber, Geschosse
aufzufangen und zurückzuschleudern und an sonst unerreichbare
Gegenstände zu kommen, ein neues Artefakt lässt euch die Zeit
anhalten und auch neue Gegnertypen finden ihren Weg ins Spiel. Die
Geschichte setzt zwei Jahre nach Doom
3
ein und führt die Handlung noch etwas weiter. Seltsamerweise hatte
dieses Add-On mit ein paar Performance-Problemen zu kämpfen, denn wo
es in Doom 3
nur selten kurze Hänger gab, bricht hier häufiger mal die
Frame-Rate ein. Seltsam!
Die
Lost Mission
wurde ihrerzeit aus dem originalen Doom
3
entfernt und wird jetzt mitgeliefert. Abgesehen von einer relativ
ausführlichen Zusammenfassung der teils wirren Story und nochmals
gut zwei Stunden intensiver Action bietet die verlorene Mission aber
kaum einen echten Mehrwert. Das Leveldesign wurde sehr stark
recycled, was konkret bedeutet, dass euch einige Areale sehr bekannt
vorkommen werden und leider bleibt auch hier ein erwähnenswertes
Ende aus.
Weiterhin verfügt Doom 3 selbstverständlich auch auf der PS3
über einen Multiplayer-Modus. Hier geht's extrem schnell und
actionreich zur Sache: Waffen und Upgrades werden im Vorübergehen
aufgesammelt, die Maps sind klein und verwinkelt, Level oder
freischaltbaren Kram gibt es nicht. Auch hier gibt sich der Klassiker
betont kurzweilig, wagt keine Experimente und bietet daher ein Stück
unveränderte Videospiel-Geschichte.
Und wenn euch all das nicht genügt und ihr gern noch etwas tiefer in
die Geschichte von Doom eintauchen wollt, dann könnt ihr euch
an den beiden Vorgängern ergötzen. Diese sind allerdings nicht
überarbeitet (abgesehen von einem Geheim-Level in Doom 2, das
an Wolfenstein 3D angelehnt war, Hakenkreuze und jede Menge
Nazis enthielt), was in dem Fall aber ein Pluspunkt ist.
Unübersichtliche Pixelräume, 2D-Sprites und das Fehlen der
vertikalen Achse gehören ebenso dazu wie der unfassbar spaßige
Multiplayer-Modus. In beiden Spielen könnt ihr, ganz wie in alten
Zeiten, gemeinsam online oder via Splitscreen losziehen, den Monstern
das fürchten zu lehren oder euch im kompetitiven Modus gegenseitig
über den Haufen schießen. Auch nach knapp 20 Jahren macht das
unglaublich Laune!
FAZIT
Die
BFG Edition macht mir das Leben buchstäblich zur Hölle. Ich mag
alle drei Teile unheimlich gern und gerade mit Doom 3 hatte ich samt
Add-Ons eine Menge Spaß. Der Umfang ist absolut satt, die Atmosphäre
beklemmend und das stumpfe Gameplay irgendwie unterhaltsam. Aber ich
muss auch die technische Komponente berücksichtigen und es handelt
sich hier nunmal um eine HD-Collection, die leider etwas den Zahn der
Zeit verfehlt. Die Speicher- und Ladezeiten sind fast gruseliger als
das ganze Spiel! Doch trotz allem bleibt die Doom 3 - BFG-Edition ein
Titel, der in das Regal jedes Freundes gepflegter Grusel-Action
gehört, denn die Reihe hat zu ihrer Zeit Meilensteine im
Shooter-Genre gesetzt und ist aktuell für faire 35 Euro zu haben.
-
Stefan Simond
DOOM 3 BFG Edition
77.0%
befriedigend
Story:
Grafik:
Sound:
Steuerung:
Spieler: 1
Usk: USK 18
Pro
- ein absoluter Klassiker auf der PS3!
- Doom 1 & 2 enthalten
- satter Umfang
- kurzweiliger Multiplayer
Contra
- weltweit geschnitten
- schwache Story
- furchtbar lange Ladezeiten