Conflict Denied Ops
Mit dem neuesten Teil der beliebten Shooter-Serie bringt Pivotal Games ganz viel Konfliktpotenzial mit: Denied Ops; so der Untertitel des mittlerweile fünften Conflict-Ablegers bringt zwei ganz neue Charaktere ins Spiel. Die Namen entfallen schnell wieder und das Gleiche hoffen wir vom Entwickler auch, der uns hier einen der bislang schwächsten Current-Gen-Titel andrehen will. Andrehen ist übrigens eine gute Beschreibung, denn der trashige Fernsehspot zu diesem Machwerk läuft nicht selten in der Flimmerkiste. Mit mächtig Krawumms und einem unschlagbar coolen Duo werden die Augen verwöhnt. Das Interesse ist geweckt, das Spiel gekauft. Aber das Ergebnis sieht dann natürlich wieder mal ganz anders aus. Auf die Werbung kann man sich also immer noch nicht verlassen!
Mein Bruder
Aber erstmal ganz langsam: Wie konnte es nur soweit kommen? Diese Multiplattform-Reihe war bislang mit ihren 4 veröffentlichten Spielen recht solide, zuletzt sogar mit einem enormen technischen Sprung nach vorne gelangt.
Im Jahre 2002 erschien mit Conflict: Desert Storm der erste Teil und ab dann in fast jährlichen Abständen das noch bessere Desert Storm 2, der bockschwere Vietnam-Ableger und schließlich der bisherige Höhepunkt Conflict: Global Storm. Während sich die 4-Mann-Armee in den ersten beiden Abenteuern noch durch karge Wüstenlandschaften mit ein paar Häuserkämpfen bewegte und der Vietnam-Ableger natürlich im tiefstem Dschungel seine Location fand, zeigte sich die Terroristenjagd rund um den Globus im Endeffekt als die klar spannendste sowie abwechslungsreichste Lösung. Großer Absatz konnte nicht
erzielt werden. Dafür waren diese Spiele einfach zu anspruchslos und durch Steuerungsmacken gegenüber der übermächtigen Konkurrenz immer wieder negativ aufgefallen. Trotzdem griffen Einsteiger wegen des guten Kooperativ-Zusammenspiels immer wieder gerne zu den Budgetversionen, die in der Regel nicht lange auf sich warten ließen. Jetzt kommt im Februar 2008 nach einer längeren Entwicklung also Denied Ops daher und behebt erstmal die Steuerungsmacken durch einen Rückschritt: zwei anstatt vier Spieler greifen von nun an in das Kampfgeschehen ein. Einer von ihnen ist der mürrische Scharfschütze Lincoln Graves. Sein Partner heißt Reggie Lang, das nervende Klischee-Element des Spiels. Eine dunkelhäutige Quasselstrippe, die mal eben einen dummen Spruch nach dem anderen vom Stapel lässt. So gut wie jede Person wird von ihm mit einem lässigen 'Mein Bruder' angequatscht. Auch der darüber hinaus gehende Wortschatz könnte genauso gut von einem bezahlten 16-jährigen Gast der Jerry-Springer-Show stammen. Die unmotivierte Sprachausgabe lässt dann auch keinen Terroristen der Welt mehr kalt, die mal wieder allesamt aus dem Reagenzglas eines Professors für besonders schlechte Klonversuche stammen müssen.
In 5 Stunden um die
Welt
Zwar nicht ganz 5 Stunden aber
mit immerhin 296 Minuten und 54 Sekunden stellt der Titel sogar noch Genre-Primus Call of Duty 4 in den Schatten. In den 10 Missionen auf 3 Kontinenten - wobei sich die ersten davon sogar in beliebiger Reihenfolge spielen lassen, gilt es einen gefährlichen Diktator von seinen finsteren Atomwaffenplänen abzuhalten. Die beiden 2 Geheimagenten der so genannten Special Activities Division (SAD) gehören zur CIA. Man braucht wohl nicht zu erwähnen, dass es diese Organisation offiziell überhaupt nicht gibt und die Weltöffentlichkeit so wenig wie nur möglich mitbekommen soll. Die Einsatzgebiete sind im Grunde genommen alle sehr abwechslungsreich in ihrem Setting. Den ersten Level werden viele Spieler sicherlich noch aus der Demoversion kennen, die vor kurzem schon mal die Qualität des Endprodukts andeuten konnte. Dieser Abschnitt stellt auch ohne Frage die schwächste Mission im gesamten Spielverlauf dar. Da auch der kurze Ausflug in die Schneelandschaft inklusive kurzer Hovercraft-Fahrt langweilt, weiß erst der Häuserkampf in einer der nächsten Mission zu gefallen. Ab da geht es in kleinen Schritten wieder Richtung solides Leveldesign, welches seinen Höhepunkt in der ordentlichen Endmission sowie einem vorherigen Schiff-Level auf hoher See zeigt. In diesem gibt es sogar mal eine Schleichpassage im ansonsten klar Action-orientierten Spielablauf ohne wirklich
nennenswerte Highlights. Es geht eigentlich immer wieder nur darum, alle Gegner auf dem Weg zum Ziel auszuschalten, hier und da mal einen Schalter zu drücken oder im besten Fall Hubschrauber vom Himmel zu holen. An einem bestimmten Zeitpunkt ist der Spieltester dann an einem Punkt angelangt, wo er sich nur noch nach dem Verhältnis der Explosivfässer pro Quadratkilometer fragt. Natürlich findet man diese in so gut wie jedem Shooter. Aber nicht in einem so absurd übertriebenen Maße. Unangenehm auffallend ist auch das Verhalten der Fässer bei Beschuss. Diese steigen nämlich zuerst meterweit in die Luft, schwirren ein wenig umher, um dann nach ca. 1-2 Sekunden auf dem Boden wieder aufzuschlagen und ein flammendes Inferno zu hinterlassen. Da hat die Spielphysik wohl einen ziemlich absurden Fehler hinterlassen. Ansonsten ist sie in anderen Situationen gar nicht von schlechten Eltern: Kisten, Holzbretter und ganze Gebäudeteile lassen sich durch die Kämpfe zerstören. Das beschert dem Spiel zumindest einen kleinen
Atmosphäre-Bonus. Das bedrückende Schlachtfeldgefühl kommt nur beim Finale und
während der Häuserkämpfe auf. Grafisch hat das Spiel große Probleme. Selbst mit den alten Kamellen der PS2-Generation kann es kaum mithalten: grobe Texturen, Ruckelorgien en masse, permanentes Kantenflimmern, eintönige Levelabschnitte, abgehackte Animationen, misslungener Einsatz von Shadern. All diese Punkte lassen Conflict: Denied Ops in keinem guten Licht stehen. Viel schlimmer ist
allerdings nur noch, dass es wieder mal ein Entwickler geschafft hat, einen
Multiplattformtitel überall ordentlich zu präsentieren. Nur eben auf der Playstation 3 nicht.
Nimm 2

Genug gemosert: Das
Schlimmste ist überstanden. Jetzt kommt (fast) nur noch Gutes. Die Entschlackung von vier auf zwei Spieler ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Der Wechsel der beiden verschiedenen Spielcharaktere geht durch einen simplen Tastendruck angenehm locker und frei von der Hand. Je nach Situation empfiehlt es sich, mit dem Scharfschützengewehr die verschanzten Gegner aufs Korn zu nehmen. Alternativ kann das Scharfschützengewehr in eine Nahkampfwaffe umfunktioniert werden. In engen Levelabschnitten wie Korridoren empfiehlt sich unser Sprücheklopfer vom Dienst, der sich mit Dauerfeuer durch die Gegnerscharen mäht. Wo die künstliche Intelligenz der Gegner versagt, da überrascht die Intelligenz des Team-Mitglieds durch absolute Hörigkeit und vorbildliche Hilfsbereitschaft. Zumindest dann, wenn wir schwer getroffen am Boden liegend die rettende Adrenalinspritze in Empfang nehmen. Die Kollegen Kane & Lynch lassen grüßen! Im kooperativen Mehrspielermodus klappt das alles sogar noch eine Spur besser. Alleine durch diesen bezieht der Titel auch seine Daseinsberechtigung und rettet ihn vor dem völligen Absturz in noch nie da gewesene Wertungsniederungen. Dazu gibt es noch Deathmatch, Team-Deathmatch und Eroberung. Ein Beispiel sollte sich die Konkurrenz vielleicht aber an der Speicherfunktion nehmen: Jederzeit kann ein Savegame angelegt werden und jederzeit kann an der
gespeicherten Stelle wieder losgelegt werden. Zusätzlich werden noch fair
gesetzte Checkpoints geboten.
Mit Conflict: Denied Ops versuchen die
ambitionierten Entwickler von Pivotal Games viel Neues. Das Resultat ist eine Anpassung an den Massenmarkt
und ein Scheitern in fast allen Disziplinen. Angefangen bei der technischen
Katastrophe über die verdammt kurze Spielzeit und langweiligen Spielablauf. Sowohl Anhänger der Serie als auch Fans des Genres sollten sich einen Kauf wirklich gut überlegen und lieber zu Call of Duty 4 greifen. Das ist länger und bietet deutlich mehr Spielspass fürs Geld. Der nächste Teil kann eigentlich nur besser werden: Saubere Technik, sympathische Charaktere, längere Spielzeit, besseres Leveldesign mit nachhaltigen Highlights. Dieser Ableger wird schnell in Vergessenheit geraten.