NFL Tour
Hört man als,
mit dem amerikanischen Volkssport unbefleckter, Spieler die drei Buchstaben
NFL, so stellt sich meist Ernüchterung ein. Die einen denken an ein
bibelgleiches Regelwerk, die anderen an Männer wie Schränke, die sich um einen
eiförmigen Ball prügeln. So ganz Unrecht hätte im Falle einer NFL Simulation
ala Madden sicherlich keiner. Was uns das EA Label EABig mit NFL Tour hingegen
abliefert ist kein simulationslastiges Football-Spiel. Hier stehen eher der
Spaß und der schnelle Einstieg im Vordergrund. Wie der Arcade-Titel abschneidet,
erfahrt Ihr wie immer in unserem Review.
Los gehts...
Beim Start des Spiels fällt einem gleich das aufgeräumte
Menü ins Auge. Allerdings sieht man auch gleich, dass NFL Tour nicht sehr viele
Spielmodi zu bieten hat. Das Herzstück des Spiels ist der namensgebende
Tour-Modus. Hier erstellt ihr euch einen eigenen Spieler. Erwartet aber nicht
allzu viele Optionen bei der Schaffung eures Charakters. Ist das erledigt,
setzt ihr ihn noch auf die Position, auf der er spielen soll. Zu guter letzt verteilt
Ihr noch ein paar Skill-Points auf diverse Fähigkeiten wie Speed, Blocking und
Catching und fertig ist der neugeschaffene Football-Profi. Jetzt gehts auf zur
Teamwahl. Hier stehen euch so ziemlich alle gängigen US-Profi-Footballmannschaften
zur Verfügung.
Habt ihr euch
für ein Team entschieden gehts auch schon los. Jetzt ist es an euch, euer Team
von San Diego über San Francisco, Chicago u.a. bis
nach Washington zu führen, dort das Endspiel zu gewinnen und einen NFL Vertrag
abzusahnen.
Ins kalte Wasser
geschmissen!
Ohne groß zu wissen, wie denn eigentlich die Regeln des
Spiels sind, werdet ihr in die erste Begegnung geschmissen. Gleich zu Beginn
des Spiels fällt einem auch schon auf, dass hier jedes Team nur 7 Spieler hat
und das Feld auch recht klein ist. Das hilft ungemein bei der Übersicht. Eure
Aufgabe ist es nun, den vom gegnerischen Team geworfenen Ball zu fangen und
soweit wie möglich ins gegnerische Feld zu schaffen. Es wird nicht lange dauern
und die ersten Gegenspieler werden sich euch nähern. Bei einem einzelnen
Gegner, der versucht euch zu stoppen (zu tackeln), könnt ihr nun per X-Taste
oder per schütteln des Controllers ausweichen. Solange wie also nur ein Gegner
auf euch zustürmt ist also theoretisch ein sehr weiter Run möglich. Wer aber
schon mal Football im TV verfolgt hat weiß, dass es nicht lange nur bei einem einzelnen
Gegner bleibt. Nehmen euch jetzt 3 oder gar 4 Mann aufs Korn, so habt ihr keine
Chance und werdet spektakulär zu Boden gehen.
Ziel ist es,
das Leder-Ei in die sogenannte Endzone zu bringen. Wir kennen das alle als
einen Touchdown. Dieser bringt volle 6 Punkte auf euer Konto. Danach habt ihr
noch die Möglichkeit eine sogenannte Conversion zu vollführen. Diese wird bei
Erfolg mit einem oder zwei zusätzlichen Punkten belohnt. Habt ihr das alles
geschafft, seid ihr mit Verteidigen dran. Der Gegner bekommt den Ball und ihr
müsst alles dran setzen, ihn daran zu Hindern in eure Endzone zu kommen.
Für eure
Defense und Offense stehen euch verschiedene Spielzüge zur Verfügung. Jeder Fan
der Madden-Serie von EA denkt jetzt gewiss an die riesige Auswahl an Spielzügen,
die einem das Spiel bot. Bei NFL Tour ist dieses Repertoire auf ein Minimum
geschrumpft.
Online-Spaß
Weitere
Möglichkeiten euch auszutoben bringt ein Online-Modus, der Smash & Dash und
der Redzone-Rush Modus. Der Online Modus ist ganz ordentlich gelungen. Neben
Ranglistenspielen könnt ihr euch auch in ganz normale Spiele mit euren Freunden
stürzen. Ihr könnt Leaderboards und Statistiken einsehen. Und ihr könnt euch in
der Lobby mit Spielern verabreden, die in der gleichen Klasse (Beginner, Advance,
) wie ihr spielt. Beim Smash & Dash Modus bekommt ihr
Punkte, wenn ihr den Ball so lange wie möglich haltet. In der Defense gibts
Punkte für besonders harte Tackles und sogenannte Fumbles (wenn der
Gegenspieler den Ball nicht richtig fängt).
Beim Redzone-Rush hingegen zählen einzig und allein de Tochdowns.
Technische Lücken
Kommen wir nun zur technischen Seite von NFL Tour. Grafisch
zeigt sich der Titel leider nicht von der besten Seite und spielt eher in der
zweiten Liga. Gleich beim ersten Spiel bemerkt man das starke Kantenflimmern. Die
Stadien der verschiedenen Städte lassen wenig Unterschiede erkennen, sind aber
recht farbenfroh gestaltet und schön bunt ausgeschmückt worden. Das Publikum
ist kaum zu erkennen, was allerdings bestimmt auch besser so ist. Gefallen
hingegen können die Feuerwerkseffekte bei Touchdowns oder die schön
anzusehenden Zeitlupen, die immer wieder passend eingestreut werden.
Übertrieben, aber zum Spiel passend sind die Physik-Effekte. So fliegt ein
Spieler schon mal um die fünf, sechs Meter, wenn er hart gerammt wird. Alles in
allem kann die Grafik zwar gefallen, ist am heutigen Stand der Technik gemessen
aber nicht mehr Up-To-Date. Auch beim Sound erwartet uns ein zweischneidiges
Schwert. Sehr gut sind zum einen die fetzigen und aktuellen Rocktitel und zum
anderen die Soundeffekte beim Spielgeschehen. So klingen Tacklings äußerst real
und die Feuerwerke haben richtig Bums. Nervig hingegen sind die Kommentatoren.
Schon nach fünf Minuten haben die ihr ganzes Sprüche-Repertoire aufgebraucht
und wiederholen sich ständig. Auch das Publikum hätte ruhig ein bisschen
euphorischer ausfallen dürfen.
Fazit:
Ein Schock durchlief mich, als ich
feststellte einen NFL-Titel testen zu müssen. Allein der Gedanke an die, für
Normalsterbliche, eigentlich undurchsichtigen Regeln ließ mir Angstschweiß über
den Rücken laufen. Doch schon nach zehn Minuten NFL Tour senkte sich mein Puls
wieder auf den Normalwert und ich merkte, dass ich es hier mit einem
Arcade-Titel des amerikanischen Volkssports zu tun habe. Das Spiel überzeugt
mit einem schnellen Spieleinstig und einer sehr schnell zu kapierenden
Spielmechanik. Leider fehlt es einem dann doch ein wenig an taktischer Tiefe.
Ein paar mehr Spielzugsvarianten hätten dem Game ohne Frage gut getan. Auch die
Grafik ist nicht jedermanns Sache. Zu guter letzt bleibt zu sagen, dass NFL
Tour durchaus für kurze Zeit unterhalten kann. Spieler, die sich ernsthafter
mit der Footballmaterie auseinandersetzen wollen, greifen besser zu anderen
Titeln.