Alone in the Dark
Entsinnen
wir uns zurück in das Jahr 1992. Damals erschien ein Spiel mit dem Titel
Alone
in the Dark und es begründete das Genre des Survival-Horrors. Jetzt,
schicke 16
Jahre und 3 Fortsetzungen später, ereilt uns der fünfte Teil des
beliebten
Grusel-Games. Die lange wartenden Fans mussten diesmal all ihre Hoffnung
in die
Hände des Entwicklerstudios Eden Games legen. Diese wurden bekannt durch
Hits
wie V-Rally oder Test Drive Unlimited und haben also scheinbar recht
wenig
Erfahrung im Bereich des Survival-Horrors. Ob dieser Umstand für die
Fortsetzung der Serie förderlich war oder nicht, dass klärt wie immer
unser
Review.
Fulminanter Einstieg
Eigentlich kauft sich der treue
Konsolenspieler doch eine Playstation, damit er die Blu Ray einlegt und
losspielen kann. Doch was in letzter Zeit ein wenig frustriert, ist die
mitunter lästige Installation von Spielen auf der Festplatte von Sony´s
schwarzem Multimediakasten. Auch Alone in the Dark macht hier keine
Ausnahme.
Zwar lassen einen die Entwickler ein paar Tipps zum Spiel lesen, aber
spätestens nach dem zweiten durchlesen ist auch das nervig. Nun ja, nach
der
Installation kann es dann doch losgehen. In den ersten dreißig Minuten
feuert
der Titel aus allen Rohren, was Effekte, Steuerung und Action anbelang.
Der
altbekannte Protagonist Edward Carnby erwacht in einem, ihm unbekannten
Raum.
Er hört Stimmen, kann diese aber nicht zuordnen. Auch weiß er noch nicht
einmal
wer er ist. Der Spieler steuert hier ausschließlich in der
Ego-Perspektive und kann
sich mit dem linken Analog-Stick umsehen. Als die beiden NPC´s Carnby
aufrichten ist dieser immer kurz vor der Ohnmacht. Durch drücken der L3
Taste
zwinkert man und die verschwommene Umgebung wird wieder klar. Nach einer
Unterhaltung soll Carnby „beseitigt“ werden. Hier bekommt man mit, dass
sich
alles in einem Hotel abspielt. Auf dem Weg zum Dach, auf dem Carnby
seinem
Ableben nähergebracht werden soll, wird sein Bewacher durch dubiose
Umstände
eliminiert und Edward kann fliehen. Eingebaut in die Flucht aus dem,
durch
Monsterangriffe, zusammenfallenden Hotel ist das Tutorial. Auch erinnert
das
Spiel ab hier eher sehr stark an einen Actionkracher als ein
Horrorspiel, wie
es die Vorgänger waren. Erdbeben erschüttern das Hotel, überall brennt
es und viele
offensichtliche Wege aus der Misere sind nur über Klettereinlagen zu
erreichen.
Sehr gut gescriptete Einlagen vermitteln einem das Gefühl, man würde
mitten
drin stecken in der Flucht. Als kleines Beispiel: Carnby kann nicht mehr
durch
einen Flur entkommen, doch in der Wand klafft ein riesiges Loch. Also
nichts
wie raus an die frische Luft und um das Hotel herum geklettert. Gerade
als sich
Edward an einem Sims entlang hangelt explodiert auf der Straße unter ihm
ein
Auto und die Wucht der Detonation schleudert das Auto nach oben. Kurz
vor den
Füßen des Spielers aber geht es mit dem Wrack wieder abwärts. Solche
Situationen gibt es in der ersten halbe Stunde zu Hauf und sie lassen
das
Adrenalin im Blut des Spielers ungemein aufkochen.
Autofahrten und Parkbesuche
Im Parkhaus des Hotels, oder was
davon übrig ist, angekommen ist es äußerst offensichtlich die Flucht nun
per
Automobil anzutreten. Coole Sache: der Spieler kann entweder unter der
Sonnenblende den Autoschlüssel finden oder das Auto kurzschließen. Die
folgende
Flucht vor der bösen Macht, die auch New York anzugreifen und Carnby auf
Tritt
und Schritt zu folgen scheint, erweist sich als äußerst spektakulär.
Einbrechende Straßen versperren einem immer wieder den Weg und man muss
sich
schnell einen neuen Weg suchen. Adrenalin!! Eine ungemeine Trübung des
Spielspaßes zeigt sich hier aber trotzdem, denn die Autofahrt ist die
reinste
Trial and Error Passage. Ist diese Überstanden wird es erstmal wieder
ruhiger,
denn Carnby ist im Central Park angekommen, dem hauptsächlichen
Austragungsort
des Spiels. Nachdem man auch im Hotel den einen oder anderen Kampf
bestritten
hat, kommt es hier doch zu vermehrtem Feindkontakt. Die Steuerung beim
Kampf
ist mit einer der großen Kritikpunkte an dem Spiel. Aber kommen wir
erstmal zum allgemeinen Handling. Carnby steuert sich wahlweise
aus der Ego-Perspektive oder aus der Sicht eines Verfolgers, der
sogenannten
Third-Person-Perspektive. Beide Ansichten haben Ihre Vor- und Nachteile.
Zwar
kann man bei letzterer die Kamera selbst nach belieben ausrichten, doch
stellt
sich diese auch manchmal recht störrisch in eine sehr ungünstige
Position. Die
First Person View hingegen macht das Zielen recht einfach, doch durch
die
schlechte Einstellung der Empfindlichkeit der Analogsticks wird das
Bewegen der
Spielfigur zum Terror. Die Darstellung des Inventars hingegen ist sehr
gut gelungen. Anstatt auf
Tastendruck ein langweiliges Menü zu öffnen, schaut Edward an sich
herunter und
öffnet seinen Mantel, hierin verbirgt sich dann alles was der Spieler im
laufe
des Abenteuers so einsammelt. Von der logischen Seite her zwar ein wenig
abwegig, man fragt sich wie der Protagonist überhaupt hinfallen kann
ohne all
die Sachen zu verlieren, aber immerhin äußerst originell. Mitunter kommt
es vor,
das einem ein Untoter Blut in die Augen spritzt. Wer jetzt schnell genug
die L3
Taste malträtiert, was ein Blinzeln Carnbys verursacht, der hat Ruck
Zuck wieder
freie Sicht. Was die Steuerung im Kampf angeht, so ist diese viel zu
hektisch ausgefallen.
Anstatt der Genretypischen Belegung (L1 zielen Viereck/Kreis schießen)
wurde
hier alles geändert. Und so bin ich selbst nach dem zehnten bis
fünfzehnten
Kampf immer noch am überlegen und hektisch am rumdrücken, welcher Knopf
denn
nun den Schuss aus meiner Waffe bricht. Die schlecht kalibrierte
Empfindlichkeit des Analogsticks tut nebenbei auch noch ihr bestes, um
einen in
die Weißglut zu treiben.
Feuer frei
Mit herkömmlichen Waffen lassen sich
die meisten Gegner ja sowieso nicht besiegen. Diese sterben erst dann
endgültig, wenn man sie verbrennt. Hier kommen die Vorzüge der genutzten
Havok-Engine zum Vorschein. Diese kann nämlich nicht nur wunderschöne
Feuereffekte erzeugen, sondern auch den Weg des Feuers physikalische
äußerst
exakt berechnen. Also nehmen wir zur Beseitigung der Zombies einfach
einen
Stuhl, entzünden diesen an einem Brandherd und schon haben wir eine
ausgezeichnete Waffe. Doch Vorsicht, der Stuhl ist auch nur aus Holz und
irgendwann ist auch dieses abgebrannt. Was man den Entwicklern
allerdings nicht vorwerfen kann, ist mangelnde
Innovation. So lassen sich mit den auffindbaren Gegenständen allerlei
lustige
Waffen basteln. Ein bisschen Rostschutzspray und ein Feuerzeug geben zum
Beispiel einen passablen Flammenwerfer ab. Eine, mit Sprit aus dem Tank
eines
Autos gefüllte Plastikflache lässt sich gleich auf mehrere Arten
verwenden. Zum
einen als Molotowcocktail mit geringer Verzögerung der Explosion
(Glasflaschen
zerspringen sofort) und zum anderen als Sprengsatz in Verbindung mit
doppelseitigem Klebeband. Hier lassen sich herrliche Spielereien
anstellen. Doch
kann man damit nicht nur Feinde eliminieren. Auch in die kleinen, immer
wieder
eingestreuten Rätsel werden diese Spielereien mit einbezogen. Wem ein
Abschnitt des Spiels mal zu schwer sein sollte oder wer keine Lust hat
für das Ende das ganze Spiel durchzuspielen, der kann bequem in einer
Art DVD
Menü alle Kapitel überspringen.
Grafischer Höllentrip
Die
Erzählweise der Story ist ein weiterer Kritikpunkt an Ataris geplantem
Horrorspiel. Neulinge kommen gleich gar nicht zurande, da man scheinbar
jeden
Charakter der Anfangsminuten kennen muss und Alteingesessene Alone in
the
Dark-Spieler haben nach 20 Minuten immer noch damit zu kämpfen, die
ganze
Action zu verarbeiten. Denn davon gibt’s hier in den ersten Szenen ja
mehr als
in den vier Vorgängern zusammen.
Grafisch spielt der Titel eher auf mittelmäßigem Niveau. Zwar lassen
gerade
Gesichter sehr viele Details erkennen, strahlen aber durch das recht
plastische
Aussehen wenig Realität aus. Die abgehackten Animationen der NPC´s und
Monster
zeugen heutzutage wirklich nicht mehr von Aktualität. Einzig die
Animation und
Berechnung des Feuers kann überzeugen. Rar verstreute Unschärfeeffekte
können
an der sonst leider nur durchschnittlichen Grafik nichts mehr ändern.
Soundtechnisch
können hier einige Passagen gefallen. In aufregenden Momenten wird die
Szenerie
durch hörbar passende Musik unterstrichen. Die Synchronisation hingegen
ist ein
Graus, vor allem die Deutsche.
Was am Ende übrig bleibt…
…ist leider nicht mehr als ein
durchschnittliches Actionspiel! Doch was soll das? Ist die Alone in the
Dark –
Reihe nicht für ihren subtilen Horror, erschreckende Momente und eine
gruselige
Story bekannt? Eden Games macht nur wenig Richtig und vieles Falsch,
verschießt
hier zu Beginn derart das Pulver und die innovativen Neuerungen des
Spiels, das
am Ende nur Ernüchterung übrigbleibt. Fans der Serie könnten vielleicht
den ein
oder anderen Gefallen an dem Spiel finden, alle anderen sind, wenn sie
Survival-Horror wollen, mit anderen Titeln besser bedient.
|
Pro
|
Contra
|
|
Ansatzweise Innovativ
|
kein Alone in
the
Dark Feeling
|
|
starker Beginn
|
mehr Action als Grusel
|
|
|
schlechte Synchro
|
|
|
durchschnittliche Grafik
|
|
Story/Umfang
|
6/10
|
|
Präsentation
|
7/10
|
|
Grafik
|
6/10
|
|
Sound
|
7/10
|
|
Steuerung
|
6/10
|
Gesamt: 70%