Was waren das noch für epische Zeiten, in denen Helden Pixel für Pixel das Schwert durch unzählige Büsche schlugen – unterwandert vom harmonischen und märchenhaften 8-Bit-Sound, nur um ein paar Diamanten für den Geldbeutel zu finden...
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3D Dot Game Heroes
Was waren das noch für epische Zeiten, in denen Helden Pixel
für Pixel das Schwert durch unzählige Büsche schlugen – unterwandert vom
harmonischen und märchenhaften 8-Bit-Sound, nur um ein paar Diamanten für den
Geldbeutel zu finden. Denn Helden sind bekannter weise immer knapp bei Kasse
und Büsche immer ein Garant für reichliche Beute. Was einen noch an diese
grün-zipfelmützige-Zeit erinnert, sind knackige Rätsel, berühmt berüchtigte
Kisten-Öffnungs-Jingle-Töne undkleine
nervende Ratgeber, welche meist in der Form einer kleinen Elfe ins Spiel
eingesponnen waren.
Wer gerne eine Zeitreise riskieren möchte, aber dabei was
ganz Neues spielen will – der sollte sich „3D Dot Game Heroes“ anschauen.
Gerade dem Publikum jenseits der 25 Jahre, wird fast schon ein Linkisches
Grinsen ins Gesicht gezaubert und das bereits nach den ersten paar Minuten.
Im Prinzip ist das Spiel nichts anderes, als eine
riesengroße Hommage der Zelda Reihe – jedenfalls wird das den meisten am
bekanntesten sein und deutliche Anspielungen sind nicht von der Hand zu weisen.
Und so bedient sich das Spiel einer sehr dünnen Story, die einem so trocken
serviert wird, dass sie schon wieder zum Schmunzeln ist: Das Königreich Dotnia
wird vom Bösewicht Onyx bedroht und so wird ein Held erkoren, der die 6 Weisen
retten soll, damit diese mit der Macht der Kristalle Onyx Paroli bieten. Wer
sich zuvor also einen Helden von der Auswahlpalette geschnappt hat, kann sofort
loslegen und das Königreich erforschen und die Dungeons nach den Weisen
abklappern. Das Schöne dabei ist, dass die Helden nicht nur unterschiedlich aussehen
– sogar der Weihnachtsmann ist bereit für Dotnia zu sterben, sondern auch alle unterschiedlichen
Gewichtungen haben. Während der harte Kämpfer mehrere Treffer einstecken kann
und zudem auch austeilt, ist er in Sachen Magie eine Flasche und so ergeben
sich schon fast typische Konstellationen zwischen den einzelnen Charakteren.
Das Schöne dabei, man kann sogar während des Spiels die Charaktere wechseln.
Und wer davon immer noch nicht genug hat, der kann sich mit einem Editor seinen
Wunschcharakter basteln und dieser ist so pixelgenau zu bedienen wie das Spiel
ausschaut…
…das Besondere bei „3D Dot Game Heroes“ ist eindeutig die Grafik,
welche das Spiel erst so retrohaft macht und auf einen Schlag auch liebenswert.
Das im Pixel-Klötzchen-Format aufgebaute Spiel wirkt etwas wie eine
3D-Lego-Landschaft, in der man in der Iso-Ansicht meist genau weiß, wo es lang
geht und Bild für Bild in die nächsten Abschnitte scrollt. Die Untermalung des
passenden Sounds, der, wie anzunehmen, sehr an die 8-Bit-Ära erinnert, sorgt
für vollste Retroharmonie.Schon bald
hat man das Gefühl einen grauen Modulkasten unterm Fernseher stehen zu haben
und keinen fixen schwarzen Ferrari im PS3 Look. Schon nach kurzer Zeit ist man diesem
Bann verfallen und hat mit typischen Schalter- und Schieberätseln etliche
Kisten geöffnet, Monster in den Abgrund der Bittiefen geschickt und zahlreiche
Sprechblasen verinnerlicht. Hier kommen allerdings nur die auf die Kosten, die
des Englischen mächtig sind. Es wurde komplett auf eine deutsche Lokalisation
verzichtet. Die Textphrasen sind zum Teil anspruchsvoll und geben viel
Potenzial für die Schmunzel-Muskeln. Ebenfalls bremsen die längeren Ladezeiten
zwischen den einzelnen Abschnitten mit mehreren Sekunden, welche allerdings
durch eine optionale Festplatteninstallation deutlich verkürzt werden können.
Das Gameplay selbst geht fließend von den Fingern, selbst
für Ungeübte und Anfänger sollte der Held leicht beherrschbar sein. Die Menüs sind
mehr als übersichtlich strukturiert, kämpft man sich meist mit der X-Taste
durchs Leben und sammelt alles ein, was
einem vor die Füße fällt. Gegner, Fallen und Rätsel sind Altbekannte, während
der kleine leuchtende Ratgeber auch mit von der Partie ist und somit das Retro-Paket
vollends abrundet. Auch das altmodische Speichersystem ist wieder dabei.
Übernachtungsmöglichkeiten in Form von kleinen Herbergen oder Gaststätten
bieten auch hier die Möglichkeit zum Speichern an. Kontrollpunkte werden nur
bei bestimmten Punkten in Dungeons gesetzt. So sollte man sich nicht nur
Teleport-Items einpacken, sondern auch allgemein für eine gut gefüllte
Vorratstasche sorgen. Denn schnell steht der Held ohne Kerzenlicht oder Energie
dar. Letzteres kann das Spiel verteufelt schwer machen, denn mit sinkender
Apfelanzeige wird auch des Helden‘s Schwert schwächer. Ein Teufelskreis der
sich ohne größeren Tränke-Vorrat schnell zum Frustkreis erschließt. Wer gerade
Apfelanzeige gelesen hat, hat sich vielleicht Herzanzeige gedacht und ein
komisches Wort in meine Richtung, allerdings wurde die Herzen tatsächlich gegen
Äpfel getauscht. Die Anzeige als auch die einzusammelnden Items, die die
Lebensenergie auffrischen, kommen als Äpfel daher. Im Laufe der Geschichte
erringt man bekannte Waffen wie Bogen, Bomben und Enterhaken, welche altbacken
und bekannt eingesetzt werden, um neue Hindernisse zu meistern und Schätze zu
bergen.
Fazit
Das Spiel hat seine Schwächen, aber einfach zu viele Stärken,
die gerade die ältere Generation ansprechen dürften. Es zieht einen tief in
seinen Bann und lässt einen sofort in schon gewonnene Pixelschlachten schwelgen.
Eindeutig wird hier eine genaue Zielgruppe angesprochen, welche dieses Spiel
mit einem offenen Herzen empfangen sollte – allen anderen, die diese Zeiten
nicht kennen oder nicht lieb gewonnen haben, werden „3D Dot Game Heroes“ nicht
mehr als ein müdes Lächeln entgegenbringen. Es ist eine gelungene Abwechslung
in der HD-Zeit, wo alles prächtig und glatt aussehen muss. Schade, dass der
Hersteller den deutschen Markt bewusst vernachlässigt hat. Wer der englischen
Sprache mächtig ist und ein Fable für Retro-Games hat, wird viel Spaß mit
diesem Spiel haben.
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