Für einen „American Football“-Titel klingt Backbreaker nach purer Arcade-Action und nach vielen Knochenbrüchen. Aber dort, wo zuletzt die Konkurrenz nicht so einen glanzvollen Auftakt hinlegte und man die Knochenbrüche nicht nur hören...
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Für einen „American Football“-Titel klingt Backbreaker nach
purer Arcade-Action und nach vielen Knochenbrüchen. Aber dort, wo zuletzt die
Konkurrenz nicht so einen glanzvollen Auftakt hinlegte und man die
Knochenbrüche nicht nur hören sondern auch sehen konnte, scheint es, dass
Backbreaker nur einen brachialen Namen hat – denn was hier den Spieler
erwartet, zielt eher auf die Madden-Abteilung. Aber reicht es auch an ein
Madden ran?
Football-Einsteiger führt das Spiel mit einigen
Trainingssituationen hinein, dies ist sogar recht gut gelungen – man bekommt
gesagt, was zu tun ist und dann GO! Hier fällt wohl das erste Ei vom Himmel,
denn die Steuerung ist so einfach, dass sie fast zu einfach ist. Während man
mit dem linken Stick die Figur versucht zu steuern, löst man fast alles andere
mit dem rechten Stick aus. Tackle – rechter Stick nach oben, Pass – rechter
Stick nach oben, Kick – rechter Stick nach oben – schon was gemerkt? Bis auf
wenige Ausnahmen sind alle Tasten ohne Funktion. Denkbar einfach, aber nicht
innovativ. Ich hoffe nicht, dass man in naher Zukunft versucht FIFA-Spiele mit
gleichem Muster zu programmieren. Während einem die Tutorials in das eintönige
Steuerungs-Nirvana eingeschläfert hat, geht’s ab zum Spiel und hier wird man
mit einem „Ich-erstelle-mir-alles-selbst-Modus“ belohnt, aber zugleich damit
bestraft, dass man keine einzige originale Footballlizenz zu Verfügung hat. Das
die NFL in den Händen von EA liegt ,ist klar, aber wie wäre es hier z. B. mit
europäischen Ligen gewesen? Schließlich will man ja auch mit diesen Spielen die
Anhänger in Europa erreichen, oder nicht? Denn komischerweise gelten in den
Footballligen des Spiels ähnliche Regeln wie beim europäischen Fußball, wo
Mannschaften ab- und aufsteigen können.
Aber zurück zum Schlachtfeld, denn hat man sich durch die
Menüs gewälzt, steht man kurzerhand auch irgendwann auf dem Platz und darf
endlich in den Rasen beißen oder den Gegner niederrammen. Dabei gibt es wieder
zahlreiche vorgegebene Spielzüge, aus denen man auswählen kann. Wer nicht weiß
was er nehmen soll, lässt sich im Zweifelsfall einen Tipp geben. Im Spiel wird
schnell klar, was Übersicht heißt und wie man diese quasiaus dem Feld gekickt hat. Wo noch die
Laufwege als Pfeile und eventuelle Passzonen markiert werden, so sind die
Kameraeinstellungen völlig misslungen. Niemals bekommt man die Chance, das
ganze Feld zu sehen, um die Situation richtig unter Kontrolle zu kriegen. So
hat man quasi immer das Gefühl, dass man einen „Be-a-Hero“-Mode zu spielen hat
und von Spieler zu Spieler hüpft. In der Offensive spielt man stets den
Ballhaltenden und in der Defensive wird zu dem bevorzugten Spieler gewechselt.
Sollte der KI-Kamerad einen Steal machen, hat man die Chance, zu dem Spieler zu
switchen oder lässt es lieber, denn durch das Geswitche geht viel Übersicht
verloren und bevor man sich versieht, ist man in den nächsten Gegner gerannt.
Das Gameplay ist im Ganzen sehr grob aufgebaut, sollte man mal zu stark nach
links oder rechts lenken, nimmt dies der Spieler ziemlich wörtlich – somit wird
diagonales Laufen weiterhin erschwert. Ganz davon abgesehen, dasses fast unmöglich ist, einen Gegner durch
pures Umlaufen auszuweichen, ausführbar mit dem „rechten Stick“. Zur Abwechlung
könnte man diesen nach links oder rechts drücken, denn mit einer Kreisbewegung
macht man einen Spin und sobald man diesen perfektioniert hat – ist alles
andere überflüssig. Merkt euch also „Stick nach vorn“ ist die absolute Lösung,
wenn ich den Ball haben oder passen will, und „Kreise machen“ wenn ich mit dem
Ball bis zur Endline laufen möchte. Perfekt getimed setzt man damit fast jeden
Defensemann in den Boden und so werden oft Touchdowns erzielt. Sollte man
allerdings mal jemanden wirklich von den Beinen holen oder man selbst wird von
den Beinen geholt, sieht's echt genial aus – aber so gut es auch aussieht,
nichts von alldem hat Auswirkungen auf die Gesundheit eurer Spieler. Keine
Verletzungen in so einem harten Sportspiel einzubauen, dessen Name schon nach
„Autsch“ klingt, gehört schlichtweg bestraft.
„Backbreaker“ prahlt damit, dass jede Situation absolut
einmalig ist und nie vorberechnet. Das stimmt auch, nichts ähnelt so schnell
dem anderen – selbst bei gleichen Spielzügen mehrmals hintereinander – dazu
kommen noch die relativ guten Animationen, die nach der Zeitlupe auch noch
schick aussehen. Was das Ganze trübt ist der allgemeine Grafikstil, der
plastisch, unrealistisch und nach Playmobil aussieht. Die Stadien sind nicht
gerade eine Augenweide und Schiedsrichter sucht man auch vergebens. Die Zuschauer
mehr schlecht als recht, aber es zumindest sind welche da, die das Spiel laut
unterstützen. Ansonsten ist auch in Sachen Ton nicht viel zu holen. Kurze
rockige Einlagen, aber nichts was dem Spielerlebnis helfen würde, mal in Fahrt
zu kommen und eine Moderation hat man auch gleich weggelassen. Und wie hätte
man es schon erraten können, ist das ganze Spiel nicht übersetzt worden,
ebenfalls die Anleitung nicht. Das macht es für die, die des Englischen nicht
mächtig sind, noch etwas schwieriger, sich in den Menüs zu Recht zu finden.
Fazit
Wollte man mit Backbreaker tatsächlich der Konkurrenz einen
Tritt verpassen? Wie sagt man beim Fußball? – Eigentor! Jedenfalls denkt sich
das jeder, der mit Football nicht ganz so viel am Hut hat, Fans hingegen mögen
von Backbreaker begeistert sein, denn darin steckt mehr Realismus als in mach
anderem Footballspiel. Ein Titel allein für die Fanbase, alle anderen sollten einen Bogen machen. Wer Wert auf Lizenzen und Moderation legt, der sollte es gleich lassen. Das Spiel wirkt in vielen Sachen noch unfertig, vielleicht
auch ein Grund, warum der Hersteller das Ding fast heimlich auf den Markt
gebracht hat ohne eine Promo anzubieten? Von der dreimaligen Verschiebung ganz
zu schweigen. Hätte sich Backbreaker in manchen Phasen nicht selbst das Rückrad
gebrochen, hätte es sogar zu einem richtig guten Titel werden können.
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